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Goethe-Haus : Ein Rap über Wilhelm Meister

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Zukunftswünsche: Schüler beschäftigen sich mit „Wilhelm Meister”. Bild: Frank Röth

Im Frankfurter Goethe-Haus kommen Schüler dem Klassiker näher.

          Was hat das mit mir zu tun, mögen sich schon viele verzweifelte Oberstufenschüler gedacht haben, wenn sie sich über die auf dem Lehrplan stehenden Werke von Schiller, Goethe oder Lessing gebeugt haben. Eine ganze Menge, könnten 120 Gymnasiasten aus Frankfurt, Wiesbaden, Lampertheim und Bad Hersfeld darauf antworten. Sie haben an einem Schülerprojekt des Frankfurter Goethe-Hauses teilgenommen und Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ schreibend oder schauspielerisch verarbeitet. Die Ergebnisse des Projekts wurden jetzt im Arkadensaal des Goethe-Hauses präsentiert.

          „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ ist eines der möglichen Themen für den Deutschunterricht in der gymnasialen Oberstufe. Aber nur wenige trauten sich an den 600 Seiten dicken Klassiker, sagt Ulrike Eisenträger, die seit vier Jahren das pädagogische Programm im Goethe-Haus organisiert. „Wir unterstützen die Lehrer bei neuen Herangehensweisen, so dass die Jugendlichen den Roman besser aufnehmen können.“ Denn die Schüler könnten sich durchaus auch in Literatur aus dem 18. Jahrhundert wiederfinden. Genau wie Jugendliche heute habe sich Wilhelm Meister gegen Widerstände entwickeln müssen und sei mit seinen Sehnsüchten häufig auf Barrieren gestoßen. Unglückliche Liebesbeziehungen, geplatzte Träume und Konflikte mit den Eltern über Zukunftspläne: all dies kennen die Gymnasiasten auch aus ihrem eigenen Leben.

          Frische und Authentizität

          In einer Fortbildung haben die Lehrer zunächst neue Methoden zur Literaturvermittlung kennengelernt, um diese dann im Unterricht umzusetzen. Seit August haben sich die Jugendlichen etwa in offenen Gesprächsrunden, beim assoziativen Schreiben, mit Schauspielübungen oder mit körperlicher Darstellung dem Stoff genähert. Einzelne Textauszüge dienten als Grundlage für selbstverfasste Briefe oder Gedichte, für kleine dialogische oder pantomimische Szenen. Daraus entwickelten die Kurse schließlich ihre Beiträge für die Abschlussaufführung. Unterstützt wurden sie dabei von dem Schauspieler und Theaterpädagogen Thomas Hupfer und dem Schriftsteller Paul Pfeffer.

          Für die Präsentation im Goethe-Haus hat der Theaterpädagoge Hupfer die verschiedenen Beiträge zu einem großen Ganzen zusammengefügt. „Ich konnte aus vielen wirklich guten Konzepten auswählen.“ So haben etwa die Schüler des Hessenkollegs in Wiesbaden Marianes Liebeskummer in einem Tagebucheintrag reflektiert, den Konflikt zwischen den Rivalen Wilhelm und Norberg szenisch dargestellt oder den von Eltern aufgebauten Erwartungsdruck in einem Rap-Song verarbeitet.

          Mit einem beeindruckenden „Schauspieler-Crescendo“ hat der Kurs „Darstellendes Spiel“ der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule I körperlich und stimmlich dargestellt, wie Zukunftswünsche zuerst immer dringlicher und konkreter werden, um dann doch an zu großen Widerständen zu scheitern. Die Frische und Authentizität, mit der die Schüler auf der Bühne agierten, ließen deutlich werden, dass sie tatsächlich ein Stück ihrer Lebensrealität in Goethes Roman wiedergefunden haben. hans.

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