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hr-Sinfonieorchester : Planung des Unplanbaren

Blick zurück nach vorn: Musikchef Michael Traub Bild: Wonge Bergmann

Aus Erfahrungen klug: Michael Traub, Manager des hr-Sinfonieorchesters, muss in Corona-Zeiten viel improvisieren.

          6 Min.

          Herr Traub, Sie sind jetzt seit sieben Jahren Orchestermanager und Musikchef beim Hessischen Rundfunk und damit zuständig für das hr-Sinfonieorchester und die hr-Bigband. Das Pandemiejahr 2020 hat Sie und die zwölf Mitarbeiter Ihres Teams aber planerisch und organisatorisch vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Halten wir einmal Rückschau. Wie fing alles an, und wie hat es sich entwickelt?

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir hatten in diesem Jahr viel vor. Und es begann traumhaft mit einer Spanien-Tournee des hr-Sinfonieorchesters unter der Leitung unseres Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada im Januar. Die mit ihm als Höhepunkt seiner mit der Saison 2020/21 endenden Amtszeit geplante Europa-Tournee, die unter anderem nach Athen, Wien und Berlin führen sollte, musste aber im März eine Woche vor dem Start storniert werden. Wir waren danach die Ersten hier in Frankfurt, die ein Abokonzert in der Alten Oper abgesagt haben. Das stattdessen kurzfristig aus dem Sendesaal gestreamte Geisterkonzert am 12. März war da noch singulär. Zwar streamen wir sowieso jedes Konzert aus der Alten Oper, doch dieses hatte eine besondere Aufladung. Das Interesse war enorm, wie 15.000 Klicks zeigten. Während des Lockdowns um Ostern herum haben wir überlegt, wie es weitergehen kann. Da zunächst höchstens zwei Musiker zusammen spielen durften, haben wir unsere Kammermusikreihe „Stage@Seven“ ins Leben gerufen, in der wir täglich von montags bis freitags Konzerte gestreamt haben. Das lief bis zum 28. Juni und war eine große Kraftanstrengung. Die Abruf-zahlen haben sich aber in den vergangenen Monaten auch gigantisch entwickelt: Allein das hr-Sinfonieorchester hat im Netz täglich insgesamt 90 000 Klicks auf allen Videos im Youtube-Channel.

          Nach der Sommerpause und mit Beginn der neuen Saison im September wurden aber auch wieder Konzerte mit Besuchern möglich.

          Richtig, wir haben dazu ein eigenes Hygienekonzept erarbeitet, die Größe des Orchesters auf 40 bis 50 Musiker je nach Saal reduziert und die Konzertprogramme auf die Dauer von etwa einer Stunde gebracht. Die Bigband war dabei das erste Ensemble der ARD, das wieder in voller Besetzung spielen konnte. Mit unseren Musikern und mit Gastkünstlern haben wir vereinbart, dass sie jeweils mit zeitlichem Abstand von 60 oder 90 Minuten zwei Konzerte pro Abend spielen. Im September hat das Sinfonieorchester so auch an zwei Abenden vier Konzerte in der Alten Oper gegeben. Zwei weitere Konzerte, die dort geplant waren, haben wir in den Sendesaal verlagert. Unsere Konzertfrequenz im Sendesaal, in dem von den vorhandenen 800 Plätzen nur etwa 200 belegt wurden, hat sich sonst in der Zeit bis zum zweiten Lockdown eigentlich kaum verändert. Unser Konzept war außerdem, möglichst an den Künstlern festzuhalten, die wir eingeladen hatten. Zugleich haben wir versucht, mit Solisten aus den Reihen des Orchesters zu arbeiten. So kamen die großartigen Solisten, die wir haben, endlich mal zum Zug.

          Was änderte sich während dieser Zeit im Management des Orchesters?

          Im Management hätten wir uns in dieser Zeit normalerweise mit der Planung für die Jahre 2021, 2022 und 2023 beschäftigt. Das hat damit zu tun, dass viele Dirigenten und Solisten so langfristig ausgebucht sind. Man muss sehr früh bei ihnen anfragen, gerade wenn man ein individuelles Programm mit ihnen gestalten will, das sie nicht auch an vielen anderen Orten spielen. Diese langfristige Planung kam nun aber ziemlich zum Stillstand.

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