https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/hollywoodreif-im-staatsheater-darmstadt-die-walkuere-17736684.html

„Die Walküre“ in Darmstadt : Klingende Seelen

„Die Walküre“: Ein gelungener Auftakt, der auch ohne Orchester im Gleichgewicht ist. Bild: dpa

Mit dem hollywoodreifen Einstieg zieht „Die Walküre“ unmittelbar hinein in Wagners Weltengeschichte um den „Ring des Nibelungen“. Daniel Cohen vermittelt das Drama auch ohne Szene.

          2 Min.

          Der Einstieg ist hollywoodreif. Spannende Musik spricht von hastig pulsierender Bewegung, ein erschöpfter Mann auf der Flucht kommt an eine urwüchsige Hütte, öffnet die Tür, sieht niemanden und sackt zusammen. So zieht der Beginn von Richard Wagners Musikdrama „Die Walküre“ das Publikum mit orchestraler Kraft und doch angelegt als Dreipersonenkammerspiel direkt hinein in die von Göttern und Halbgöttern sowie vom Menschsein handelnde Weltengeschichte um den „Ring des Nibelungen“. Genau das hatte Generalmusikdirektor Daniel Cohen versprochen und den ersten Akt der „Walküre“ mit weiteren Auszügen zur konzertanten Aufführung im Staatstheater Darmstadt ausgewählt.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie sehr die Musik Wagners in seiner Heimat Israel als Symbol für Nazi-Deutschland angesehen werde, durch das Trauma der rationalen Diskussion entzogen, und wie er jenseits des Lehrbetriebs Zugang zu ihr fand, hat Cohen im Gespräch mit der F.A.Z. geschildert.

          Die lange pandemiebedingt verschobene Premiere des „Lohengrin“ soll nun am 8. Mai in Darmstadt seine erste vollständig dirigierte Wagner-Oper sein. Insofern war die konzertante „Walküre“ für ihn, das Staatsorchester und das dem Opern-Großklang entwöhnte Publikum eine optimale Vorbereitung.

          Ein beeindruckender Balance-Akt

          Man begegnet zwei Personen in dem Moment, in dem sie sich selbst erkennen: Siegmund und Sieglinde, das getrennt aufgewachsene Zwillingspaar, das sofort in inzestuöser Liebe entbrennt. Cohen machte die dramatischen Verläufe in weit gedachten Linien gut verfolgbar, wobei klar wurde, wie sehr sich bei Wagner der ganze Aufbau samt den vor- und zurückverweisenden Leitmotiven auf das Orchester stützt. Dass es gelang, den Klang auf offener Bühne, ohne die Dämpfung durch den Orchestergraben, so zu balancieren, dass die Singstimmen noch durchdrangen, war dabei allein schon eine Leistung.

          Es wackelte hier und da kräftig, vor allem in den Hörnern und Trompeten, und in den rein instrumentalen Abschnitten war der Klang des grob und teils naiv tönenden Blechs zu dominant. Dennoch eröffnete sich die Möglichkeit, jenseits der szenischen Gestaltung und mit dem im Programmheft verfolgbaren Text zu tieferen Bedeutungsebenen und Sinnbildhaftem vorzudringen.

          In den stärksten Momenten war das eine klingende Entelechie: Siegmund und Sieglinde fühlen sich eins und sind dafür bestimmt, als Seelen- und Körperverwandte in stärkster Liebe und größter Sünde von Inzest und Ehebruch den „Freiesten der Freien“ zu zeugen, den Helden Siegfried. Dorothea Herbert machte von Beginn an fühlbar, wie unabwendbar verbunden sich Sieglinde dem Zwillingsbruder fühlt, in weichem Ton, gut verständlich in den rezitativischen Abschnitten, fließend und auf Linie gesungen in den arienhaften. Peter Sonn, der anfangs sehr auf seine Noten und seinen Part fixiert schien, öffnete mit „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ und „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ die Gedankenräume. Der Bass Matthew Rose gab einen klangmächtigen Hunding, brachte als Wotan in der Abschiedsszene aber nicht das Gebrochene der Götterfigur heraus. Aus der Dramaturgie heraus fiel „Siegfrieds Trauermarsch“ als unpassender orchestraler Einschub aus „Siegfried“, vor dem „Walkürenritt“.

          Wiederholung am 19. Januar von 19.30 Uhr an

          Weitere Themen

          Der Druck auf Feldmann wächst

          Heute in Rhein-Main : Der Druck auf Feldmann wächst

          Peter Feldmann erlaubt sich eine Dreistigkeit nach der anderen. Nancy Faeser möchte nicht schon jetzt Spitzenkandidatin für die nächsten hessischen Landtagswahlen sein. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          US-Präsident Joe Biden am Montag mit den Ministerpräsidenten von Japan und Indien.

          Bidens Wirtschaftspakt : Eine Gefahr für den Freihandel

          Der amerikanische Präsident schmiedet einen Wirtschaftspakt im Indo-Pazifik. Die Chancen, dass seine Initiative Durchschlagskraft entwickeln wird, sind indes gering.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis