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Handys als Kunst : Farben umkehren

  • -Aktualisiert am

Im Museum Angewandte Kunst am Frankfurter Schaumainkai: „Menschentracks“ von Florian Mehnert, 2014 Bild: Florian Mehnert

Wie Mobiltelefone Kunst erzeugen, führt „Hamster - Hipster - Handy“ vor Augen. Eine erstaunliche Schau gerade für unbekümmerte Nutzer.

          3 Min.

          Das Verwachsen des spätmodernen Menschen mit seinem Mobiltelefon könnte die Anthropologen künftiger Zeitalter interessieren. Womöglich als Anfang einer hybriden Lebensform aus digitalen Geräten und organischer Materie. Im Frankfurter Museum Angewandte Kunst ist jetzt eine Ausstellung zu sehen, in der sich Künstler mit dem Lieblingsspielzeug sehr vieler Zeitgenossen auseinandersetzen.

          Es ist eine ziemlich vergnügliche, aber auch in Teilen recht erhellende Schau, was die unglaublichen Möglichkeiten und Gefahren des Smartphone-Gebrauchs angeht. Zudem wird sichtbar, wie sich mit iPhone und Konsorten ästhetische Phänomene hervorzaubern lassen, von denen unser analoges Ich sich nichts hätte träumen lassen.

          Andererseits: Auch bei der Handy-Kunst lässt sich die Tradition schwerlich verleugnen. Sie ist in dieser Schau sogar besonders präsent. Farben etwa spielen eine große Rolle, aber auch Motive von alten Meistern.

          Der Mensch in der Tretmühle der Kommunikation

          „Hamster - Hipster - Handy. Im Bann des Mobiltelefons“ ist der Titel der Ausstellung, die sich mit den ersten beiden Begriffen auf die Versuchstiere bezieht, die zu Testzwecken einst der elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt wurden, und auf jene, die mit dem stets aktuellen Modell des mobilen Alleskönners auf Straßen und in Cafés schaulaufen.

          Aber der Hamster steht auch für den Menschen in der Tretmühle, der dank der Beglückung mit immer neuen Kommunikationsmitteln als allzeit erreichbares Mitglied in der schönen neuen Arbeitswelt in Richtung Burn-out taumelt. Während der Hipster wiederum den herzlich mit der jüngsten Technik einverstandenen Nutzer verkörpert, der keine Scheu hat, sein Bild und seine Ansichten allüberall und umfassend verfügbar zu machen.

          Kabelsalat: Eine Installation mit Bildschirmen, die von der Decke hängen.
          Kabelsalat: Eine Installation mit Bildschirmen, die von der Decke hängen. : Bild: Museum für Angewandte Kunst

          Einen Teil der Präsentation stellen ausschließlich über das Smartphone erfahrbare Werke. Etliche Router sind an der Wand befestigt, eine Ausstellung in der Ausstellung, verborgen allen, die sich der Technik nicht bedienen wollen oder können. Immerhin muss man in den Einstellungen seines Mobiltelefons erst einmal eine Verbindung herstellen, um sich schließlich über den Browser die Inhalte aufs Smartphone zu laden.

          Das geht nicht ganz ohne Schwierigkeiten ab, man muss ein bisschen hin und her probieren, aber auch das gehört zum zeitgenössischen User - wer liest schon noch Anleitungen, wenn er ein neues Gerät bekommt, und wer möchte gleich aufgeben, wenn er nicht sofort auf dem Display sieht, was er sich wünscht. Ruckelige Verbindungen, Crashs, falsch eingetippte Zeichen zählen zum Standard der alltäglichen Nutzung.

          Unbekümmerter Nutzer schwirrt durchs Netz

          Nicht gerade ständig braucht man die Funktion „Farben umkehren“. Sie ist jedoch nötig, um J. Robert Felds Arbeit „Mondrian Inverted“ in jenen Zustand zu versetzen, die Mondrians ursprünglicher Form des abstrakten Gemäldes entspricht. Sie erscheint, tippt man auf die Foto-App, auf dem Kleinbildschirm.

          Was alles geschehen kann, wenn der unbekümmerte Nutzer achtlos in die Netze schwirrt, zeigt Florian Mehnerts Installation „Menschentracks“ mit etlichen Tablets: Darauf spielen sich Szenen ab, die von den Akteuren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. In einem Café wurden ihre Handys gehackt, die fortan Bilder von ihnen und ihrer Umgebung lieferten, ohne dass sie die geringste Ahnung davon gehabt hätten. Gesichter sind verpixelt. Das hübsche Arrangement steht im Gegensatz zu der befremdlichen Botschaft: Privatsphäre ist von gestern.

          Fotos, Videos, Malerei und Street Art

          Bei genauerer Überlegung gespenstisch ist auch die auf den ersten Blick so heitere und farbenfrohe Installation „Chandelier“ von Luis Hernan. Die Strahlen der Drahtlosnetze, die den Mobilfunk erst ermöglichen, überträgt er in Flächen aus farbigem Licht. Sie können sich ändern, wenn ein Körper sich mit ihnen beschäftigt und ein Teil der Signale absorbiert. Auch diese Arbeit hat mit der malerischen Tradition zu tun: Man fühlt sich an gegenstandlose Colour Paintings erinnert.

          Das Spektrum dieser Ausstellung ist durchaus groß: Fotografie, Videokunst, Malerei, Street Art sind unter anderen Ausdrucksformen vertreten. Zwischen autonomen und angewandten Arbeiten wird kein Unterschied hergestellt, wo das Design anfängt und wo es aufhört, lässt sich schwerlich erkennen. Auffallend auch mehrere Künstler, die traditionelle Genres neu definieren. Wie David LaChapelle, der auf einer hyperrealistischen Fotografie die Stillleben-Malerei zitiert und den Vanitas-Gedanken fortschreibt: Nicht nur die verwelkenden üppigen Blumen stehen für die Vergänglichkeit alles Daseins, sondern auch das Handy-Modell der vorigen Saison. Dahin, verweht wie die Gespräche, die mit ihm geführt wurden.

          Informationen

          Die Ausstellung ist bis zum 5. Juli 2015 zu sehen

          Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17

          Öffnungszeiten: Montags geschlossen, dienstags und von Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, mittwochs 10-20 Uhr

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