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„Hitlers Hollywood“ : Hollywood im Auftrag von Goebbels

  • -Aktualisiert am

Bild: Foto Kinofreund

Der Film diente den Nationalsozialisten als Propagandawaffe. Nicht jeder Film. Doch auch das Unterhaltungskino transportierte untergründig die NS-Weltanschauung.

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          Es gibt Kinofilme, die moralisch und politisch abstoßend sind und dennoch Kunstwerke darstellen. „Triumph des Willens“, Leni Riefenstahls Dokumentarfilm über den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg, ist dafür vielleicht das beste Beispiel. Die bewegte Kamera, die spektakulären Aufnahmen mit Teleobjektiv und aus der Luft, die raffinierte Bildmontage, die suggestive Musik und die mitreißende Dramaturgie beeindrucken noch immer. Und dennoch ist dieser Reichsparteitags-Film ein Machwerk, das den Totalitarismus feiert.

          Der Filmkritiker Rüdiger Suchsland kann in seinem neuen Dokumentarfilm „Hitlers Hollywood - Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933 bis 1945“ deshalb auch nicht auf Ausschnitte aus diesem und aus Riefenstahls Olympia-Film verzichten. Viele Autoren haben schon über Propagandastreifen zu Ehren Hitlers und seiner Bewegung geschrieben, zum Beispiel Frankfurts früherer Kulturdezernent Hilmar Hoffmann in seinem Buch „Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit“. Neues hat auch Suchsland nicht entdeckt, aber er hat den unschätzbaren Vorteil, dass er seine Ausführungen mit Filmausschnitten belegen kann.

          Die Massenwirkung des Kinos

          In seinem Film geht es ihm um mehr als nur die reinen Propagandafilme. Ihm ist es um die vielen hundert Unterhaltungsfilme zu tun, die im Dritten Reich produziert wurden. „Was weiß das Kino, was wir nicht wissen?“, lautet seine Hauptfrage. Damit steht er in der Tradition des Frankfurter Filmkritikers Siegfried Kracauer, der davon überzeugt war, dass die Filme einer Nation ihre Mentalität unvermittelter als andere künstlerische Medien reflektieren, und dies in seinem Werk „Von Caligari zu Hitler“ am deutschen Filmschaffen bis 1933 an vielen Beispielen dargelegt hat.

          Als die Nazis an die Macht kamen, unterwarfen sie sich den Film vollkommen. Die 1937 verstaatlichte Ufa war das Instrument, mit dessen Hilfe Propagandaminister Goebbels, der die Massenwirkung des Kinos begriffen hatte, sein deutsches Hollywood erschaffen wollte - und in gewissem Sinne auch erschaffen hat. Mehr als 1000 Spielfilme wurden zwischen 1933 und 1945 in Deutschland hergestellt, am laufenden Band stieß die Illusionsindustrie neue Produktionen aus.

          Freilich eher selten eindeutige Propagandafilme wie „Olympia“ oder „Hitlerjunge Quex“, sondern viel häufiger scheinbar unpolitische Unterhaltungsware. Bunte, schmissige Revuefilme wie „Die Frau meiner Träume“ zum Beispiel, in dem Marika Rökk, einer der großen Stars des Nazi-Kinos, den Ohrwurm „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ singt. Überhaupt sind viele Schlager aus den Filmen jener Zeit bis heute Hits, ohne dass die Leute wissen, woher sie stammen. „Wunschkonzert“ von 1940, eine der erfolgreichsten Produktionen des Dritten Reiches, enthält einige solcher populären Songs, zum Beispiel „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, vorgetragen unter anderem von Heinz Rühmann, dem „kleinen Mann des NS-Kinos“, wie Suchsland den später auch in der Bundesrepublik populären Schauspieler nennt.

          Goebbels, der Diktator des deutschen Kinos

          „Wunschkonzert“ steht exemplarisch für jene Filme, die Unterhaltung und Propaganda geschickt kombinieren, in diesem Fall eine belanglose Liebesgeschichte zur Zeit der Olympischen Spiele in Berlin mit Aufnahmen Hitlers im Olympiastadion und originalen Wochenschauaufnahmen aus dem Krieg. Es gibt denn auch kaum einen Film aus jener Zeit, der nicht ideologisch irgendwie aufgeladen ist. Eine der wenigen Ausnahmen ist das von Goebbels verbotene Werk „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers, dem wohl größten Star des damaligen deutschen Kinos, der sich mehr erlauben konnte als andere und durch seine Lebenslust abstach von den vielen todessehnsüchtigen und zur Selbstopferung strebenden Figuren des NS-Kinos.

          Welch überragende propagandistische Bedeutung das NS-Regime dem Film beimaß, sieht man am Historienfilm „Kolberg“, dem teuersten Film des nationalsozialistischen Kinos, der zu einem Zeitpunkt entstand, als der Krieg längst verloren war und viele deutsche Städte in Trümmer lagen. Er sollte die Bevölkerung zu letztem Widerstand bewegen. Die Uraufführung fand am 30. Januar 1945 in Berlin statt. Kurz danach wurde die Reichskanzlei zerstört, und Hitler zog ganz in seinen Führerbunker um. Am 22. April folgte ihm Goebbels, der Diktator des deutschen Kinos.

          „Hitlers Hollywood“

          „Hitlers Hollywood“ kommt am 23. Februar in die Kinos.

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