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Graffiti im Günthersburgpark : Im Namen der Freiheit

  • -Aktualisiert am

Lob des Landarbeiters: Meuniers „Sämann“ im Günthersburgpark Bild: Laila Sieber

Eine Skulptur von Constantin Meunier und der Appell eines unbekannten Sprayers vereinen sich zu einem zweifelhaften Gesamtkunstwerk: Die Stadt hat es offenbar aufgegeben, etwas gegen diese Symbiose zu tun.

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          Gut zwei Jahrzehnte lang ist im Günthersburgpark im Nordend ein verbissener Kunstkampf ausgetragen worden: Kulturamt gegen einen Freiheitspartisanen, der die Skulptur „Sämann“ des belgischen Bildhauers Constantin Meunier beharrlich zum Vorkämpfer für die Freiheit zu stilisieren versuchte. Immer neu hat dieser unbekannte Streiter auf den Sockel der Figur den Aufruf verbreitet: „Sei frei immer!“ Jedes Mal, wenn das Kulturamt diese Parole von Reinigungskräften hatte entfernen lassen, tauchte sie in leicht abgeänderter Form wieder auf: „Sei frei! Immer“, „Sei frei! ... immer“, einmal sogar mit zwei Ausrufezeichen am Ende des Appells.

          In diesem jahrelangen Hase-und-Igel-Spiel zwischen der Behörde und jenem eigenwilligen Kunstfreund – womöglich war auch eine Frau am Werk – wechselte erstaunlicherweise sogar der Sockel ein paar Mal seine Farbe, wofür allerdings die amtlichen Kunstschützer die Verantwortung trugen. Auf diese Weise kam es um das Jahr 2009 einmal zu der originellen anarchistischen Variante eines roten Unterbaus mit schwarzer Freiheits-Aufschrift. Heute zeigt sich der Sockel in einem Grau, das mit der Bronze der Skulptur korrespondiert.

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