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Trendgetränk : Warum nicht Genever statt Gin?

Genever: Niederländischer Wacholderbrand Bild: Frank Röth

Alle Welt trinkt immer noch Gin – dabei gibt es einen Wacholderbrand, der älter, vielseitiger und mitunter viel aufregender ist als das Trendgetränk der vergangenen Jahre: Genever.

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          Als Ursprung aller Wacholderbrände und Urvater des Gins hat der Genever eine lange Geschichte. Entstanden ist er wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert. Die erste Brennerei wurde 1575 am Stadtrand von Amsterdam von Lucas Bols in Betrieb genommen. Schon bald florierte aber auch in anderen Hafenstädten wie Schiedam und Dordrecht in der Nähe des heutigen Rotterdams die Schnaps-Produktion. Die Destillateure brannten den Alkohol aus Getreide und Malz und aromatisierten ihn mit Wacholder und exotischen Gewürzen, die von den Handelsschiffen aus „Ost-Indien“ mitgebracht wurden. Daher erhält der Genever seinen signifikanten Geschmack noch heute nicht nur durch die Wacholderbeere, sondern auch durch Kümmel, Anis oder Koriander.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seinen Siegeszug trat der Genever im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1618 und 1648 an, als Soldaten aus den Niederlanden den starken Wacholderschnaps mit auf die Schlachtfelder nahmen. Aus dieser Zeit stammt der Begriff vom „dutch courage“, dem holländischen Mut, der schon bald seinen Weg auch nach England fand. Dort wurde der Genever zunächst als „Tschineiver“, aber bald nur noch als „Gin“ bezeichnet und etablierte sich endgültig mit der Thronbesteigung von Wilhelm III. von Oranien als Stimmungsaufheller vor allem für die unteren Schichten. Später wurde der Gin zusammen mit Tonic zum Symbol des Empires und schließlich Ende des 19. Jahrhunderts zum Wegbereiter der amerikanischen Bar-Kultur.

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