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Open-air mit Klassik und Jazz : Spektakel an der Weseler Werft

Hat auch schon unter dem Eiffelturm dirigiert: Alain Altinoglu Bild: HR/Marco Borggreve

Der Brüsseler Generalmusikdirektor Alain Altinoglu leitet an diesem Donnerstagabend das Open-Air-Konzert des HR-Sinfonieorchesters in Frankfurt. Vorher spielen schon die HR-Bigband und Trompeter Till Brönner.

          Frankfurt habe er bislang nur als Tourist kennengelernt: als eine wunderschöne und nicht so große Stadt. Das sagt der 1975 in Paris geborene Dirigent, der schon an nahezu allen bedeutenden Opernhäusern dieser Welt zu Gast war, an der New Yorker Met etwa, an Covent Garden in London oder am Teatro Colón in Buenos Aires. Aus Alain Altinoglus Perspektive relativiert sich die Größe der Stadt am Main also und ebenso die des Open-Air-Konzerts mit dem HR-Sinfonieorchester an der Weseler Werft, das der Maestro armenischer Abstammung heute leiten wird: 10.000 bis 12.000 Besucher werden bei dem für hiesige Verhältnisse riesigen und eintrittsfrei zugänglichen Spektakel wieder erwartet.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Altinoglu ist das wohl ein Klacks – gemessen an dem Konzert zum französischen Nationalfeiertag, das er kürzlich am 14. Juli am Pult des Orchestre National de France in Paris auf dem Champ de Mars unter dem Eiffelturm leitete: Etwa eine halbe Million Menschen fanden sich zu dem traditionellen Event ein. Im Unterschied zu dem Konzert in Frankfurt, das sich Altinoglu zur Vorbereitung als Fernsehmitschnitt angeschaut hat, seien in dieser großen Publikumsmasse auch viele Zuhörer, die gar nicht der Musik wegen auf den Platz kämen. Sie wollten nur das Feuerwerk am Ende sehen, ist sich der Dirigent sicher. Es sei sehr laut dort, und der Sound des Orchesters werde der Größe der zu beschallenden Fläche entsprechend extrem verstärkt.

          Buntes, europäisches Programm

          Schon am Sonntagabend ist der Generalmusikdirektor des renommierten Brüsseler Opernhauses La Monnaie, der erstmals am Pult des HR-Sinfonieorchesters steht und es am 14. Februar 2020 gleich noch einmal in der Alten Oper leitet, in Frankfurt eingetroffen. Auf der Herfahrt sei er mit dem Zug in ein so starkes Unwetter geraten, dass die Fahrt in Mannheim unterbrochen werden musste. Ein solches Unwetter werde heute beim Konzert an der Weseler Werft aber ausbleiben, gibt sich Altinoglu zuversichtlich.

          hr-Sinfonieorchester: Wegen einer Sturmwarnung musste das Konzert im letzten Jahr mittendrin abgebrochen werden.

          Allerdings weiß er, was im Vorjahr passierte: Wegen einer Sturmwarnung musste das Konzert mittendrin abgebrochen werden. Tausende Besucher strömen daraufhin in hoffnungslos überfüllte U-Bahnen. Das im Vorjahr so ausgebliebene Finale aus Beethovens neunter Sinfonie, für den eigens ein Chor aus Litauen angereist war, wird in diesem Jahr am Ende nachgeholt. Die „Ode an die Freude“ singt nun der Altinoglu bestens vertraute Chœur de la Monnaie. Zu den Gesangssolisten zählt zudem die Mezzosopranistin Nora Gubisch, die der Dirigent regelmäßig als Liedpianist begleitet.

          Als Schmankerl etwas von Offenbach

          Zur Erinnerung an die Einführung des Euros vor 20 Jahren gibt es bei dem Konzert, das zugleich den Auftakt der diesmal nicht auf ein spezielles Gastland konzentrierten Europa-Kulturtage der Europäischen Zentralbank (EZB) bildet, ein buntes, europäisches Programm. Das beginnt in unmittelbarer Nähe zum EZB-Hauptsitz mit dem „Hallelujah“ aus Händels Oratorium „Der Messias“. Nach dem Finale des zweiten Akts aus Verdis Oper „Aida“ folgt kurioserweise Franz Liszts „Totentanz“. Den Solopart in einer der Fassungen für Klavier und Orchester übernimmt Alice Sara Ott. Als Schmankerl gibt es die Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, als Rarität die Suite Nr. 2 aus dem Ballett „Bacchus et Ariane“ des französischen Romantikers Albert Roussel.

          Voran geht dem von Andrea Ballschuh moderierten Orchesterkonzert von 18 Uhr an ein etwa einstündiger Auftritt der HR-Bigband mit dem Trompeter Till Brönner unter der Leitung von Magnus Lindgren. Was bringt so ein Open-Air-Konzert mit klassischer Musik aber überhaupt aus der Sicht des Dirigenten? Nun, antwortet er, es müsse einfach alles versucht werden, um Menschen an diese Musik heranzuführen, gerade solche, die nie in einen Konzertsaal gingen. Und auch wenn es hier nicht die gleiche Klangqualität wie in einem Saal gebe, so könne in einem unterhaltenden Programm doch etwas vom emotionalen Gehalt der Musik transportiert werden.

          HR-Sinfonieorchester

          22. August, 20.15 Uhr, Frankfurt, Weseler Werft

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