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„Huck Finn“ im English Theatre : Ab in den Süden

In aller Freundschaft: Huck, Jim und Tom (von links) sind frei. Bild: English Theatre

Einblicke in eine Zeit des Rassismus und der Sklaverei: Das English Theatre zeigt Sean Aitas Jugendstück „Huck Finn“ nach Mark Twains Klassiker – und könnte damit nicht zeitgemäßer sein.

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          Nichts wie weg. Weg von der pingeligen Witwe Douglas mit ihren Moralpredigten und ihren Ermahnungen, was Jungs alles zu unterlassen hätten, womit sie genau all jene Handlungen meint, die Jungs Spaß machen. Weg auch vom saufenden, prügelnden Vater, der einem zwar keine Predigten hält, es aber eigentlich nur auf das Geld abgesehen hat, das Huckleberry Finn bei einem Abenteuer mit seinem Freund Tom Sawyer zugefallen ist.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nichts wie weg. Weg aus der Sklaverei, die einen Menschen zu einer Ware degradiert, die nach Bedarf verkauft werden kann, ganz gleich ob dabei Frau und Kinder zurückbleiben. Die will Jim aber retten, weshalb er eine gefährliche Flucht antritt, in der Hoffnung, einen von der Sklaverei freien Bundesstaat zu erreichen, um dort das Geld zu verdienen, um seine Familie freizukaufen.

          Es sind unterschiedliche Gründe, die Huck und Jim zum Weglaufen bewegen, doch es ist ein Wunsch, der sie eint: der Wunsch nach Freiheit, auch wenn dieses Wort für einen weißen Jungen und einen schwarzen, in die Sklaverei gezwungenen Mann im Missouri der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts gewiss unterschiedliche Bedeutung hatte. Gleichwohl schweißt es beide als Reisegefährten zusammen, um gemeinsam eine der abenteuerlichsten Flussfahrten der Literaturgeschichte bis zum glücklichen Ende zu überstehen.

          Der Klassiker ist wieder hochaktuell

          Mark Twains unsterblicher Klassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ ist derzeit wieder hochaktuell, weil er Einblicke gibt in eine Zeit des Rassismus und der Sklaverei. Ebenso aktuell ist daher auch die für jugendliche Zuschauer gedachte Bühnenadaption des Romans, die der britische Autor Sean Aita vorgenommen hat und die nun in einer Inszenierung von PJ Escobio am English Theatre Frankfurt zu sehen ist.

          Aita hat die detailreiche Handlung des auf dem Mississippi und entlang des Flusses spielenden Romans radikal verschlankt, ohne ihr die Spannung zu nehmen oder sie ihrer anrührenden Momente zu berauben. Für das Verständnis ist es allerdings hilfreich, um den Verlauf der Geschichte zu wissen, werden viele Begebenheiten des Romans doch nur angedeutet, was dem unterhaltsamen Treiben auf der Bühne allerdings keinen Abbruch tut.

          Im sparsamen, doch effektvollen Bühnenbild, in dem mittels einiger Holzkisten und eines geschickten Einsatzes von Soundeffekten eine ganze Flusslandschaft entsteht, lassen Leanne Maksin in ihrer Rolle als Huck Finn, Keith Wilson als Jim, Evan Scott Schweizer als Tom Sawyer, Vater Finn und König sowie Varvara Pomoni in ihren Rollen als Tante Sally, Witwe Douglas und Herzog ihrer Spielfreude und einer gewissen Lust am „Southern drawl“, jenem Englisch, das im amerikanischen Süden gesprochen wird, freien Lauf. Der Fluss macht sie alle gleich.

          Weitere Aufführungen im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7, am 1., 2., 8., 9., 14. und 15. August.

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