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Im Gespräch: Hilmar Hoffmann, früherer Frankfurter Kulturdezernent : „Eine blühende Museumslandschaft“

  • Aktualisiert am

Hilmar Hoffmann, früherer Frankfurter Kulturdezernent. Bild: Wolfgang Eilmes

Von 1970 bis 1990 war Hilmar Hoffmann Frankfurter Kulturdezernent. Er machte die Stadt zum bewunderten Vorbild einer Erneuerung mit kulturpolitischen Mitteln. Vor 25 Jahren gewann das Museumsufer Kontur.

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          Das Museumsufer ist so eng mit Ihrer Zeit als Frankfurter Kulturdezernent verbunden wie kein anderes Projekt. Vor 25 Jahren hat es Gestalt angenommen: Das Deutsche Filmmuseum und das Deutsche Architekturmuseum wurden 1984 eröffnet, 1985 zog das Museum für Kunsthandwerk, wie es damals noch hieß, in den blendend weißen Neubau von Richard Meier. Wie aber ist das Museumsufer-Konzept überhaupt zum politischen Programm geworden?

          Die Idee ist schon Anfang der siebziger Jahre geboren worden. Der damalige Oberbürgermeister Rudi Arndt hat sie später zwar widerwillig ins SPD-Wahlprogramm aufgenommen, aber es bestand wenig Aussicht, sie unter seiner Ägide auch zu verwirklichen. Unter Arndt konnte ich aber viele andere Projekte durchsetzen. So haben wir zwölf Stadtteilbibliotheken errichtet und etwa ebenso viele Bürgerhäuser gebaut, aber keine Museen.

          Das konnten Sie als sozialdemokratischer Stadtrat erst unter dem CDU-Stadtoberhaupt Walter Wallmann auf den Weg bringen?

          Als Rudi Arndt die Wahl 1977 verloren hatte, kam mit Walter Wallmann als Oberbürgermeister ein Musenfreund in die Stadt. Der „Spiegel“ hatte damals ein längeres Interview mit mir geführt, dessen letzte Frage war: „Die CDU hat Wahlkampf speziell gegen Sie gemacht, wie verhalten Sie sich, wenn Wallmann Sie trotzdem behalten will?“ Ich hatte gesagt: „Wenn ich nicht abschwören muss, bleibe ich.“ Drei Tage nach Amtsantritt hat Walter Wallmann mich angerufen, um mich kennenzulernen.

          Und da ging es gleich ums Museumsufer?

          Ja, ich habe ihm mein Museumsuferprojekt vorgetragen und ihm gestanden, dass ich unter Arndt keine Chance hatte, es durchzusetzen. Da hat er mich mit der Frage überrascht: „Womit wollen wir denn anfangen?“ Meine Antwort: „Mit dem Filmmuseum.“ Da er noch keine weiteren Termine hatte, schlug er ad hoc vor, doch mal eben rüberzugehen auf die andere Mainseite, Ecke Schweize Sstraße – und gottlob kampierte ein Dutzend Obdachloser in dem Gebäude, da mussten wir über leere Büchsen und Flaschen steigen. Als wir wieder an der frischen Luft waren, war er schon überzeugt: „Ja, ja, das machen wir hier.“ Und dann sagte er: „Wenn wir einander versprechen, dass keiner versucht, den anderen aufs Glatteis zu führen, würde ich mich freuen, wenn Sie bleiben.“ Dieses Versprechen hat neun produktive Jahre lang gehalten.

          Haben Sie ihm denn einen Gesamtplan vorgelegt, welche Museen ausgebaut und welche neu errichtet werden sollten?

          Ich habe dargelegt, dass wir vor allem solche Museen gründen sollten, die es damals in anderen Städten noch nicht gab wie ein Filmmuseum, ein Architekturmuseum, ein Jüdisches Museum. Deshalb haben wir ja auch den Zusatz verwendet: „Deutsches“ Filmmuseum, „Deutsches“ Architekturmuseum. Wir waren uns bald einig, der Forderung nach einem Gesamtplan, der in jeder Stadtverordnetenversammlung von der FDP angemahnt wurde, nicht sofort nachzukommen. Denn wenn wir die Gesamtsumme für die Bauvolumina hätten hochrechnen müssen, wäre wohl nichts mehr genehmigt worden. Also sind wir nach der Salamitaktik verfahren, ein Museum nach dem anderen, elf in neun Jahren,

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