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Musical „Catch me if you can“ : Das wahre Leben als Showbühne

Musical-Darsteller Riccardo Greco (vorne) hat als Fake-Pilot bei „Catch me if you can“ Spaß auf dem Flughafen. Bild: Nils Heck

Wenn Könner sich zusammentun: Das Hochstapler-Musical „Catch me if you can“ am Staatstheater Darmstadt ist auf keinerlei Betrug angewiesen.

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          Die Geschichte ist unglaublich, aber wahr: Ein jugendlicher Ausreißer lebt dank raffinierter Scheckbetrügereien in New York auf großem Fuß, reist als Ko-Pilot der Pan Am verkleidet mit kostenlosen Transferflügen anderer Fluggesellschaften durch die Welt, arbeitet als Arzt und Rechtsanwalt und wird 1969 erst nach fünf Jahren gefasst, als er schon einen Gesamtschaden von 2,5 Millionen Dollar angerichtet hat.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das filmreife Leben des Hochstaplers Frank Abagnale, der dann auch noch vorzeitig aus dem Gefängnis freikam und im Regierungsauftrag als Sachverständiger für Scheckbetrug tätig wurde, hat Steven Spielberg mit Leonardo Di Caprio in der Rolle des Abagnale und Tom Hanks in der Partie seines Gegenspielers, des FBI-Ermittlers Carl Hanratty, 2002 amüsant in Szene gesetzt. Aus der Gaunerkomödie „Catch me if you can“ wiederum wurde mit der Musik von Marc Shaiman das gleichnamige Musical, das 2011 am Broadway zur Uraufführung und im Vorjahr am Staatstheater Nürnberg in der Regie von Gil Mehmert erstmals in einer deutschen Fassung auf die Bühne kam.

          Fliegende Szenenwechsel

          Nun präsentiert das Staatstheater Darmstadt eine makellos umgesetzte Übernahme dieser handwerklich perfekt gemachten Produktion. Der Eindruck eines Boulevardstücks scheint dabei im genretypischen Einheitsbühnenbild von Jens Kilian mit Balustrade und zwei Treppen durchaus gewollt. Das passt zur Story, in der das wahre Leben zur Showbühne wird.

          Durch die im Hintergrund projizierten Kulissen sowie das schnell bewegliche Mobiliar kann das Set in fliegenden Szenenwechseln mal als Flughafenhalle und mal als mondänes Zimmer gesehen werden. Verbunden mit rasantem Wechsel der Kostüme von Falk Bauer agieren die meisten Darsteller in Mehrfachrollen als Piloten und Stewardessen, Ärzte und Krankenschwestern oder Showgirls und Tänzer.

          Alles beginnt, wie im Film, mit einer Rückblende auf Abagnales Festnahme und nimmt hier sogar schneller Fahrt auf als dort, begünstigt durch die treibende Musik in klassischem Swing- und Boogie-Stil, die eine unter den Treppen auf der Bühne postierte und als „Frank Abagnale Jr. Orchestra“ bezeichnete Band mit einem Dutzend erstklassiger Musiker an wechselnden Instrumenten gut gelaunt und sehr präzise über die Rampe bringt, vom Keyboard aus souverän geleitet durch den Ersten Kapellmeister Michael Nündel. Durch mit dem Synthesizer hinzugefügte Streicher und andere Klänge entsteht dabei oft die Wirkung einer größeren Besetzung, zu hören ist jedenfalls ein sehr knackiger Bigband-Sound.

          Darsteller Greco als „smarter Sonnyboy“

          Das Erstaunlichste ist die Homogenität des gesamten Darstellerensembles. Alle bewegen sich gleichermaßen elegant in den Showtanz-Choreographien von Melissa King, sprechen klar und singen mit genregerecht ausgebildeten Stimmen, allen voran der Musicaldarsteller Riccardo Greco in der großen Hauptpartie. Er ist von Beginn an der Sympathieträger, ein smarter Sonnyboy mit heller Stimme und dem Showtalent des Hochstaplers. Alen Hodzovic gewinnt als sein Kontrahent verglichen mit Hanks im Film vor allem aufgrund der anderen Anlage des Musicals erst später Profil, entfaltet dann aber viele Facetten des mit Brille und Hut so gar nicht glamourösen Gangsterjägers Carl: harte in den Dialogen, aber auch weiche und melancholische.

          Der Vater des Betrügers, dem schönen Schein und dem bewunderten Sohnemann liebevoll zugetan, erhält in der Darstellung Dirk Weilers hingegen eine Eleganz alter Schule, fast wie ehedem Peter Alexander: eine Art Operettenheld im real inszenierten Leben. Anaïs Lueken schillert als untreue Ehefrau ebenso in interessanten Farben und Inga Krischke schließlich zeigt, wie die naive und schüchterne Brenda reift. Gutes Entertainment, große Begeisterung beim Premierenpublikum.

          Das Hochstapler-Musical in Darmstadt

          Nächste Vorstellungen am 29. September sowie am 19. und 27. Oktober

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