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Götz Alsmann auf Tournee : Der Perlentaucher

Jazzmusiker, Moderator, Unterhalter, Sammler: Götz Alsmann Bild: dpa

Für sein neues Programm und sein neues Album „L.I.E.B.E.“ hat Götz Alsmann wieder unbekannte Schlagerschätze geborgen. Im Interview erklärt der Entertainer auch, wie es zu dem Titel kam.

          3 Min.

          Herr Alsmann, Sie verfügen über eine umfangreiche Schallplattensammlung. Streifen Sie noch über Flohmärkte oder besuchen Trödelläden auf der Suche nach unentdeckten Schätzen?

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Flohmarkt-Jagdzeit ist für Plattensammler vorüber. Was ich auf Flohmärkten aber noch finde, ist Murano-Glas oder interessante Keramik. Aber Schallplatten? Es gibt in Köln ein phantastisches Geschäft, das ich regelmäßig frequentiere. Und wenn nicht gerade Corona ist, bin ich ja viel auf Tournee und weiß schon, wo in den jeweiligen Städten was zu finden ist. Und unser Tonmeister, der immer mitreist, ist ebenfalls Sammler und hat meist schon eine konspirative Adresse für uns ausfindig gemacht. Ansonsten ist natürlich das Internet wichtig, wobei das Fern-Bestellen von Musik für mich sowieso Tradition hat. Ich kaufte schon als junger Bursche postalisch bei verschiedenen Händlern in Amerika. Das war zwar etwas aufwendig, hat aber immer gut funktioniert, und so konnte ich schon in jungen Jahren einen schönen Grundstock für meine Sammlung legen.

          Suchen Sie nach bestimmten Labels oder gezielt nach Künstlern?

          Es ist alles möglich. Aber es gibt schon Labels aus den Fünfzigern, bei denen ich zucke: Rainbow Records etwa oder Orpheus.

          Nun hören Sie solche Pretiosen als Fan, oder Sie wählen sie für Ihre Radiosendung beim WDR aus, aber nach welchen Kriterien finden solche Songs Aufnahme in Ihr Repertoire als Musiker?

          Da gibt es bei mir ja eine radikale Vorgabe: Das Lied muss deutschsprachig sein. Oder es sollte zumindest ein deutscher Text vorhanden sein. In einigen Fällen habe ich auch selbst dafür sorgen müssen, dass es einen deutschen Text gibt, natürlich mit Genehmigung des Originalverlags. Dann gibt es noch weitere Kriterien: Erst einmal, da ich meine Grenzen kenne, sollte es nichts sein, an dem ich mich verhebe. Es sollte ein Lied sein, zu dem mir ein paar charmante Ideen für das Arrangement einfallen, das wiederum zu meiner nicht zu gewöhnlich besetzten Band mit Klavier, Bass, Schlagzeug, Percussion und Vibraphon passt. Außerdem sollte das Stück jazz-fähig sein, es sollte einem etwas dazu einfallen innerhalb des Jazz-Klangbilds. Und es sollte Spaß machen, weil wir mit solch einem Stück ja lange auf Tour sind und es dann 250 Mal spielen. Da sollte man auch noch bei der 249. Interpretation Freude daran haben.

          Darf Ihre Band da mitbestimmen?

          Wir sind ja eine Freundschaftsband und spielen teilweise seit Jahrzehnten mit­ein­ander. Wir vertrauen uns. Wenn also ein Kollege die Stirn gar zu sehr runzelt und mit seiner langjährigen Erfahrung überzeugt, wird schon noch nachgebastelt.

          Sie kennen gewiss viele in Vergessenheit geratene Songs, die es verdient hätten, gespielt zu werden, doch wünscht das Publikum auch Populäres. Wie schaffen Sie die Balance?

          Ich denke in der Vorbereitung immer an das Album und immer an das Liveprogramm. Und ich denke an den Humoraspekt bei den Konzertabenden. Und der totale Gassenhauer hat ja seinen Reiz! Bei unserem vorherigen Programm „Italien“ haben wir etwa „Sag mir quando, sag mir wann“ oder „Volare“ gespielt, denn es ging ja nicht darum, völlig unbekannte Canzonen zu präsentieren, sondern darum, bekannte Lieder in unserem Stil zu spielen. Bei dem deutschen Programm ist das nun etwas anderes, da sehe ich mich schon in der Rolle als Trüffelschwein. Bei der aktuellen „L.I.E.B.E.“-Tour sind also einige gewiss unbekannte Stücke dabei, während andere wie „Man müsste Klavier spielen können“ klar unter dem Humoraspekt zu sehen sind. Dieses Solo, das ich da sehr bewusst so spiele, wie ich es spiele, entbehrt ja nicht der Selbstironie.

          Ihr neues Album heißt „L.I.E.B.E.“. Ist das eine Anspielung auf den Titel „L.O.V.E.“ von Nat King Cole?

          Eigentlich sollte das Album „Lieder der Liebe“ heißen. Irgendwann saß ich dann mit meinem Plattenfirmen-Chef beim Mittagessen – wir aßen Fisch – und tauschten uns über mögliche Titel für das Album aus. Er schrieb dann das Wort „Liebe“ mit den Punkten auf und setzte „Nat King Cole“ dahinter. Das ist es, sagte ich. Er meinte, dass wir dann ja einen deutschen Text brauchten, aber ich wusste, dass es diesen gibt. Nicht nur hat Nat King Cole eine deutsche Version des Songs eingespielt, lautmalerisch versteht sich, sondern es gibt auch eine Ur-Version dieser Bert-Kaempfert-Komposition von Gerhard Wendland mit exakt der Schreibweise des Titels „L.I.E.B.E.“. Da war klar, dass wir das aufnehmen müssen.

          Götz Alsmann spielt am 22. Mai in der Alten Oper Frankfurt, am 10. Juli in Dreieich sowie am 23. und 24. September in der Centralstation Darmstadt. Weitere Konzerttermine auf der Website des Künstlers https://goetz-alsmann.de/

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