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Neuer Literatur-Podcast : Perfekter Halt

Im Zeichen der Trockenhaube: Die Podcaster Silke Hartmann und Dirk Hülstrunk machen dem Literaturbetrieb die Haare schön. Bild: Aders, Hannah

So ein Friseursalon ist genau der richtige Gesprächsort: Silke Hartmann und Dirk Hülstrunk produzieren in Rödelheim den Literatur-Podcast „Wortsalon Schlitz“.

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          Die Trockenhauben sind noch da. Um sie herum dunkles Holz, ein Waschbecken zum Zurücklehnen, Spiegel und bunte Lockenwickler. Zusammen kommen hier aber nicht länger die Frauen der Nachbarschaft, auf den Sesseln sitzen auch keine Experten für Waschen, Schneiden und Legen, sondern zwei erprobte Frankfurter Literaturveranstalter.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Silke Hartmann und Dirk Hülstrunk haben sich zusammengetan, um dem darniederliegenden literarischen Leben der Corona-Zeit einen Podcast entgegenzusetzen. „Wortsalon Schlitz“ heißt er nach der einstigen Besitzerin des Friseurgeschäfts, das sie im Frankfurter Ortsteil Rödelheim bis zu ihrem Tod vor wenigen Jahren betrieb. Eingerichtet hatte sie es 1975. Das alte Wella-Leuchtschild an der Hausfassade ist noch immer zu sehen, im Schaufenster aber hängt der Plan mit den neun Podcast-Folgen, die Hülstrunk und Hartmann geplant haben.

          Zwei sehr verschiedene Jahrzehnte treffen da aufeinander. Und doch passt der seit längerem verlassene Ort mit seiner nur scheinbar veralteten Gegenständlichkeit perfekt zum ortlos Digitalen des Podcasts. Friseursalons sind schließlich seit jeher Orte des Gesprächs. „Und der Geschichten“, fügt Hülstrunk hinzu. Die Nachbarn sähen das ähnlich, sagt er und berichtet von Kommentaren auf der Straße und der Facebook-Seite des „Wortsalons“: „Ach, das hätte Frau Schlitz gefallen.“

          Für ihn und Hartmann ist der Laden Aufnahmeort und Treffpunkt zugleich. Und im Herbst, wenn die Einspielung der letzten Folgen ansteht, hoffentlich auch Veranstaltungsort. Gerne würden sie ein bis zwei Episoden vor kleinem Publikum aufzeichnen. Im Hinterzimmer, in dem weitere Trockenhauben aus den Wänden ragen, wäre trotz Abstandsregeln ausreichend Platz dafür.

          Keine Haftung: Ein altes Gaderoben-Schild aus Zeiten des Friseursalons

          Veröffentlicht wird die letzte Folge am 14. Dezember. Bis dahin gibt es alle drei Wochen eine neue. In der ersten, schon erschienenen, stellen Hartmann und Hülstrunk den Podcast vor. Gedacht ist er als Panorama des Literaturbetriebs mit all seinen Umwälzungen, erzählt am Beispiel Frankfurts mit seinem reichen Anschauungsmaterial. Braucht Literatur heute überhaupt noch Orte? Und wenn ja, welche?

          In der zweiten Episode geht es im Gespräch mit Sabine Homilius, der Leiterin der Frankfurter Stadtbücherei, von Montag an um öffentliche Bibliotheken, die als Bildungs- und Aufenthaltsorte in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden sind. Eine Folge über Autoren soll es ebenso geben wie eine über Veranstalter, eine über Lyrik ebenso wie eine über Comics.

          Die Idee zu alldem hatte Hülstrunk. Im März brachen dem 1964 in Frankfurt geborenen Soundpoeten, der als Veranstalter des Poetry Slams an der Fachhochschule Frankfurt bekanntwurde, innerhalb von zwei Wochen sämtliche Aufträge weg. „Ich hatte das Gefühl, als freiberuflicher Autor und Veranstalter vor dem Nichts zu stehen.“ Um sich mit irgendetwas zu beschäftigen, habe ein Podcast nahegelegen. Schließlich habe es in den vergangenen Jahren eine regelrechte Renaissance des Hörens gegeben, sogar bei jüngeren Menschen, die bequem ohne Radio auskämen.

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