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Grafiker über Corona-Nothilfe : „Das ist keine Bazooka, sondern eine Luftpumpe“

„Den allermeisten Selbstständigen bringen diese Hilfen so gut wie nichts“: Grafiker Dirk von Manteuffel Bild: Jeannette Petri

Dirk von Manteuffel arbeitet als freiberuflicher Grafikdesigner in Frankfurt. Mit den staatlichen Soforthilfen ist er unzufrieden: „Den allermeisten Selbstständigen bringen diese Hilfen so gut wie nichts.“

          2 Min.

          Wie ging die Corona-Krise für Sie los?

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst einmal mit richtig viel Arbeit. Im Bereich Corporate Design arbeite ich für einige Kabarettisten und Musiker. Deren Auftritte wurden nun alle abgesagt. Also habe ich für die Social-Media-Auftritte der Künstler jede Menge Grafiken und Header entworfen, um diese Absagen bekannt zu machen. Das musste alles ganz schnell gehen. Ich glaube, dadurch habe ich recht früh erkannt, dass da etwas wirklich Großes auf uns zurollt.

          Wie ist die Situation jetzt?

          Zum Glück habe ich noch einige Aufträge, aber mindestens 50 Prozent meiner Projekt stehen „on hold“, denn auch die Kunden sind gerade enorm verunsichert. Das ist eine bedrohliche Situation. Ich befürchte, dass diese Krise gerade auf den Schultern einer bestimmten Gruppe geschultert wird, nämlich der Freiberufler, der Selbstständigen und der kleinen Mittelständler. Das empfinde ich als ungerecht.

          Wieso?

          Gerade wir Selbstständige waren es doch, die dem Staat bislang so gut wie nie auf der Tasche gelegen haben. Wir haben uns immer irgendwie durchgebissen, nie Schulden gemacht und nun fliegt uns unverschuldet diese Krise um die Ohren.

          Aber es gibt doch die Soforthilfen.

          Den allermeisten Selbstständigen bringen diese Hilfen so gut wie nichts, da sie nur für die Betriebskosten gelten. Da bekommt man dann vielleicht etwas für Büromiete, W-Lan oder Materialien, aber das war es auch schon. Die enormen Umsatzeinbrüche werden damit nicht abgefedert. Viele Freiberufler stehen schon jetzt vor der Pleite, wissen nicht mehr, wie sie die Krankenversicherung oder die Miete bezahlen sollen. Finanzminister Olaf Scholz hat zu Beginn der Krise eine Bazooka angekündigt, aber das, was wir nun bekommen, ist allenfalls eine Luftpumpe. Viele Verbände, etwa der Deutsche Designtag, fordern deshalb nun Nachbesserungen. Das wäre wichtig: Denn wenn der kreative Mittelstand stirbt, veröden auch unsere Städte.

          Wie meinen Sie das?

          Ich sehe die Gefahr, dass all die schönen Kneipen, Restaurants, die Kinos und die kleinen Veranstaltungsbühnen kaputt gehen, wenn die Krise noch lange andauert. Die Existenz vieler Musiker und Künstler ist akut bedroht. Dadurch geht dann auch ganz viel Lebensqualität verloren.

          Trotzdem: Hat die Krise auch gute Seiten?

          Was mich freut: Als Familie wächst man gerade noch enger zusammen, ist noch mehr füreinander da. Gut finde ich auch, dass diese Krise deutlich macht, dass es oft genau die Menschen sind, die unter Lohndumping leiden, die diese Gesellschaft zusammenhalten: die Krankenpfleger oder die, die jetzt in den Supermärkten schuften. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht nur an unseren Fenstern stehen und für diese Menschen klatschen, sondern dass sie bald wirklich mehr verdienen.   

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