https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/goethe-institut-praesidentin-carola-lentz-muss-sparen-18208724.html

Goethe-Institut muss sparen : Kampf um die Kulturvermittlung

Leidenschaftlich im Ehrenamt: Carola Lentz in ihrem Mainzer Zuhause. Bild: Samira Schulz

Sparvorgaben und Strukturreform: Als Nebenjob hätte Carola Lentz es sowieso nie gesehen, ehrenamtliche Präsidentin des Goethe-Instituts zu sein. Nun aber muss sie mit Einschnitten kämpfen, in Kriegs- und Krisenzeiten.

          8 Min.

          Man könnte angesichts der überaus charmanten E-Mail-Adresse praesidentin@goethe.de darauf kommen, der Job sei ein sehr lässiger Dienst als Grüßaugust mit Vielfliegerstatus. Oder aber denken, wer so zu erreichen sei, müsse das schon sehr ernst meinen mit dem Ehrenamt an der Spitze des deutschen Goethe-Instituts. Anders hätte eine temperamentvolle und umtriebige Mainzer Ethnologie-Professorin und Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wie Carola Lentz wohl auch nicht eingewilligt, dessen Präsidentin zu werden. Jetzt hat sie einen ganzen Sack höchst dringender Probleme auf dem Tisch. Auch das dürfte nicht absehbar gewesen sein, als ihr Vorgänger Klaus-Dieter Lehmann sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, Präsidentin des Goethe-Instituts zu werden.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Lentz, 1954 in Braunschweig geboren und damals gerade frisch zur Seniorforschungsprofessorin, der ersten ihrer Art, an die Gutenberg-Universität in Mainz berufen, konnte es sich vorstellen. Seit November 2020 pendelt sie von ihrer Wahlheimat Mainz aus, wo sie 17 Jahre lang Professorin für Ethnologie gewesen ist, in die Goethe-Zentrale nach München. Sie steht ehrenamtlich dem als Verein geführten kulturpolitischen Aushängeschild vor, das mit mehr als 4000 Mitarbeitern in 98 Ländern und einem Dutzend Häusern in Deutschland selbst vertreten ist. Das Goethe-Institut ist vielen vor allem als Sprachvermittler und Anbieter von Deutschkursen bekannt, längst aber sind seine Aufgaben viel umfassender. Auch das bekannter zu machen ist eine Aufgabe, die sich Lentz für ihre Amtszeit gestellt hat.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Ein russischer Raketenwerfer im September in der Region Donezk

          Moskaus Heer in der Ukraine : Die russische Kampfkraft schwindet

          Die russischen Streitkräfte haben schwere Verluste erlitten. Mit der von Putin verkündeten Teilmobilmachung können personelle Lücken gefüllt werden. Bei der Ausrüstung ist das schwieriger.
          Wenn schon sterben, dann mit Musik, lautet eine alte russische Soldatenredensart: Mobilisierte in einer Rekrutierungsstelle im südrussischen Bataisk

          Russland macht mobil : Das große Völkerbegräbnis

          Russland rekrutiert Zivilisten für den Ukrainekrieg. Die entlegenen und verarmten Regionen trifft es besonders hart. Die hochgerüsteten Ordnungshüter gehen brutal gegen Unwillige vor, doch dann werden die Soldaten oft unterversorgt an die Front geschickt. Ein Gastbeitrag.
          Russlands Präsident Wladimir Putin verliert an Rückhalt.

          Fachmann im Interview : „Er sagt sich: Wer braucht eine Welt ohne Putin?“

          Die wichtigste Methode Putins war bisher die Demobilisierung des eigenen Volks. Jetzt setzt er auf Mobilisierung. „Das ist ein absolut neues Experiment“, sagt der Moskauer Sozialwissenschaftler Grigorij Judin im Interview.