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Frankfurts Kultur in der Krise : „Die Leute erwarten Zukunftsperspektiven“

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig über die freie Szene in Frankfurt während Corona (Archivbild). Bild: Wolfgang Eilmes

Die freie Szene in Frankfurt vor dem Ruin, die Museen leer, die Buchmesse auf Abwegen: Fragen an Kulturdezernentin Ina Hartwig im Corona-Sommer

          7 Min.

          Wir leben seit Beginn der Corona-Pandemie in einer Ausnahmesituation. Die Krise hat auch die Kultur in Mitleidenschaft gezogen. Wie geht sie damit um?

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Corona-Zeiten sind gesamtgesellschaftlich gar nicht leicht einzuschätzen und zu beschreiben, weil so viele unterschiedliche Dinge gleichzeitig stattfinden. Für die Kultur insgesamt haben sich beängstigende, aber durchaus auch hoffnungsvolle Dinge ereignet. Der Anfang, der Lockdown, war fast traumatisch. So etwas hat es noch nicht gegeben. Obwohl wir eine Schulpflicht haben, sollten die Kinder nicht zur Schule gehen, Kultureinrichtungen wurden geschlossen, während die Unsicherheit über das Virus, und wie es reagiert, keineswegs ausgeräumt war. Das war eine Lage, die wir noch gar nicht verarbeitet haben, weder intellektuell noch emotional. Die Kultur in Frankfurt hat nach meiner Beobachtung angemessen und gut reagiert auf die Herausforderungen der Krise.

          Auch weil sie keine Scheu vor digitalen Angeboten hatte?

          Wir waren in Sachen Digitalisierung ganz gut vorbereitet und haben bestimmte Formate auch finanziell unterstützt. Schön war die Erfahrung, dass in den Museen, an den Städtischen Bühnen und in der Freien Szene alle sofort bereit waren, etwas auszuprobieren. Wobei uns allen klar ist, dass es sich dabei nicht um einen Ersatz für analoge kulturelle Erlebnisse handelt, die ja auch immer Gemeinschaftserlebnisse sind. Ein Theater mit 100 Zuschauern kann nicht das gleiche Erlebnis verschaffen wie ein gut gefülltes Theater.

          Halten Sie denn die Rückkehr zu einem einigermaßen normalen Spielbetrieb im Herbst für möglich?

          Was nach den Ferien auf uns zukommt, auch wie sich das Publikum verhalten wird, lässt sich nicht vorhersagen. Ebenso wenig wissen wir, wie lange die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie dauern werden. Die gesamte Gesellschaft, die gesamte Kulturszene weiß nicht, wie lange wir in dieser Ausnahmesituation Kunst machen und erleben müssen. Aber wenn ich mir die Protagonisten hier in Frankfurt anschaue, dann bin ich mir sicher, dass sie alle sehr schnell reagieren können und sehr konstruktiv auch mit einer sich immer wieder verändernden Situation umgehen werden.

          Die Kultur scheint von den staatlichen Hygiene-Vorgaben besonders stark beeinträchtigt zu werden. Wird bei den Verordnungen mit zweierlei Maß gemessen?

          Nachdem bei der Gastronomie die Regeln gelockert wurden, war ich der Meinung, dass diese Lockerungen auch für den Kulturbereich gelten sollten. Ich bin überhaupt keine Vertreterin eines Risikokurses. Ich meine, dass wir aufpassen müssen und darauf hören, was die Experten uns raten. Ich freue mich aber, dass das Land Hessen ein Stück weit den Forderungen aus der Kultur nachgegeben hat. Wir haben jetzt die Drei-Quadratmeter-Regel, das heißt, in den Theatern und bei anderen kulturellen Veranstaltungen müssen pro Besucher drei Quadratmeter vorhanden sein, zugleich haben wir immer noch die Eineinhalb-Meter-Abstandsregelung. Das ist nicht die große Befreiung, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

          Wie geht es der freien Kulturszene derzeit?

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