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Frankfurts Kultur in der Krise : „Die Leute erwarten Zukunftsperspektiven“

Die Museen waren unter den ersten Institutionen, die wegen der Lockerungen nach dem kompletten Lockdown öffnen konnten. Aber der Ansturm blieb aus. Warum?

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Touristen und Reisegruppen fehlen, Schulklassen dürfen nicht kommen. Bei den Museen war die Wiedereröffnung ein wichtiges Signal, aber das Publikum ist zögerlich und vorsichtig wegen der gesundheitlichen Unsicherheit. Dieses Gefühl versuchen wir ihnen zu nehmen: In den Häusern wird sehr auf die Abstands- und Hygieneregeln geachtet, und die Museen haben umfangreiche Sicherheitskonzepte umgesetzt.

Die jungen Leute zieht es eher nach draußen ...

Richtig, nicht jede Altersgruppe geht mit der Situation gleich um. Die jungen Leute treffen sich hier in Frankfurt auf allen zur Verfügung stehenden Plätzen und Grünflächen. Man kann das verstehen, sie haben keine Clubs mehr, Events finden nicht statt – sie wollen ihr Leben genießen, also treffen sie sich im Freien und verändern die Stadt. Der öffentliche Raum wird jetzt in einer Weise bespielt, wie wir das auch noch nie erlebt haben. Das führt zu vielen Problemen, was die Vermüllung und die Toilettensituation angeht, macht uns aber auch klar, wie wichtig der öffentliche Raum ist.

Sie haben mitten in der Corona-Krise mehrere Varianten für den Neubau der Städtischen Bühnen vorgestellt, darunter die von Ihnen favorisierte, die als Standort der Oper das Sparkassengelände an der Neuen Mainzer Straße ins Auge fasst. War der Zeitpunkt klug gewählt?

Es wäre ganz falsch, Corona als Anlass zu nehmen, in Fatalismus zu verfallen. Im Gegenteil, gerade jetzt müssen wir an die Zukunft denken und zuversichtlich bleiben. Im Fall der Städtischen Bühnen geht es um ein großes Zukunftsprojekt, das ist nichts, das wir morgen entscheiden müssen, aber etwas, das über Jahrzehnte die Stadtlandschaft prägen wird. Und darüber müssen wir uns verständigen. Die Doppelanlage, das wussten auch schon meine Vorgänger, ist in keinem guten Zustand, es muss etwas geschehen, wir müssen eine Lösung finden, und daran wird weitergearbeitet.

Zum ersten Mal seit der Konzeption des Museumsufers steht jetzt wieder zur Debatte, mit Hilfe der Kultur die Stadtentwicklung voranzutreiben. Hat Sie die positive Resonanz auf ihren Vorstoß überrascht?

Die Resonanz hat mich in einem entscheidenden Punkt bestätigt: Die Menschen erwarten, dass wir eine Zukunftsperspektive entwickeln. Eine Kulturmeile entlang der Wallanlage, damit können viele etwas anfangen. Die ökologische Stadt ist ein Zukunftsthema, es geht aber auch um die Ökonomie: Wie soll die Stadt im 21. Jahrhundert aussehen, wie zugänglich sollen kulturelle Gebäude sein, wem gehört der öffentliche Raum, wer nutzt ihn? Das beschäftigt viele, Stadtplanung, Wirtschaft, Gastronomie, Kultur.

Das Projekt ist auf zehn, vielleicht 15 Jahre angelegt. Machen Sie sich nicht manchmal Gedanken darüber, ob Frankfurt künftig noch eine Oper braucht?

Eine Oper in einer großen europäischen Stadt, das stellt bisher niemand in Frage. Sie gehört zur Tradition europäischer Städte, und die allermeisten Opernhäuser befinden sich als Fixsterne der Kultur in den Innenstädten. Das hat auch etwas mit dem Bedürfnis städtischer Gesellschaften zu tun, sich der Möglichkeiten von Rausch und Schönheit zu vergewissern.

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