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Hans Zimmer im Waldstadion : Frankfurts Mann in Hollywood

„Video killed the Radio Star“: Hans Zimmer im Eintrachttrikot, Trevor Horn im schwarzen T-Shirt. Bild: Junker, Patrick

Filmreif: Hans Zimmer führt im Waldstadion mit Orchester und Band seine Scores auf. Dabei leidet der Künstler nach eigener Aussage unter starkem Lampenfieber.

          3 Min.

          „Na, ihr Frankfurter. Ich bin auch ein Frankfurter“, ruft Hans Zimmer ins weite Rund des Waldstadions und präsentiert sich, wenigstens zur Freude der Anhänger von Eintracht Frankfurt, in einem entsprechenden Fußballtrikot. Mit der Wahl seiner Oberbekleidung spielt der Oscar-Preisträger aber nicht etwa auf eine heimliche Fußballleidenschaft an, sondern auf seinen Geburtsort. Der gefragte Filmkomponist ist vor fast 60 Jahren in Frankfurt zur Welt gekommen und bezeichnet die Stadt trotz der vielen Jahre, die er mittlerweile in Los Angeles lebt, noch immer als jene, die ihm Heimatgefühle vermittele. Die knapp 20 000 Besucher in der Arena hören die Worte wohl und schenken ihnen auch Glauben, weil der vollkommen unprätentiöse und angeregt plaudernde Zimmer sie offensichtlich aufrichtig meint.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Nahbarkeit ist um so erstaunlicher, als Zimmer nach eigener Aussage unter starkem Lampenfieber leidet, was ihn fast seine gesamte Musikerkarriere lang die großen Bühnen meiden ließ. Dieses Lampenfieber hat er mittlerweile aber so weit im Griff, dass er nun zum zweiten Mal auf Tour gehen kann, um seine Filmmusiken, die in gefühlt jedem zweiten Hollywood-Blockbuster der vergangenen 30 Jahre erklangen, mit Orchester, Chor und Band live aufzuführen.

          Als erster Deutscher war er auf MTV

          Die Rückkehr in seine Geburtsstadt brachte Zimmer dabei eine neue Erfahrung. Nach Auftritten in den größten Hallen Europas und auch beim berühmten Coachella Festival in der kalifornischen Wüste spielte er hier zum ersten Mal in einem Stadion. Mit der vor der Gegentribüne errichteten Bühne ergab sich die Wirkung eines Amphitheaters, wenngleich es beim Auftritt des Orchesters nichts Spektakuläres zu sehen gab. Im Gegensatz zu Showformaten, bei denen große Orchester live die Musik zu bekannten Filmen spielen, setzt Zimmer ganz auf die Suggestionskraft seiner Kompositionen, die ja auch in seinem Studio in Santa Monica nicht zu fertigen Bildern entstehen. Also gibt es im Frankfurter Stadion kein Filmszenen-Potpourri aus „König der Löwen“, „Gladiator“, „Rain Man“, „The Dark Knight“, „The Da Vinci Code“ „Piraten der Karibik“, „Inception“ und Dutzenden Filmen mehr.

          Auf den großen Videoleinwänden sind nur die versierten Musiker in Aktion zu sehen, die Zimmer um sich geschart hat und denen er reichlich Raum gewährt, ihre instrumentalen Fähigkeiten vorzuführen. Zimmer selbst schnallt sich mal Gitarre, mal Bass oder Banjo um, eilt zum Piano oder zum Synthesizer und wirkt regelrecht beseelt, seine Musik in dieser Wucht gespielt zu hören, wobei der Sound auf der Bühne vermutlich klarer und differenzierter zu hören war als im Rund der Arena, die auch mit geschlossenem Dach niemals zum Konzertsaal werden wird.

          Die Kraft, die Zimmers Themen im Kino entfalten, verpuffte im Stadion ein ums andere Mal, selbst wenn die innere Festplatte ausnahmsweise die passenden Filmszenen vors geistige Auge führte. Das gelang am ehesten, wenn Gaststars wie Lisa Gerrad, einst bei Dead Can Dance und heute gleichfalls sehr erfolgreiche Filmkomponistin, die Musik aus „Gladiator“ sang und man meinte, Russell Crowes Hand zu sehen, wie sie durch ein Getreidefeld streicht. Auch die von Lebo M und seiner Tochter Refi vorgetragenen Lieder aus „König der Löwen“ vermochten imaginäre Filmausschnitte zu starten, während andere, mitunter wesentlich gehaltvollere Kompositionen eher an Suiten einer Prog-Rock-Band oder auch an beliebige Crossover-Projekte denken ließen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Zimmer die im zweiten Teil des gut dreistündigen Konzertabends präsentierten Versionen seiner Arbeiten für Filme wie „Spider-Man“, „Dark Knight“ und „Interstellar“ neu arrangiert und damit von den eigentlichen Bildern befreit hat. Im Ohr bleiben diese Motive allerdings nicht.

          Länger haftet wohl dann schon jener Hit, den Zimmer zwar nicht geschrieben hat, dem er jedoch eine Fußnote in der Rockgeschichte zu verdanken hat: als erster Frankfurter und erster Deutscher war er auf MTV in einem Video zu sehen, im ersten Musikvideo überhaupt, der auf dem Sender ausgestrahlt wurde: „Video Killed The Radio Star.“ Dafür überließ Hans Zimmer nur zu gern seinem alten Kumpel Trevor Horn die Bühne und beschied sich mit der Nebenrolle, allerdings der besten, zu erkennen an einer jener berühmten überdimensionierten Brillen, die im Clip zu sehen sind. Der Mann arbeitet schließlich lange genug in Hollywood.

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