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„Frau Luna“ in Darmstadt : Traumjob in der Raumfahrt

Aufstiegsspiel: Szene aus „Frau Luna“ in Darmstadt Bild: Nls Heck/Staatstheater Darmstadt

Berliner Luft ist eben nicht alles: Paul Linckes Operette „Frau Luna“ verpufft in Darmstadt trotz der Modernisierung des Stückes und der phantasievollen Kostüme.

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          Das mit wenigen Handgriffen veränderbare Bühnenbild macht es möglich, dass Steppke von seiner kleinen Berliner Mansarde aus in Sekundenschnelle zum Mond gelangt. Eine Halbkugel, die zuvor als kleine Dachkuppel gedient hat, muss nur umgedreht werden, damit sie als in der Ferne am Horizont schimmernde Erde gesehen werden kann. In der Inszenierung von Klaus Christian Schreiber, der für die Darmstädter Neuproduktion von Paul Linckes Operette „Frau Luna“ am Staatstheater selbst das Bühnenbild entworfen und auch gleich eine neue Textfassung erstellt hat, ist schnell klar, dass Steppke nur im Traum zum Mond reist und nicht etwa mit einem Ballon.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Darstellung von Michael Pegher und durch die Verlagerung des Geschehens des 1899 in Berlin uraufgeführten Stücks in die Gegenwart mutiert der tüftelnde Mechaniker nämlich eher zum modernen Nerd, der in seiner Dachkammer nicht viel mehr als Bett und Notebook braucht. Sein Problem besteht so vor allem darin, dass er zu sehr in der Theorie und seiner Phantasiewelt gefangen ist, um auf die realen Anliegen seiner Freundin Marie eingehen zu können. Die erscheint im genregemäßen Spiel und in Gestalt von Rebekka Reister dabei kontrastierend bodenständig und attraktiv zugleich.

          Kaum mehr Pep und Witz

          Wenngleich Steppke, der hier etwas flotter Freddy statt Fritz heißt, so tatsächlich auf versonnen sympathische Weise dem Heute näherkommt, so bringen der aufgefrischte Text und die zeitliche Verlagerung doch inhaltlich kaum mehr Pep und Witz in das etwas angestaubte Boulevardstück. Es lässt sich auch damit nicht überspielen, dass die banale Geschichte letztlich nur genutzt wird, um ein bisschen extraterrestrisches Halligalli auf der Projektionsfläche Mond zu zeigen und neben ein paar netten Schlagermelodien samt dem großen Hit „Das macht die Berliner Luft“ zünftig Marschmäßiges wie süßlich Sentimentales zu präsentieren.

          Die Lacherfolge halten sich jedenfalls in Grenzen und gelingen bezeichnenderweise am besten dort, wo Schreiber etwas Lokalkolorit eingepflegt hat: Steppke, der am Ende erkennt, dass es auf dem Mond genauso menschelt wie daheim, und dass er bei seiner Marie nur mal etwas konkreter werden müsste, bekommt am Ende den ersehnten Job beim Europäischen Raumflugkontrollzentrum in Darmstadt, so dass die Wissenschaftsstadt schon vorab mit Bonmots bedacht werden kann.

          Freundliche Belanglosigkeiten

          Carola Volles’ phantasievolle Kostüme, die Mond-Elfen in bunten und voluminösen Reifrockkonstruktionen zwischen Tier- und Pflanzenwelt changieren und das Mondvolk als zottelige und kuriose Kreaturen aller Art erscheinen lassen, setzen zu den freundlichen Belanglosigkeiten der „burlesk-phantastischen Ausstattungsoperette“ eigentlich hinreichend Reize. Und an der Personenführung auf der mit Chor und reichlich Personal oft proppevollen Bühne sowie an der leichten Choreographie von Amy Share ist handwerklich gar nichts auszusetzen.

          Das Ensemblemitglied Katharina Persicke wirkt als weltallerfahrene Frau Luna souverän, Lena Sutor-Wernich bringt als resolute Vermieterin Puse-bach eine nicht minder klangvolle Stimme ein. Der in vielen Stilen und Genres erfahrene Erste Kapellmeister Michael Nündel findet mit dem Staatsorchester Darmstadt auch für diese Schmonzette den richtigen Ton. So bleibt am Ende vor allem die Frage, inwieweit die matt schillernde Perle aus der silbernen Epoche der Operette überhaupt noch zur Bereicherung eines zeitgemäßen Spielplans dienen kann. Wenn aber unter dem Spielzeitmotto „Abschied von den Helden“ deswegen gleich alle Traumschloss-Erbauer des Genres verabschiedet werden sollten, so wäre es auch wiederum schade.

          Nächste Vorstellungen am 8. und 23. Februar sowie am 14. und 27. März

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