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Frankfurter Literatur-Festival : Hunde würden Bücher kaufen

Demnächst zu Gast bei Freunden: Björn Jager im Frankfurter Café Kante. Bild: Marcus Kaufhold

Was tun, wenn das Virus zuschlägt? Man plant ein Festival. Mit „Stromern“ gibt Björn Jager dem Literaturbetrieb der Rhein-Main-Region einen Schubs.

          4 Min.

          Das kleine Hundchen läuft durch die Stadt. Es stromert. So wie das Hessische Literaturforum, das durch den Corona-Lockdown so hart getroffen wurde wie alle Kulturveranstalter. Und sich nun auf die Suche macht nach einem Weg aus der Krise. „Stromern“ hat Björn Jager das Festival mit dem Hunde-Logo genannt, mit dessen Hilfe er Mitte August vier Tage lang Veranstaltungen nachholt, die in den vergangenen Monaten ausfallen mussten. Zu Gast ist er damit im Haus am Dom, bei Freunden, die mehr Platz haben, denn die derzeit geltenden Hygienevorschriften lassen im Literaturforum selbst nur wenige Besucher zu.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der kleine streunende Festival-Hund wird wohl auch auf den Souvenir-Taschen prangen, die Jager und seine Kollegen den teilnehmenden Autoren überreichen werden. Gefüllt unter anderem mit einer Flasche Desinfektionsmittel. Denn so sieht sie aus, die Wohlfühlerfahrung, die gewissenhafte Veranstalter ihren Schriftstellern in diesem Corona-Jahr bieten können: Ersatz für das möglicherweise in der Unterkunft vergessene Sterillium.

          Und trotzdem. Ein Festival. „Es wird kein normales in dem Sinne sein, dass man lange zusammensteht“, sagt Jager. Aber immerhin ein Wiedersehen. Mit Gästen, Freunden, der Literatur: „Ich habe das schrecklich vermisst.“ Autoren, Verleger und Leser lebten schließlich von Begegnungen. Und er selbst freue sich darüber, Sachen vor Publikum zu präsentieren, die er großartig finde: „Was mich getragen hat, war der rege Austausch mit den Autoren.“ Einige von ihnen sollten in den vergangenen Monaten aus dem Ausland anreisen, können vom 13. bis 16. August aber aus Zeitgründen, Reisesperren oder Vorsicht nicht vorbeischauen. Deutsche Autoren hingegen kommen, aufgefüllt hat Jager das Festival-Programm mit ersten Herbsttiteln.

          Literaturbetrieb wiederaufnehmen

          Der 1981 in Wetzlar geborene Literaturwissenschaftler, der seit 2009 zu den Mitarbeitern des finanziell vom Land Hessen getragenen Literaturforums zählt und es seit 2016 leitet, hat den gesamten Rest der Saison schon Ende März abgesagt – früher und entschiedener als andere: „Mir war es zu heikel. Ich wollte nicht abwarten, wie sich das entwickelt.“ Nun hat er sich, nach den Streaming-Pioniertaten der Frankfurter Romanfabrik, die im Juni auch als Erste wieder Besucher zu ihren Veranstaltungen zuließ, eine ebenso entschiedene Art der Wiederaufnahme des nach wie vor darniederliegenden Literaturbetriebs ausgedacht.

          Während des Lockdowns überlegte Jager, wie er das Frühjahr nachholen konnte, ohne sich den Herbst zu blockieren. Die Festival-Idee entstand, unterstützt vom Frankfurter Kulturamt. Mit ihr geht es mitten hinein in eine Zeit, in der literarisch sonst nie etwas los ist: die letzten vier Tage der hessischen Sommerferien, an denen viele Frankfurter aus dem Urlaub zurück sind und sich in der sommerlichen Stadt darüber freuen, etwas unternehmen zu können.

          Über Verschwörungstheorien, Lyrik und Prosa

          Zunächst plante Jager das Festival gemeinsam mit den Kollegen vom Mousonturm, in dessen drittem Stock das Büro des Literaturforums eine schöne Bühne aufweist, weswegen es in normalen Zeiten als abendlicher Veranstaltungsraum Dienst tut: „Dann kamen die Beschränkungen des Landes.“ Abstand, eine bestimmte Quadratmeterzahl Platz für jede Person. Plötzlich ging an der Waldschmidtstraße gar nichts mehr, denn der geräumige Theatersaal des Künstlerhauses wird an den für das Festival ins Auge gefassten Tagen gewartet, es hätte stattdessen in drei kleineren Sälen stattfinden müssen. So kam das Bild des Stromerns hinzu, das Jager im Herbst wieder aufgreifen will, wenn er mit seinen Veranstaltungen in weiteren Frankfurter Häusern gastiert. Die von ihm wegen ihrer Festivalerfahrung angeheuerte Kulturmanagerin Silke Hartmann stellte den Kontakt zum Haus am Dom her, das sie vom städtischen Messefest „Open Books“ her bestens kennt.

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