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Goethe-Museum : Ein Ausstellungsgebäude in frischem Glanz, aber mit Verfallsdatum

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Gravitätisch sind viele Darstellungen des Dichterfürsten, der sehr kritisch war, wenn es um das eigene Abbild ging: Blick in einen Raum des renovierten Goethe-Museums Bild: Frank Röth

Das Frankfurter Goethe-Museum ist das einzige Ausstellungshaus, das sich ausschließlich mit der bildenden Kunst der Goethe-Zeit beschäftigt. Am Sonntag wird es nach mehr als einem Jahr wiedereröffnet.

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          Zur Wiedereröffnung des Goethe-Museum am Sonntag, just zu seinem 262. Geburtstag, ist der Dichterfürst gleich zwei Mal in der römischen Campagna zu sehen. Das Städel, derzeit wegen Erweiterung geschlossen, hat dem Goethe-Museum das Tischbein-Werk, das viele unbefangene Besucher hoch schätzen, während die Kunsthistoriker eher die Stirn über die malerischen Unzulänglichkeiten des großformatigen Bildes runzeln, zum Neuanfang überlassen. So hängt es jetzt im selben Raum wie Karl Bennerts Kopie des Werks aus dem Jahr 1848.

          Ins Goethe-Haus kam sie 1932, als der Museumstrakt eröffnet wurde, der hauptsächlich der bildenden Kunst gewidmet war. Der Festredner Thomas Mann sprach damals von einem „Reliquienort des deutschen Geistes“. Ernst Beutler, seinerzeit Direktor des Freien Deutschen Hochstifts, hatte Goethes Leidenschaft für die bildende Kunst zum Anlass genommen, im Geburtshaus des Nationaldichters im Frankfurter Großen Hirschgraben der Malerei reichlich Platz einzuräumen.

          Museum nicht grundlegend saniert

          Alle bedeutenden bildenden Künstler, mit denen Goethe zu tun hatte, sind in der Gemäldegalerie mittlerweile mit Werken vertreten. Darüber hinaus sind auch Arbeiten zu sehen, die kulturhistorische Zusammenhänge sichtbar machen, ohne freilich ästhetische Einzigartigkeit für sich in Anspruch nehmen zu können. Alles in allem bietet sich den Besuchern das Panorama einer Zeit, die als die fruchtbarste Epoche in der deutschen Kulturgeschichte gilt. Viele bekannte Goethe-Bildnisse sind im Original zu erleben. Außerdem etliche Porträts von deutschen Meisterdenkern und Großpoeten der Jahrzehnte vor und nach 1800.

          Das Bild, das sich die Nachwelt von Schiller, Winckelmann, Bettina von Arnim und vielen anderen geformt hat, beruht zu einem Großteil auf den Konterfeis, die hier zusammengetragen wurden. Auch von den Fürsten und ihren Familien, die den Geistesaufschwung dank ihrer Kulturförderung erst möglich machten, berichtet die Dauerausstellung, die jedoch vor allem mit herausragenden Werken von Künstlern wie Caspar David Friedrich oder Johann Heinrich Füssli besticht. Ein von Petra Maisak und Gerhard Kölsch erarbeiteter Bestandskatalog soll im September erscheinen.

          „Verfallsdatum erreicht, wenn Romantik-Museum kommt“

          Seit Mai 2010 war das Goethe-Museum geschlossen, nicht nur wegen Renovierungsarbeiten, sondern auch wegen des Einbaus der Klimaanlage im Keller des Hauses. Daher wurden zeitweise Archive dorthin gelagert. Das Museum ist nicht grundlegend saniert worden, es wurden im wesentlichen kosmetische Korrekturen vorgenommen wie der frische Anstrich mit Farben aus der Palette der dort gezeigten Maler oder der Einbau von verschiebbaren Wänden vor den Fensterfronten.

          Warum keine große Lösung angestrebt wurde, begründete Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, mit den Plänen für ein Romantik-Museum, das eine neue Konzeption für die Bestände des Hauses notwendig mache. Petra Maisak, Leiterin von Goethe-Haus, Goethe-Museum und den Kunstsammlungen des Hochstifts, sagte: „Dieses Museum hat sein Verfallsdatum erreicht, wenn das Romantik-Museum kommt.“ Eine Institution, in der die Romantik als Epoche dargestellt werde, gebe es nirgendwo in Deutschland, erläuterte Bohnenkamp-Renken. Das Goethe-Haus sei wegen seiner umfangreichen Sammlungen, darunter wertvolle Manuskripte der Romantiker, der ideale Ort dafür. Sie rechne damit, dass vom Romantik-Museum in fünf Jahren „schon etwas zu sehen sein wird“.

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