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Techno in Frankfurt : Kunst, die man einfach nicht lassen kann

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Eigene Wege: Gabriel Le Mar kam nach Frankfurt, als alle anderen eher nach Berlin gingen. Bild: Ernst Stratmann

Gabriel Le Mar ist einer der vielseitigsten Frankfurter Musiker, DJs und Produzenten. Und wahrscheinlich der einzige mit einem Berliner Akzent. Das Mastermind der elektronischen Musik ist immer für eine Überraschung gut.

          Er lebt und arbeitet an historischem Ort. In der schönen, aber nicht übersanierten Frankfurter Altbauetage befand sich einst die Wohngemeinschaft Joschka Fischers. Wo damals revolutionär gedacht und geplant wurde, passiert auch heute etwas, nur halt in musikalischer Hinsicht. Unter Fans moderner elektronischer Musik hat der Name Gabriel Le Mar seit rund 25 Jahren einen exzellenten Klang. Man kennt ihn als Mastermind hinter Projekten wie Saafi Brothers mit Michael Kohlbecker und Gästen sowie Aural Float mit Pascal Feos und Alex Azary, aber auch mit diversen Soloprojekten unter seinem eigenen Namen sowie in Zusammenarbeit mit dem Techno-Urgestein Matthias Roeingh alias Dr. Motte.

          Bass, Rhythmus, Harmonie

          Für den Mixmaster Le Mar beginnt alles mit dem Bass. Genregrenzen überwindet er mit der Eleganz eines olympischen Hürdenläufers, wohingegen die digitale Transformation seinen ansonsten gut ausgeprägten Sinn für Humor zuweilen arg herausfordert. Doch dazu später. Anfang der neunziger Jahre zog es den gebürtigen Berliner aus beruflichen Gründen nach Frankfurt, just zu der Zeit, als viele Frankfurter DJs und Musiker in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Le Mar hatte schon verschiedene Rollen in diversen Bands und Projekten innegehabt, der elektrische Bass hatte es ihm besonders angetan. „Damals wusste ich nicht warum, heute weiß ich es – der Bass ist das Bindeglied zwischen Rhythmus und Harmonie“, sagt er.

          Wie um seine Aussage zu untermauern, greift er sich seinen Steinberg-E-Bass und lässt die Finger für ein paar Minuten über die dicken Saiten tanzen. Dabei nickt er im Takt mit dem Kopf. Auch unverstärkt klingt das Instrument in seinen Händen ungemein treibend und funky.

          Dass Bass und Beats aufeinander aufbauen, hatte Le Mar schon als Teenager verinnerlicht. Dabei hieß der Drummer auch schon in seinen ersten Bands meist Roland und war eine Maschine – der legendäre Drumcomputer Roland TR 808, ein unspektakulärer Kasten mit Tasten, Leuchtdioden und unverschämt plastisch klingenden Sounds: „Rimshot“, „Handclap“ und „Cowbell“. Le Mar flog trotzdem nicht aus der Band, sondern spielte stattdessen Percussions und „war okay damit“, wie er schmunzelnd anmerkt.

          Prägende Popkultur

          Neben „fett“ produziertem Funk und Soul von Zapp bis George Clinton faszinierten ihn elektronische Sounds und die Philosophie des Dub. Aus der jamaikanischen Tradition heraus entwickelt, bedeutet Dub für ihn, dass „aus dem ganzen technischen Arsenal, das ursprünglich zum Soundschminken gedacht war“, selbst ein Instrument wird. Mischpult, Hallprozessor, Keyboards und Bandmaschine kamen zum Einsatz, um bekannte Stücke aus Reggae, Rocksteady und R&B live auf der Bühne zu dekonstruieren und neu zusammenzusetzen.

          Die Dub-Techniken der sechziger und siebziger Jahre waren nichts weniger als die Vorstufe der späteren Remix-Kultur, die mit Disco begann und durch Sampler und digitale Workstations die rasante Entwicklung von House und Techno zur prägenden Popkultur der neunziger und nuller Jahre überhaupt erst möglich machte.

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