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Ausfall des Weihnachtsmarktes : Saure Nieren

Zu süß und macht Kopfschmerzen: Glühwein ist essentieller Bestandteil des Weihnachtsmarkt-Erlebnisses. Bild: Wonge Bergmann

Massen, die den Römerberg verstopfen und Gerichte, die sonst keiner isst: Auch wenn er normalerweise Projektionsfläche für kulturpessimistische Betrachtungen ist, fehlt der Frankfurter Weihnachtsmarkt in diesem Jahr doch.

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          Und wir vermissen ihn doch. Oder zumindest den Verdruss, den er uns alljährlich bereitet. Massen, die sich an Ständen mit Glühwein aus der Euro-Verschnitt-Packung drängen, „Last Christmas“-Gejaule aus allen Lautsprechern, schreiende Kleinkinder, die schon wieder keinen Platz auf dem Karussellpferd ihrer Zuneigung ergattert haben, Gerichte, bei denen unter gewöhnlichen Umständen keiner darauf käme, sie zu essen, wie saure Nierchen oder fetttriefende Hefefladen.

          Und dann dieser Stoßseufzer: „Wären wir bloß nach Michelstadt gefahren, der Weihnachtsmarkt dort ist viel schöner!“ Aber dann hätte um des Führerscheins willen wieder einer kein alkoholisches Heißgetränk zu sich nehmen dürfen. Was wiederum unabdingbar ist, denn diese ganze verkitschte Weihnachtsseligkeit bedarf eines getrübten Blicks, um über all das ästhetische, kulinarische, zwischenmenschliche Grauen hinwegzusehen, das Weihnachtsmärkte für gewöhnlich zum Anlass pointierter kulturpessimistischer Betrachtungen macht. Auswüchse des hedonistischen Eskapismus oder so ähnlich.

          Aber nein, da gibt es diese exquisiten Bethmännchen und diese ausgezeichneten Zimtsterne, dann diesen wirklich genießbaren Winzer-Glühwein, und wie die Katja voriges Jahr aus sich herausgegangen ist, das war schon grandios. Auch wer ihn nicht braucht, dem fehlt er doch, der Frankfurter Weihnachtsmarkt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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