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Frankfurter Theater „Schmiere“ : Kabarett, ausgestellt

Seit 30 Jahren in der Schmiere: Effi B. Rolfs leitet das Kabarett zusammen mit Matthias Stich. Bild: Frank Röth

Mit einer Ausstellung ist die Schmiere in Frankfurt pünktlich zum Jubiläum wieder da. Denn die als „schlechteste Theater der Welt“ bekannt gewordene Bühne feiert ihren 70. Geburtstag.

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          Ein bisschen ist es, als sei die Zeit stehengeblieben. Wie im Grunde immer schon im Frankfurter Theater Die Schmiere. Jener vor allem dem Kabarett und der Satire verpflichteten Bühne, wo sich das Publikum noch immer gegen freien Eintritt seinen eigenen Stuhl mitbringen darf – vorausgesetzt, man überlässt ihn im Anschluss dem Theater; hier, im von den Wandzeichnungen Kurt Halbritters gefassten Keller des Karmeliterklosters, wo der Vorhang „Vorhang“ heißt und nichts vorstellt als ein zerfleddertes Pappschild, und wo die handgebastelte Anzeige am Eingang Tag für Tag die Anzahl der Vorstellungen seit 1950 registriert.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis zum Lockdown Mitte März. Da ist die Uhr der als das „schlechteste Theater der Welt“ bekannt gewordene Bühne stehengeblieben: bei 15.756 Vorstellungen. Und da steht sie noch immer, kann doch in dem winzigen Theater mit seinen 92 Plätzen seither nicht gespielt werden. Was nicht nur das in Zeiten von Corona besonders satirehungrige Publikum der Schmiere trifft. Eine Katastrophe ist dieser Ausnahmezustand auch für ein Ensemble mit festem, aus stets fünf oder sechs Programmen bestehenden Repertoire, das seit jeher stolz auf seiner Unabhängigkeit besteht.

          „Unsubventioniert, unabhängig, engagiert“ lautet die Losung seit nunmehr 70 Jahren, als Rudolf Rolfs und Regnault Nonsens Die Schmiere erfanden. Jetzt, nach beinahe acht Monaten ohne Vorstellung – und ohne Einnahmen –, haben Effi Rolfs und Matthias Stich, die die Schmiere seit mittlerweile 30 Jahren leiten, die Unterstützung aus dem hessischen Kulturpaket doch dankend angenommen. Und damit sich und ihrem bemerkenswert treuen Publikum statt eines Jubiläumsprogramms eine Ausstellung zum 70. Geburtstag eingerichtet. Mitten im Theater.

          Ein auf die Pandemiebedingungen abgestimmter Parcours, der den Besucher entlang von Fotos, Texten, Anekdoten, von Requisiten, Accessoires und Videos „Vom Wirtschaftswunder in die Pandemie“ und einmal durch den Zuschauerraum bis auf die Bühne führt. Mit Bildern von dem Bauwagen auf dem Römer, wo im September 1950 alles begann, und von den ersten, anhand von Plakaten und Textauszügen dokumentierten Programmen wie „Für Menschen und Rindvieh“ bis zu den eigens für die Ausstellung produzierten Videosequenzen aus aktuellen Produktionen wie „Hart aber Fake“ oder „Ein Strauß voller Narzissten“.

          Und auch die Tradition der Wechselausstellungen hat seine Tochter Effi wiederaufgenommen. Als erste Künstlerin nach dem Lockdown im März zeigt nun die Malerin Edda Rössler unter dem Titel „Sex on the Beach“ ihre leuchtenden, nachhaltig von Matisse beeindruckten Bilder. Die Schmiere also ist pünktlich zum Jubiläum wieder da. Nur das, was das „schlechteste Theater der Welt“ am liebsten macht, bleibt dem Besucher nach wie vor verwehrt: Spielen kann es nicht.

          DIE AUSSTELLUNG im Frankfurter Theater Die Schmiere, Seckbächer Gasse 4, ist von 4. November bis Ende Januar mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Zeitfenster buchbar unter www.die-schmiere.de.

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