https://www.faz.net/-gzg-a1e5s

Frankfurts Kultur in der Krise : „Die Leute erwarten Zukunftsperspektiven“

Und das Schauspiel? Da fragen sich manche, ob eine Guckkastenbühne noch zeitgemäß ist oder man nicht vielmehr einen Raum braucht, der für performatives Theater besser geeignet ist.

Wir müssen ein Theater bauen, das beide Formen ermöglicht, diese Diskussion möchte ich im Herbst führen. Den Wert von Oper und Schauspiel in einer Stadt kann man gar nicht überschätzen. Denn wo, wenn nicht auf den Bühnen, wird das Spannungsverhältnis von Tradition und Gegenwart, von Ästhetik und Politik auf so produktive Weise immer wieder neu entworfen?

Vor kurzem wurden Pläne bekannt, Buch- und Musikmesse zusammenzulegen, was hinter den Kulissen zu heftigem Streit geführt hat. Aus der Buchbranche hagelte es Kritik. Was halten Sie davon?

In meinen Augen ist das eine unglückliche Idee, Musikmesse und Buchmesse zusammenzulegen. Ich halte es im Gegenteil für ganz wichtig, dass die Buchmesse sich auf ihre Kernkompetenzen besinnt und ihre Eigenständigkeit bewahrt in einer Situation, in der der Buchhandel vom Strukturwandel der Öffentlichkeit stark betroffen ist, und das nicht erst seit Corona. Ich kenne die Buchmesse seit 20 Jahren aus der Nähe, habe sie immer geschätzt und halte es für richtig, dass sie auch in diesem Jahr stattfindet. Eine ihrer Aufgaben war und ist, das freie Wort zu verteidigen, ebendas gehört zum Markenkern der Buchmesse. Auch die Stadt Frankfurt tut, was sie kann, um die Buchmesse zu unterstützen. Es war gewiss kein passendes Signal, ausgerechnet in der Corona-Krise über eine Verwässerung der Eigenständigkeit beider Messen nachzudenken. Aber natürlich muss sich die Buchmesse Fragen stellen, etwa nach den Herausforderungen des Urheberrechts oder dem Wert des Buches und des Lesens in der heutigen Zeit.

Hat das Buch eine Zukunft?

Man kann die Entwicklung nicht vorhersehen. Als das E-Book aufkam, wurde behauptet, das wird jetzt das Taschenbuch ersetzen. Aber in Deutschland ist das E-Book kein großer Erfolg geworden. Der Buchhandel hat zwar unter Corona gelitten, sich aber viel einfallen lassen, hat auch viel Solidarität erfahren. Ich würde auch das Buch als Medium niemals aufgeben. Auch halte ich es für falsch, darin nur einen Träger von „Content“ zu sehen, den man dann weiterreicht an die Film-, Musik- oder Gaming-Industrie. Das Buch als Wert an sich zu verteidigen erscheint mir essentiell. Gerade dieses Medium ermöglicht die größte Unabhängigkeit, die man haben kann: Ein Buch, wir sind allein, wir vertiefen uns, nichts Einfacheres, als sich mit einem Buch zurückzuziehen und die innere Welt zu erweitern.

Was lesen Sie im Urlaub?

Ich beschäftige mich wieder einmal mit Marguerite Duras und möchte genau hinschauen, wie sie mit den Themen Kolonialismus und Rassismus umgeht, die uns gerade wieder umtreiben. Sie hat ja ihre Kindheit und Jugend in Indochina verbracht, hat zum Beispiel in ihrem Roman „Der Liebhaber“ eine Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen aus der Schicht der Kolonialherren und einem älteren Chinesen erzählt. Den Schock und die Anziehung des Fremden, des anderen, den beschreibt sie großartig.

Weitere Themen

Topmeldungen

„Rettet die Bars und Restaurants“: In Marseille gehen die Gastronomen gegen die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie auf die Straße.

Corona in Frankreich : Marseille macht mobil

Trotz massiv steigender Infektionszahlen gibt Frankreich in der Pandemie ein chaotisches Bild ab. Weil von Samstag an Bars und Restaurants bis auf weiteres geschlossen werden sollen, gehen wütende Gastronomen gegen die Regierung auf die Barrikaden.
Wird vor Tausenden Fans in Russland fahren: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel

Formel 1 in Russland : Sebastian Vettel kann nur hoffen

Aufregung vor dem Rennen in Sotschi: Hohe Infektionszahlen und eine Reisewarnung des Auswärtigem Amtes – trotzdem will die Formel 1 vor mehr als 30.000 Fans fahren. Nun äußert sich Sebastian Vettel.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.