https://www.faz.net/-gzg-qyii

: Gedankenmalerei: Eine Ausstellung über Eugen Bracht und seine künstlerische Entwicklung im Museum Giersch

  • Aktualisiert am

Er sei "in der Romantik geboren, durch den Naturalismus hindurchgegangen und schließlich zum Impressionismus gelangt", lautete der heute noch durchaus zustimmungsfähige Befund von Eugen Bracht (1842 bis 1921) über seine künstlerische Entwicklung.

          Er sei "in der Romantik geboren, durch den Naturalismus hindurchgegangen und schließlich zum Impressionismus gelangt", lautete der heute noch durchaus zustimmungsfähige Befund von Eugen Bracht (1842 bis 1921) über seine künstlerische Entwicklung. Daß sich Bracht, einer der erfolgreichsten deutschen Landschaftsmaler seiner Epoche, in nahezu 60 Schaffensjahren kaum einem anderem Motiv als den Schönheiten der Natur gewidmet hat, zeigt eine umfassende Ausstellung im Museum Giersch (Schaumainkai 83), die morgen eröffnet wird.

          Auf Rügen malte er Cap Arkona. In Sachsen, Mecklenburg, im Harz und in der Umgebung von Darmstadt, wo der Maler aufgewachsen ist und seine letzten Lebensjahre zubrachte, entstanden reizvolle Naturschilderungen in großer Zahl. Flirrend helle Bilder brachte er aus dem Vorderen Orient mit. Und besonders fasziniert muß Bracht von den Alpen gewesen sein: Das wird auf den grandiosen, blockhaft gefügten Matterhorn-Tableaux sichtbar, deren wahrhaft majestätischer Wirkung Kaiser Wilhelm II. nicht widerstehen konnte. Auch "Das Gestade der Vergessenheit" erwarb er, jenes 1889 entstandene berühmte Gemälde des Künstlers, das mit Arnold Böcklins "Toteninsel" zu den wundersamsten Gemälden des Symbolismus in Deutschland zählt. Brachts "Gedankenmalerei", wie er sie nannte, mit der menschenleeren, unheimlichen Küstenlandschaft und den wild zerklüfteten Felsen spiegelte die Seelenlage des Künstlers wider; kurz zuvor hatte er seine Frau und den Vater verloren.

          Der Beginn seiner Laufbahn als Maler stand jedoch unter keinem guten Stern. Eugen Bracht hatte in Düsseldorf, zuvor in Karlsruhe bei Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing studiert und dort auch seine lebenslange Freundschaft mit Hans Thoma begründet. Sehr mühsame, bald auch kunstferne Jahre im Notberuf eines Wollhändler folgten, bis 1882 die große Wende kam: Anton von Werner, Direktor der Hochschule der bildenden Künste in Berlin, bot Eugen Bracht an, die Landschaftspartien im Panorama "Die Schlacht von Sedan" zu malen und zugleich eine Professur für Landschaftsmalerrei an seiner Hochschule zu übernehmen.

          Mit diesen "panoramatischen Jahren", wie er sie nannte, und seiner Aufnahme in die königliche Akademie der Künste in Berlin setzte Brachts künstlerischer Erfolg und sein steiler sozialer Aufstieg ein: sichtbar auf einen Foto im Katalog, das ihn als soignierten Salonmaler im prachtvollen Atelier zeigt. Doch rückwärts gewandt war Bracht nicht, und im Kampf zwischen den konservativen und den fortschrittlichen Kräften der Berliner Kunstszene bezog er eine ganz klare Position: Mit 70 anderen Künstlern protestierte er energisch, als Anton von Werner - der ja sein Vorgesetzter war - im Jahr 1892 die Ausstellung von Edvard Munch vorzeitig schließen ließ - und legte demonstrativ alle seine offiziellen Ehrenämter des wilhelminischen Kunstbetriebs nieder.

          Auch künstlerisch brach er um die Jahrhundertwende zu neuen, zunächst vom französischen Impressionismus inspirierten Ufern auf. Schlüsselwerke dieser lichterfüllten, vom Eigenwert der Farben bestimmten neuen Malerei sind etwa die 1900 entstandene "Gypsmühle am Teich" oder die "Studie bei Windisch-Eschenbach". Die veränderte Orientierung brachte ihm Anerkennung, wurde von Wilhelm II aber überhaupt nicht goutiert. Und daß Bracht den Auftrag für das Historiengemälde "Der Einzug Friedrichs von Hohenzollern in die Mark Brandenburg" ablehnte, verbesserte die Beziehungen zwischen Kaiser und Künstler auch nicht: 1901 ging Bracht an die Dresdner Akademie und widmete sich nun der sächsischen Landschaft. Konstanze Crüwell

          Bis 29. Januar 2006, geöffnet Dienstag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Katalog kostet 24 Euro.

          Weitere Themen

          Wie Häftlinge für bessere Chancen pauken

          Lernen hinter Gittern : Wie Häftlinge für bessere Chancen pauken

          Arbeiten muss im Gefängnis jeder. Es gibt aber die Möglichkeit, zunächst einen Schulabschluss zu machen. Hunderte Gefängnisinsassen nutzen jedes Jahr diese Chance, um in einem Leben außerhalb der Zelle wieder besser Fuß zu fassen.

          Topmeldungen

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während der Pressekonferenz im Elysée-Palast

          FAZ Plus Artikel: Macron schließt Elitehochschule : Das Ende der Enarchie

          Die Elitehochschule Ena gilt vielen Franzosen als Brutstätte einer abgehobenen politischen Führungsschicht. Präsident Macron will die staatliche Verwaltungshochschule jetzt abschaffen. Das ist ein Paukenschlag – und wird doch nichts an den Gründen für den Zorn der Bürger ändern.

          Video an Hauswand gestreamt : Rammstein würdigt Kraftwerk

          Es ist ihr zweiter spektakulärer Coup in gut einem Monat: Rammstein hat die zweite Single aus ihrem neuen Album präsentiert. Auf einer Berliner Straßenkreuzung ließ die Band das Video „Radio“ auf eine Hauswand streamen – rund 1000 Fans waren begeistert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.