https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/harfenistin-anne-sophie-bertrand-stellt-neue-cd-vor-17714143.html

Harfenistin Bertrand : Musik mit Hand und Fuß

Vom Élysée-Palast an den Dornbusch: Anne-Sophie Bertrand ist seit dem Jahr 2000 Harfenistin beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Anne-Sophie Bertrand, Harfenistin des hr-Sinfonieorchesters, gibt mit ihrer neuen CD Einblicke in eine faszinierende Klangwelt. Es sei oft gerade die Kunst, das Schwierige leicht wirken zu lassen, sagt sie.

          4 Min.

          Wer die unlängst erschienene CD von Anne-Sophie Bertrand zum ersten Mal hört, den ziehen die fein perlenden „Wasserspiele“ von Claude Debussy gleich so tief in die Welt der Harfenklänge hinein, dass es für die Gesamtspielzeit von 75 Minuten kein Entrinnen mehr gibt. Zwei Jahre lang hat die bekannte Harfenistin des hr-Sinfonieorchesters allein an ihrem Arrangement des ursprünglich für Klavier gesetzten, knapp sieben Minuten dauernden Stücks „Jeux d’eau“ gearbeitet. Dass man das Ergebnis nun für eine Originalkomposition halten könnte und dabei von den horrenden spieltechnischen Schwierigkeiten nichts ahnt, freut die gebürtige Pariserin besonders. Es sei oft gerade die Kunst, das Schwierige leicht wirken zu lassen, sagt sie lächelnd.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was wohl selbst manchem Kenner dabei gar nicht klar ist: Die Schwierigkeiten liegen keineswegs nur in den Fingern, sondern vor allem auch in den damit koordinierten Bewegungen der Füße. „Das wissen viele nicht“, ist sich Bertrand sicher. Wenn sie im Orchester sitzt, sieht schließlich kaum jemand, wie ihre Füße auf den sieben Pedalen an der Hinterseite der mannshohen, bis zu 42 Kilogramm schweren Harfe herumtanzen und unentwegt die Tonhöhen der gespannten Saiten verändern.

          Stimmschlüssel und -wirbel: Die Tonsauberkeit muss an der Harfe sehr oft überprüft werden .
          Stimmschlüssel und -wirbel: Die Tonsauberkeit muss an der Harfe sehr oft überprüft werden . : Bild: Wonge Bergmann

          Mittels einer ausgeklügelten Mechanik lassen sich so alle Töne gleichen Namens über alle Lagen hinweg einen oder zwei Halbtöne heraufstimmen: Beispielsweise wird so aus Ces erst C und dann Cis. Pro Oktave sind an der Harfe nämlich nur sieben Saiten vorhanden, vergleichbar den weißen Tasten am Klavier, wobei an der Harfe die Grundstimmung Ces-Dur ist. Alle Veränderungen dieser Stammtöne müssen mittels der Pedale oft erst Sekundenbruchteile vor dem Zupfen der Saiten hergestellt werden. „In der Debussy-Transkription kommt es vor, dass ich innerhalb eines Taktes sieben Pedalwechsel habe“, erläutert Bertrand.

          Französische Erfindung

          An den ursprünglichen Harfen fand sich diese Möglichkeit zur chromatischen Tonverschiebung natürlich noch nicht. Die beschriebene Doppelpedalharfe, die sich als Standardinstrument im Orchester durchgesetzt hat und bei der jedes der sieben Pedale zweistufig verstellbar ist (deshalb „Doppelpedal“), ist vielmehr erst eine Erfindung des französischen Klavier- und Harfenbauers Sébastien Érard von 1810.

          Fingerfertigkeit:
 Der kleine Finger kommt an der Harfe nicht zum Einsatz, weil er für das Zupfen der Saiten zu kurz ist.
          Fingerfertigkeit: Der kleine Finger kommt an der Harfe nicht zum Einsatz, weil er für das Zupfen der Saiten zu kurz ist. : Bild: Wonge Bergmann

          Auch die spätere „Harpe chromatique“, die das konkurrierende Pariser Musikhaus Pleyel mit überkreuz liegenden Saiten entwickelte, konnte sich demgegenüber nicht durchsetzen. „Sie ist sehr kompliziert zu spielen, man stößt oft an andere Saiten an, und es schwingen zu viele Saiten mit“, erläutert Anne-Sophie Bertrand. Debussy, der im Auftrag von Pleyel 1904 seine „Danse sacrée et danse profane“ komponierte, sei im Grunde wenig angetan gewesen von dem neuen Instrument.

          Weitere Themen

          Freiwillig mit Tempo 100

          Heute in Rhein-Main : Freiwillig mit Tempo 100

          Der hessische Innenminister droht Klimaprotestlern mit Vorbeugehaft. Kassenärzte protestieren am Mittwoch mittels geschlossener Praxen. Und die Ausländerbehörden beschweren sich über kompliziertes Regelwerk. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Mehr Licht und gute Umsätze

          Frankfurter Innenstadt : Mehr Licht und gute Umsätze

          Die Frankfurter Zeil ist jetzt auch erleuchtet, und im Einkaufszentrum bei der Messe können Kunden Schlittschuh laufen. Viele Frankfurter Händler haben am ersten Adventswochenende einen guten Start hingelegt.

          Topmeldungen

          Twitter-Chef in Aufruhr : Musk geht auf Apple los

          Der neue Twitter-Eigentümer behauptet, der iPhone-Hersteller drohe mit einem Rauswurf aus dem App Store und schalte kaum noch Anzeigen. Musk suggeriert, Apple wolle Twitter zensieren – und fragt: „Hassen sie freie Meinungsäußerung in Amerika?“
          Kanzler Scholz zusammen mit der Integrationsbeauftragten Reem Alabali-Radovan (links) und Innenministerin Nancy Faeser am Montag in Berlin

          Einbürgerungsrecht : Der nächste Ampel-Zwist

          Der Streit über das Bürgergeld ist gerade beigelegt. Doch jetzt meldet die FDP Kritik an den Plänen von Innenministerin Faeser zur Einbürgerung an. Die Liberalen sind nicht grundsätzlich dagegen – vermissen aber einiges.

          Proteste in China : Jetzt demonstriert der Staat seine Macht

          Die Proteste gegen die Null-Covid-Politik werden in den chinesischen Medien ignoriert. Peking setzt auf Zensur und Einschüchterung. Wie die Lage sich entwickelt, ist noch nicht abzusehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.