https://www.faz.net/-gzg-9uaa0

Ausstellung in Frankfurt : Grönland leuchtet in allen Farben

Das Archäologische Museum in Frankfurt zeigt eine Ausstellung über die Geschichte der Arktis-Insel. Seit 4500 Jahren wird diese von Menschen bewohnt und gibt Einblicke, wie es mit der Menschheit weitergehen könnte.

          3 Min.

          Grönland könnte die Welt ins Unglück stürzen. Schmilzt der Eispanzer dieser Insel ab, gehen viele Küstenstädte und ganze Landstriche unter. Grönland, wiewohl größtenteils von Gletschern bedeckt, ist indes keine reine Eiswüste, sondern wird immerhin von fast 60.000 Menschen bewohnt. Dieses Land hat auch eine Geschichte, sie reicht 4500 Jahre zurück, wie archäologische Funde belegen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Archäologischen Museum wird diese Geschichte nun erzählt – in Bildgeschichten, die heutzutage Graphic Novels heißen. Auf Konrad Nuka Godtfredsens Comic-Bildern leuchtet Grönland in vielen Farben, man meint als Leser und Betrachter in die Polarlandschaft hineinzutreten. Vier Bände hat der Grönländer Godtfredsen nach Geschichten der Autorin Lisbeth Valgreen bisher gezeichnet. Diese archäologischen und landeskundlichen Comics können Besucher der Ausstellung „Qanga – Die Geschichte Grönlands als Graphic Novel“ im Refektorium des Karmeliterklosters demnächst im Museum käuflich erwerben. Zurzeit stecken die von einem grönländischen Schulbuchverlag veröffentlichten Bücher noch in einem Container, der mit einem Schiff Richtung Hamburg unterwegs ist.

          Die Schau im Archäologischen Museum umfasst eigentlich drei Ausstellungen sowie eine Mitmachstation für Kinder. Zu den vielen Originalzeichnungen aus den Graphic Novels kommen Objekte der Inuit aus dem hiesigen Weltkulturen-Museum, zum Beispiel die Blase eines Tieres, die verhindern soll, dass bei der Jagd getötete Seehunde absinken. Oder ein Bohrer, mit dem die Eskimos Feuer machen.

          Unsere arktische Zukunft

          Die Gegenwart Grönlands, das heute zusammen mit Dänemark und den Färöer-Inseln eine Reichsgemeinschaft bildet, aber eine weitreichende Autonomie genießt, wird auf Postern mit Text und Fotos in der Zusatzausstellung „Our Arctic Future“ dargestellt. Hier wird nicht zuletzt thematisiert, was mittlerweile viele Menschen weltweit und vor allem junge Aktivisten der Klimabewegung besorgt macht – nämlich das Schmelzen des Eises, das nicht nur Eisbären zum Verhängnis wird. In Porträts kommen grönländische Studenten, Designer, Autoren, Musiker und Forscher zu Wort, die ihr Land und seine gefährdete Zukunft vorstellen.

          Wie ist das Archäologische Museum auf Grönland und auf die Graphic Novels von Godtfredsen und Valgreen gekommen? Gar nicht. Vielmehr hat die dänische Botschaft das Frankfurter Haus, das ihr von einer früheren Kooperation her ein Begriff war, angesprochen, ob es nicht die „Quanga“-Ausstellung, die die Botschaft schon in bescheidenem Rahmen in ihren Räumen gezeigt hat, übernehmen wolle.

          Geschichte in vier Bänden

          Museumsdirektor Wolfgang David, dem die Welt der Graphic Novels bisher verschlossen war, wurde neugierig und sagte zu. Deshalb durfte gestern Abend das Archäologische Museum das deutsch-dänische Freundschaftsjahr eröffnen, das 2020 vielerorts in Deutschland gefeiert werden wird. Sein Land wolle die gemeinsamen Wurzeln stärker hervorheben, sagte Dänemarks Botschafter Friis Arne Petersen zur Begründung.

          Godtfredsens erste Graphic Novel „Die ersten Schritte“ beginnt vor 4500 Jahren, bei den Paläo-Eskimos, von denen man nur spärliche archäologische Überreste kennt. Doch der Zeichner und seine Autorin Valgreen geben diesen Menschen Namen und Gesichter und schicken sie auf eine Reise entlang der grönländischen Küsten. Die Route ist auf einer großen Landkarte eingezeichnet, die freilich nicht Phantasiewelten zeigt, wie sie Tolkien für seine Hobbit-Welt erfunden hat, sondern die reale Geographie Grönlands. Dazu kommt eine Handvoll Originalzeichnungen des grönländischen Malers und Zeichners, die er für seine Bildgeschichte verfertigt hat.

          Dem Volk der Tunit, das sich nicht auf das Wasser traute, erschienen die Boote der Inuit wie Luftfahrzeuge.

          Jeder der vier Bände der Graphic Novels wird auf einem eigenen Block der über das Klosterrefektorium verteilten Ausstellungsarchitektur jeweils mit großer Landkarte präsentiert. Die Bilder hängen indes nicht an der Wand, sie liegen auf besagtem Block, so dass man sie schräg von oben betrachten kann.

          „Die ersten Schritte“

          Jeder der Bände behandelt ein historisches Zeitalter. Nach „Die ersten Schritte“ kommt „Hermelinen“, eine Schamanin aus dem Volk der Tunit, das vom 8. bis zum 13. Jahrhundert auf Grönland den Rentierherden nachwanderte und diese Tiere jagte, jedoch nicht wie die aus Kanada eingewanderten Inuit mit Kajaks Seehunde jagte. Im dritten Band mit dem Titel „Die Narbe“ gelangt man in die historische Zeit mit zum Teil schriftlichen Quellen, nämlich ins Jahr 982, als der Skandinavier Erik der Rote mit seinen Nordleuten das damals an einigen Stellen noch landwirtschaftlich nutzbare Grönland an den Küsten besiedelte. Im 15. Jahrhundert sind diese Skandinavier, bedrängt von einem Klimawandel, verschwunden.

          In der vierten Graphic Novel, „Das Geschenk“ betitelt, kommt es zu den ersten Begegnungen von europäischen Walfängern und christlichen Missionaren mit den Inuit. Die Hauptfigur der Handlung ist Qajuuttag, ein junger Eskimo, der in Godthab, der nachmaligen Hauptstadt, die heute Nuuk heißt, auf die Europäer trifft. Das war die Zeit, da dänische Kaufleute hinter dem Elfenbein des Nordens, den Walrosszähnen, her waren und die protestantischen Eiferer hinter den Seelen der Ureinwohner. Damit begann die Kolonisierung durch Dänemark, das noch immer Schutzmacht und jetzt vor allem Geldgeber für Grönland ist, jenem Land, das infolge der Klimaerwärmung wieder ergrünen könnte wie einst zu Zeiten Erik des Roten. Zum Entsetzen der Küstenbewohner in aller Welt.

          „Qanga – Die Geschichte Grönlands als Graphic Novel“

          Die Ausstellung „Qanga – Die Geschichte Grönlands als Graphic Novel“ ist bis zum 19. April im Refektorium des Karmeliterklosters zu sehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeiter desinfizieren einen Bahnhof im chinesischen Wuhan.

          Neue Infektionen mit Virus : China riegelt Millionenmetropole Wuhan ab

          Neue Eskalationsstufe im Kampf gegen das Coronavirus: Die Millionenmetropole Wuhan steht praktisch unter Quarantäne, Bahnhöfe und Flughäfen sind geschlossen, die Bewohner dürfen nur noch mit Masken auf die Straße. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter.
          Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links).

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

          Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.