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Hessischer Filmpreis : Geld und gute Gesten

Leere Plätze trotz Hygienekonzept: Vielerorts kommen zu wenig Zuschauer in die Kinos. Bild: dpa

Die Sondersendung zum Hessischen Filmpreis ist eine gute Geste. Und die Idee, gerade jetzt Weiterbildungsprogramme zu lancieren, könnte sich in einer coronafreien Zukunft auszahlen.

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          „Möge es helfen, dass die Leute wieder den Weg ins Kino finden!“ Ob das Stoßgebet von Volker Schlöndorff wohl wirkt? Der aus Wiesbaden stammende Oscar-Preisträger hat zusammen mit anderen Vertretern der Filmbranche jetzt auf digitalem Weg jene Kinos geehrt, die mit unermüdlichem Engagement die Filmkultur pflegen. Eine Dreiviertelstunde Kulturfernsehen mit winzigen Filmausschnitten und Online-Interviews rund um den Hessischen Filmpreis, die nur wenigen Preisträgern die Möglichkeit zu Dank oder Kritik geben, mag vielen als zu wenig erscheinen. In Pandemiezeiten war die Sondersendung, die erst zwei Tage vor der Ausstrahlung so beschlossen worden ist, eine gute Geste. Und dass Prominente wie Schlöndorff spontan bereit waren, für die Arthouse-Kinos zu sprechen, zeigt, dass allen klar ist, wie ernst es um den Kulturort Kino steht.

          Viele Programmkinos hoffen schon in sehr guten Jahren stets auf den Geldsegen im Oktober, wenn der hessische Kinopreis ihnen die Löcher stopfen hilft. Gute Filme in schöner Atmosphäre zu zeigen ist lange vor Corona ein mühseliges Geschäft gewesen, das nur mit viel Enthusiasmus und Selbstausbeutung zu schaffen ist.

          In diesem Jahr wird das Preisgeld nicht reichen. Nicht nur fürchten Kinos wie andere Kunst- und Kulturorte, dass die vorsichtige Öffnung wegen der steigenden Infektionszahlen bald wieder kassiert werden könnte. Es kommen vielerorts nicht einmal die wenigen Zuschauer, die zugelassen sind – obwohl das Filmangebot, auch das deutsche, derzeit sehr gut ist und die Kinos als eine der ersten Branchen ein ausgeklügeltes Hygienekonzept vorgelegt hatten.

          Wenig Zuschauer trotz guter Hygienekonzepte

          Ob es im nächsten und übernächsten Jahr überhaupt gute neue Filme geben wird, kann niemand abschätzen. Viele Drehs liegen auf Eis oder brauchen enorm viel Zeit und Ressourcen, um auf die Pandemiebedingungen zu reagieren. Andere warten auf die Auswertung: „Coup“ von Sven Hill, als bester Spielfilm jetzt mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet, soll 2021 in die Kinos kommen – er lief schon 2019 bei den Hofer Filmtagen.

          Dass das Geld für die ausgefallene Gala jetzt in Einmalprämien für die Film-Gewerke hinter der Kamera gesteckt wird, ist ebenfalls eine gute Geste. Und die Idee der hessischen Filmförderung, gerade jetzt Nachwuchs- und Weiterbildungsprogramme zu lancieren, könnte sich in einer coronafreien Zukunft auszahlen – wenn noch mehr Hilfe für die Kinos und Filmgewerke dazukommt.

          Es hat schließlich schon vor der Pandemie enorm viele Baustellen gegeben. Auf einige hat die junge Offenbacher Filmkünstlerin Brenda Lien hingewiesen, die als Einzige live in der Sendung auftrat. Als Frau müsse sie ohnehin damit rechnen, dass es nach ihrem baldigen Studienabschluss bergab gehe mit der Karriere, erläuterte die schon mehrfach ausgezeichnete Lien. Und sagte unverblümt über den Nachwuchspreis: „Ich freue mich über das Geld.“ Recht so.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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