https://www.faz.net/-gzg-a1yg8

Sommersaison der Kammeroper : Mit einem Spaziergang und Liebesgesang

Auf ihrem Spaziergang vom Opernplatz zum Palmengarten gaben die Mitglieder der Kammeroper musikalische Einlagen. Bild: Lando Hass

Ein musikalischer Zug von der Alten Oper zum Palmengarten eröffnet die Kammeroper in Frankfurt ihre Sommersaison. In der Konzertmuschel gibt es immerhin Opern-Kostproben.

          3 Min.

          Rainer Pudenz ist nervös. So eine Aktion nach Flashmob-Art habe er schließlich noch nicht gemacht, sagt der für seine unkonventionellen Inszenierungen und Projekte bekannte Leiter der Kammeroper Frankfurt, der mit seiner 1981 gegründeten freien Musiktheatertruppe schon die ungewöhnlichsten Orte der Stadt bespielt hat. Nun steht er neben drei Hornisten auf der Treppe am Haupteingang der Alten Oper und hört seinen Mitstreiter Tobias Rüger über Megaphon sagen, dass mit dieser „nicht angemeldeten Veranstaltung“ auf die Sommersaison der Kammeroper im Palmengarten aufmerksam gemacht werde, dass die Vorstellung an diesem ersten Abend dort zwar ausverkauft sei, es aber für viele Folgeprogramme noch Karten gebe.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als die Hornisten zwei schöne Sätze aus einer Suite des französischen Horn-Komponisten Jacques François Gallay anstimmen, hält sich auf dem mäßig belebten Opernplatz das Interesse der Passanten aber in Grenzen. Somit schwindet auch die Furcht, dass die Polizei, die den Opernplatz nach den Krawallen vor zwei Wochen besonders im Visier hat, die Aktion beenden könnte. Eine Kerngruppe von etwa 40 Freunden und Besuchern der Kammeroper setzt sich so, nach wenigen Minuten und auf ein Saxophon-Signal Rügers hin, über die Bockenheimer Landstraße in Richtung Palmengarten in Bewegung, langsam, friedlich, ruhig, teils Fahrräder schiebend.

          Auch an den folgenden vier Stationen des musikalischen Spaziergangs verläuft alles wenig spektakulär. So stimmen zwei Geiger des Kammeropern-Orchesters quasi als „Westendduo“ auf dem Platz vor dem gleichnamigen Gebäude kleine Nummern aus Mozarts „Zauberflöte“ an. Und die Zuhörer halten bei allem stets weite Sicherheitsabstände. Pudenz erzählt, dass er eigentlich ein „Turmgebläse“ organisieren wollte. Ausgehend vom Römer hätten Bläser auf verschiedenen (Kirch-) Türmen spielen sollen. Dazu habe er Anfragen an die Stadt gestellt, bis die Sache versandet sei und er niemandem mehr für eine Genehmigung habe nachlaufen wollen. So sei die Idee für dreiminütige Straßenmusik-Auftritte entstanden.

          Zu Proben kam es nicht mehr

          Für die traditionelle, immer über mehrere Wochen hinweg laufende Opernproduktion in der Konzertmuschel des Palmengartens war in diesem Jahr etwas Besonderes geplant. In einer Doppelproduktion hätten sich eine italienische Opera buffa und eine deutsche komische Oper gegenüberstehen sollen: Rossinis wenig bekannter, früher Einakter „L’inganno felice“ („Der glückliche Betrug“) und Albert Lortzings „Opernprobe“. Zu Proben kam es infolge der Corona-Pandemie nicht mehr. Doch sah sich Pudenz gegenüber Musikern und Publikum in der Pflicht, ein Ersatzprogramm anzubieten.

          Die Kammeroper Frankfurt spielt „Wie schmeckt eine Oper?“ in der Konzertmuschel.
          Die Kammeroper Frankfurt spielt „Wie schmeckt eine Oper?“ in der Konzertmuschel. : Bild: Lando Hass

          Der Dirigent Daniel Stratievsky hat dazu einen Programmteil entwickelt, in dem er als Moderator und Klavierbegleiter mit sechs Sängern der Kammeroper der Frage „Wie schmeckt eine Oper?“ nachgeht. In starkem französischen Akzent sprechend, führt er dazu witzig-charmant durch ausgewählte Arien und Duette aus den geplanten Opern und vergleicht sie mit Nummern aus Mozarts „Zauberflöte“ und „Figaro“. In halbszenischer Darbietung und sich zwischendurch gegenseitig laut immer wieder zum Abstandhalten auffordernd, vermitteln Jana Degebrodt, Walter Dorn, Timon Führ, Thomas Peter, Ralf Simon und die im schrägen Kammeropern-Stil besonders versierte Ingrid El Sigai einen Eindruck davon, was für ein großer Opern-Sommerspaß dem Publikum da wohl entgangen ist.

          Statt sonst 400 sitzen nun lediglich 120 Zuschauer auf den ohnehin in weiten Abständen installierten Doppelbänken vor der Konzertmuschel, wobei jede zweite Bank frei bleibt. Dennoch kommt eine gute und lockere Atmosphäre auf, fast wie gewohnt. Kombiniert wird der Opern-Cocktail in den Folgevorstellungen mit einem jeweils wechselnden Programmteil. Zum Auftakt sangen der Bariton Timon Führ und der Tenor Theodore Browne, sich abwechselnd und auf beachtlichem pianistischen Niveau am Flügel begleitend, „Love Songs, Canzoni d’Amore, Liebeslieder“ in vielen Sprachen und Stilen vom Pop bis zur Klassik, sehr gewandt und emotional ansprechend. Dem herzlichen Applaus nach war der Abend für viele Besucher reinster Balsam.

          Weitere Aufführungen am 5. und 7. August, dazu ein Überraschungskonzert am 21. August. Außerdem „Konzertpodium“ der Kammeroper mit wechselnden Interpreten am 8., 12., 14., 15. und 19. August. Beginn jeweils 20 Uhr. Tickets unter: 0 69/1 34 04 00. Keine Abendkasse.

          Weitere Themen

          Nur Ermahnung für den Abgeordneten Burcu

          Awo-Skandal im Landtag : Nur Ermahnung für den Abgeordneten Burcu

          Nach den umstrittenen Tätigkeiten für die Awo kommt der Grünen-Abgeordnete Taylan Burcu glimpflich davon. Der Landtagspräsident spricht von einem „minderschweren Fall“. Die Awo-Führung vermisst Arbeitsnachweise.

          Topmeldungen

          Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

          Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

          Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

          Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

          Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

          Corona-Pandemie : Trump vor UN: China zur Rechenschaft ziehen

          Amerikas Präsident wirft Peking zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor, die Welt über das Coronavirus getäuscht zu haben. Chinas Staatschef weist das zurück und verlangt Mäßigung, während Putin den russischen Impfstoff bewirbt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.