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Galeristin Bärbel Grässlin : Mit untrüglichem Gespür für Kunst

Wenige Schritte entfernt von der Zeil: Bärbel Grässlin in ihrer Galerie in der Frankfurter Innenstadt. An der Wand hängen Arbeiten des Malers Imi Knoebel, den sie vertritt. Bild: Frank Röth

Seit 35 Jahren ist Bärbel Grässlin in Frankfurt als Galeristin tätig. Temperamentvoll und beharrlich hat sie der Stadt die zeitgenössische Kunst und manchem das Sammeln nähergebracht.

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          Mit dem Kunsthandel verhält es sich eigentlich wie mit der Pilzsuche. Es braucht Gespür und den genauen, nein, den unfehlbaren Blick. Denn sonst ist das Geschäft dahin, ebenso wie das Mahl, in das ein ungenießbarer Pilz geraten ist, von Schlimmerem ganz zu schweigen. Bärbel Grässlin geht gern in die Pilze, wenn sie im Herbst im Schwarzwald auf Heimatbesuch ist. Die Lust an der Pilzsuche teilt sie mit ihrer Schwester Sabine, die in St. Georgen passenderweise ein Restaurant betreibt, wo auf der Tageskarte zu sehen ist, ob der Gang in den Wald erfolgreich war. „Die Leidenschaft für die Pilzsuche haben wir von unserem Vater“, erzählen beide Grässlin-Schwestern. Es ist nicht die einzige Leidenschaft, die Dieter Grässlin seinen vier Kindern Bärbel, Thomas, Sabine und Karola vorlebte.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gewiss noch wirkmächtiger war die Liebe des früh verstorbenen Erfinders und Unternehmers zur zeitgenössischen Kunst. Diese Leidenschaft begründete nicht nur eine später von seiner Frau Anna und seinen Kindern weiter aufgebaute Kunstsammlung, die heute zu den größten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa gehört. Sie hatte zumindest bei zwei Töchtern auch wesentlichen Einfluss auf deren berufliche Laufbahn. Während Karola Grässlin, heute Kraus, als Kunsthistorikerin eine institutionelle Karriere einschlug und seit nun zehn Jahren das Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok) in Wien leitet, wagte sich Bärbel Grässlin nach dem Studium auf den Kunstmarkt. Galeristin hatte sie schon früh werden wollen und in zwei heute legendären Stuttgarter Kunsthandlungen, bei Hans-Jürgen Müller und Max Hetzler, erste Erfahrungen gesammelt. An Hetzlers Galerie beteiligte sie sich 1981 auch finanziell und wurde Geschäftspartnerin. Ihre erste Ausstellung war dem Maler Martin Kippenberger gewidmet, der ein lebenslanger Freund der Familie Grässlin und auch eine wichtige Position in deren Kunstsammlung werden sollte.

          Kleine, aber „durchaus wohlwollende“ Kunstszene in Frankfurt

          Als Max Hetzler 1982 die Galerie nach Köln verlegte, folgte Bärbel Grässlin ihm, nur um festzustellen, dass der Markt in der Domstadt, seinerzeit vermutlich die westdeutsche Kunststadt schlechthin und der Hotspot für zeitgenössische Kunst obendrein, verteilt war. Was also tun? Und wohin? „Nach Berlin wollte ich so gar nicht. Auch die damalige Kunst in West-Berlin gefiel mir nicht“, erinnert sich Bärbel Grässlin an jene Zeit Mitte der achtziger Jahre: „Kasper König war es, der dann zu mir sagte ,Geh doch nach Frankfurt. Da gibt es noch nichts.‘ Also ging ich 1984 nach Frankfurt, wo ich niemanden kannte, keine Anknüpfungspunkte hatte, und machte mich 1985 mit einer eigenen Galerie im Westend selbständig“.

          Die Kunstszene am Main war damals noch viel kleiner, aber „durchaus wohlwollend“, erzählt Bärbel Grässlin zwischen genussvollen Zügen an ihrer E-Zigarette. Interesse an zeitgenössischer Kunst habe es ebenfalls gegeben, nicht zuletzt wegen des damals in Gründung begriffenen Museums für Moderne Kunst und des Einsatzes seiner Initiatoren Peter Iden und Heinrich Klotz. Auch die Berufung Kasper Königs an die Städelschule sei von großer Bedeutung gewesen.

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