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Gallus-Theater : „Jailhouse Rock“ bei Prinz Orlofsky

Im Frankfurter Gallus-Theater zeigt die Musikhochschule derzeit ihre neue Produktion: eine Inszenierung der Operette „Die Fledermaus“.

          Der Gerichtsdiener Frosch, eigentlich eine Rolle für einen extemporierenden Komiker im dritten Akt, ist von Anfang an als Gefängniswärter dabei und führt fast wie ein Conferencier durch die Handlung. Er öffnet mit seinen Schlüsseln die (Zellen-)Türen für die Auftritte und lässt auch gleich die Orchestermusiker herein, die mit gesenkten Häuptern als Sträflinge im Gänsemarsch hereintrotten und ihre Plätze am Bühnenrand einnehmen.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Idee geht auf, weil „Die Fledermaus“ von Johann Strauß in der Inszenierung von Stefan Bastians und Jürgen Esser, der auch den Text der Operette bearbeitet hat, im Gefängnis angesiedelt ist und weil von Eisenstein über Rosalinde bis zu Adele und Alfred alle Sträflinge sind (Bühnenbild und Kostüme: Uli Reinhard).

          Feiern hinter Gittern

          In der Produktion der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, die derzeit im Frankfurter Gallus-Theater zu sehen ist, sind somit alle Gefangene – nicht nur der anstelle von Eisenstein arrestierte Alfred: Gefangene ihrer Begierden und ihrer Amüsierlust. Doch lassen sie sich auch hinter Gittern nicht vom Feiern abhalten. Die Verwandlung für das rauschende Fest beim Prinzen Orlofsky meistern sie in Windeseile begeistert selbst: Plüschige Girlanden, Diskokugel, verändertes Licht und die übergestreiften Kostüme machen die Party perfekt – eine Art „Jailhouse Rock“.

          Die an der Musikhochschule lehrenden Regisseure haben das alles mit einer quirligen, in den Details einfallsreichen Personenführung in Szene gesetzt. Die Bühne ist voll mit Personal, und doch hat jeder mimisch, gestisch und darstellerisch ständig zu tun. Das unterstreicht im zweiten Akt, in dem vier Tänzerinnen die Stimmung noch steigern, die Turbulenz des kollektiven Besäufnisses, im dritten unter mühsam bewältigten Aufräumarbeiten aber die Restalkohol- und Katerstimmung. Insgesamt lebt die schwungvoll-mitreißende und viele Lacher erntende Inszenierung von der Spielfreude und dem Teamgeist des ganzen Ensembles.

          Kraftvolle musikalische Darbietung

          Der Tenor Lars Lettner, ehemals Student der Hochschule, dreht als Eisenstein beim Kostümball weibstoll und enthemmt auf. Fabienne Grüning ist eine stimmstarke Rosalinde mit genregerechtem Schmiss. Einzige Unklarheit der Inszenierung bleibt ihr eher tapsiges als verführerisches Auftreten beim Ball. Wie die vermeintliche ungarische Gräfin in Wahrheit ihrem eigenen Mann den Kopf verdreht, gehört normalerweise zu den witzigsten Szenen.

          Mit intensiver Mimik und Körpersprache, großer Bühnenpräsenz und locker-treffsicherem Sopran ist Marie Smolka eine denkbar agile und selbstsichere Adele. Charlotte Quadt gibt einen klassischen, cool-gelangweilten Orlofsky in schwarzem Outfit, fast als eine Spielart des Don Giovanni. Auch Gustavo Quaresma, Tobias Frank und Miljan Milovic bringen viel Komik ein. Das neunköpfige Salonorchester, für das Thorsten Larbig die Musik arrangiert hat, musiziert unter der Leitung von Tobias Leppert kräftig, glutvoll und in den Walzern federnd.

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