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Frankfurter Volksbühne : Auf der Spur des Herrn Langenschwarz

Michael Quast begibt sich auf die Spur des verschollenen Mundartdichters Langenschwarz. Bild: Helmut Fricke

Michael Quast und die Frankfurter Volksbühne zeigen das Werk des Herrn Langenschwarz. Die Spur des in Rödelheim geborenen satirischen Dichters und Improvisators verliert sich 1867 in New York.

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          Ein Mäzen wird gesucht. Michael Quast und seine Mitstreiter von der Frankfurter Volksbühne sind einem Frankfurter Dichter und Stand-up-Comedian des 19. Jahrhunderts auf der Spur. 1867 verliert sie sich in New York. Warum also nicht einmal dort in den Archiven kramen? Maximilian Leopold Langenschwarz, 1808 als Spross verarmter Juden unter dem bürgerlichen Namen Meyer-Hoffmann in Rödelheim geboren, auf Gymnasien in Frankfurt und Darmstadt erzogen, hat tatsächlich das Zeug, dem satirischen Lokalmatador Friedrich Stoltze das Wasser zu reichen, wenn nicht gar abzugraben. Das hat die Volksbühne jetzt mit ihrem Programm „Für Frankfurt sterb’ ich, solang ich leb’!“ bewiesen.

          Claudia Schülke
          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im „Höfche“ neben dem neuen Romantikmuseum des Goethe-Hauses lud Quast sein Publikum zur „Einquartierung“ in den Cantate-Saal, wo unter fröhlichem Gelächter ein französischer Soldat der Napoleonzeit bei einer resoluten Sachsenhäuser Dame Quartier nehmen soll. Gäbe es nur nicht so viele sprachliche Missverständnisse. Unter dem Titel „Berjerliche Häämlichkeite aus der Umgegend“ von 1839 gab die Truppe kurze Szenen zum Besten. Ob ein Frankfurter Rekrut durch seine charmierende Mama beim Unteroffizier Privilegien erlangt oder Herr Bimbler ein paar Jahre später mit dem Säbel über der Unterhose in die Revolution stürmen will – stets hat Langenschwarz die Lacher auf seiner Seite.

          Meister der sprachlichen Improvisation

          Zwischen den Sketchen machte der Prinzipal sein Publikum mit diesem Meister der sprachlichen Improvisation bekannt. Langenschwarz arbeitete als Aushilfslehrer in Hamburg und Buchhandlungsgehilfe in Wien, ehe er als Improvisator und „Wasserdoktor“ durch halb Europa reiste: Hamburg, Wien, Pressburg, Paris. 1828 konvertierte er zum Katholizismus und nahm einen früheren Namen seines Vaters an, eben „Langenschwarz“. Nebenbei pflegte er allerlei Pseudonyme, unter ihnen „Longonero“. Er schrieb nicht nur Komisches, sondern auch ein Trauerspiel über Dschingis Khan (1849) und ein Schauspiel über Thomas Morus (1850).

          Pünktlich zur Revolution von 1848 war er in Leipzig zur Stelle, Metternichs Spione auf den Fersen. Vor ihnen floh er ins Exil nach Amerika. Auch dort wusste er sich zu helfen. Bis zum letzten Lebenszeichen von 1867. Wir wollen mehr über diesen satirischen Dichter wissen, dessen ironische Späße später die deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg erheitern sollten. Schließlich sind seine Texte bei Goethes Verleger Göschen herausgekommen und Gabelsberger, Erfinder der Stenografie, hat sie mitnotiert. „Das Vaterland ruft!“ – um mit Quast in seiner Paraderolle Bimbler zu sprechen.

          Die szenische Lesung „Für Frankfurt sterb' ich, solang ich leb'“ wird am 30. und 31. Juli jeweils von 17 Uhr an im Hof der Volksbühne im Großen Hirschgraben, Großer Hirschgraben 19, in Frankfurt aufgeführt. www.volksbuehne.net

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