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Jazzpreis für Tony Lakatos : Gediegene Eleganz

  • -Aktualisiert am

Preisträger: Saxophonist Tony Lakatos Bild: Mark Trebron

Er sollte eigentlich das musikalische Familienerbe an der Geige weiterführen. Doch Tony Lakatos wählte lieber das Saxophon. Nun erhält er im Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt den Hessischen Jazzpreis.

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          Seit dem Jahr 1990 verleiht das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst den Hessischen Jazzpreis, in diesem Jahr an den Saxophonisten Tony Lakatos. Das Preisträgerkonzert findet üblicherweise während des mehrtägigen Hessischen Jazzpodiums statt, das in Kooperation mit Jazzinitiativen oder anderen Veranstaltern in wechselnden Städten ausgetragen wird. Das von der Jazz-Initiative Frankfurt ursprünglich geplante Programm für das diesjährige Jazzpodium musste nun aber pandemiebedingt auf zwei Abende mit jeweils zwei Bands im Dr. Hoch’s Konservatoriums eingedampft werden.

          Den Auftakt des Sonntagabends gestalten Aki Takase und Alexander von Schlippenbach, größtenteils zu zweit an einem Flügel. Seit langem miteinander verheiratet, sind die beiden Klaviervirtuosen präzise aufeinander eingespielt. Entsprechend souverän, aber auch mit Verve und Esprit präsentieren sie individuelle Interpretationen von Jazz-Hits wie „Night In Tunesia“, eine rasante Transformation des Barock-Altmeisters in „Bach-Factory“ sowie eigene Stücke, überwiegend aus der Feder Aki Takases. Letztere, beispielsweise „Zankapfel“, unterhalten nicht nur mit Humor und Spielfreude, etwa durch einen optisch spektakulären Überkreuz-Einsatz der vier Hände. Sie bieten auch einige kluge Widerhaken in Rhythmik und Harmonik. Dass Alexander von Schlippenbach, Jahrgang 1938, einst zu den Pionieren des europäischen Freejazz gehörte, hält er an diesem Abend allerdings hinterm Berg.

          Zuerst für die Geige gedacht

          Noch deutlicher ist das Spiel von Tony Lakatos durch die Jazz-Geschichte der Vereinigten Staaten geprägt. 1958 in Budapest geboren, sollte er eigentlich das musikalische Familienerbe an der Geige weiterführen. Doch schon in jungen Jahren fand Tony Lakatos mehr Gefallen am Saxophon, erzählt Rainer Erd, der unlängst eine Biografie (siehe Text auf dieser Seite) unten) des passionierten Musikers geschrieben hat, in seiner Laudatio. Eingangs skizziert Erd das Selbstverständnis Lakatos’, der ungern Künstler genannt werden wolle, weil er beim Spielen nicht die Verwirklichung der eigenen Ideen fokussiere, sondern stets auch die Wirkung auf das Publikum im Blick habe.

          Trotz vieler Alben als Bandleader und Komponist hat sich Lakatos weniger als Innovator und erst recht nicht als Revolutionär des Genres profiliert. 1993 wurde Lakatos in die Bigband des Hessischen Rundfunks aufgenommen, seitdem wohnt er in Frankfurt, wo er abseits der Großformation häufig im geschichtsbewussten Jazzkeller auftritt.

          Die klangvolle Zeitreise, die Takase und von Schlippenbach im – nach Corona-Maßgaben – ausverkauften Clara Schumann-Saal des Dr. Hoch’s Konservatorium anstoßen, setzt Tony Lakatos später mit seinem Quintett fort. Formal und ästhetisch ist der Auftritt im Jazz der frühen sechziger Jahre verwurzelt. Einem komponierten Leitmotiv folgen einzelne Soli, die das Thema modulieren und mehr oder weniger stark abstrahieren. In der Wahl ihrer Mittel bleiben die Musiker allesamt konservativ, irritieren also nicht durch unkonventionelle, gar schräge oder überbordend expressive Töne.

          Zwischen Gediegenheit und Eleganz

          Seit 15 bis 20 Jahren spiele man bereits zusammen, bemerkt Lakatos großzügig ungenau, um danach umso präziser in sein Tenorsaxophon zu blasen. Im ersten Stück und im später folgenden Duett mit Jim McNeely, dem Chefdirgenten der hr-Bigband, am Klavier pflegt Lakatos einen geschmeidigen Bilderbuchton, der leidenschaftlich zwischen Gediegenheit und Eleganz changiert. In schnelleren Kompositionen mit ansteckenden Grooves improvisiert Lakatos um einiges druckvoller. Zunehmende Energie bringt rauere Klänge und schneidende Überbläser, längere Ketten und weitere Intervallsprünge. Für einen Moment deutet Tony Lakatos einen Dialog mit Axel Schlossers Trompete an, indes leuchten beide diese Möglichkeit nicht weiter aus. Am Ende werden der sympathische Preisträger und seine Band begeistert gefeiert.

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