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Frankfurter Künstler : Variationen eines Körpers

  • -Aktualisiert am

Ordnung muss sein: Thomas Buck in seinem Atelier im Frankfurter Ostend Bild: Wonge Bergmann

Der Künstler Thomas Buck nutzt eine Radierung, die einen verfremdeten Bodybuilder zeigt, für vielfältige künstlerische Erkundungen. Das Grundmotiv findet sich vor allem in seiner Malerei und Bildhauerei wieder.

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          Kunst kann uferlos sein und unüberschaubare Möglichkeiten bieten. Das hat auch Thomas Buck erfahren, als er sich vor einigen Jahren auf abstrakte, digitale Malerei konzentrierte. Irgendwann, erinnert sich der Künstler, seien seine Bilder immer beliebiger geworden, und er habe keinen Halt mehr gehabt. „Ich musste wieder zurück zum Leben“, sagt Buck über seine damalige Schaffenskrise. Er betont: „Ich brauche einen Ausgangspunkt, um ein Bild zu malen und eine Skulptur zu bauen.“ Es gehe dabei um eine Eingrenzung.

          Es gelang ihm, ein geeignetes Grundmotiv zu finden, von dem ein ergebnisoffener künstlerischer Arbeitsprozess ausgehen kann. Buck zeigt eine Reihe 2016 entstandener, bläulicher Kaltnadelradierungen. Sie lassen einen verfremdeten Bodybuilder erkennen. Das Motiv reizte Buck, da es zwar den menschlichen Körper beinhaltet, aber in dieser Ausprägung nicht so stark mit Bedeutung aufgeladen ist. Der Bodybuilder sei eine Form für sich, erläutert Buck. Er repräsentiere mehr eine Form als einen Inhalt.

          In den vergangenen vier Jahren wurde dieses Motiv für Buck zur Grundlage für vielgestaltige malerische und bildhauerische Erkundungen. Davon zeugt sein durchdacht und geordnet eingerichteter Arbeitsraum im fünften Obergeschoss des „Atelierfrankfurt“. Aus den Fenstern blickt man auf graue Architekturlandschaften des Frankfurter Ostends. Drinnen zeigen mehrere Bilder einen kopflosen Muskelmann in mehr oder minder abstrahierter Ausführung. Auf einigen Gemälden ist der Bodybuilder nur noch als Fragment zu erahnen. Mancherorts betont Buck in Farbe und Malduktus das Fleischige des durchtrainierten Körpers, anderswo lässt er ihn zur abstrakten Fläche werden.

          „Der Körper ist ein Material, mit dem sie arbeiten“

          Das Motiv übersetzt Buck auch in Plastiken, die er unter anderem aus zusammengeknülltem Zeitungspapier anfertigt. Dank eines Arbeitsstipendiums der Hessischen Kulturstiftung habe er den Bodybuilder kürzlich in Bronze umsetzen können, erzählt der ruhig und bedacht wirkende Künstler. Der Schritt in die dritte Dimension erschien ihm schon vor vier Jahren folgerichtig: „Mir ist damals sehr schnell bewusst geworden, dass ich Skulpturen male.“ Denn letztlich seien Bodybuilder Bildhauer: „Der Körper ist ein Material, mit dem sie arbeiten.“

          Auf einigen Gemälden tauchen zudem reale Alltagsobjekte, wie etwa Türklinken, auf. Deren Notwendigkeit ergibt sich für Buck intuitiv und bisweilen spontan aus dem Arbeitsprozess heraus. Manchmal merke er, erklärt der Künstler, dass da noch etwas hin müsse. „Ich will aber nicht eine Bedeutungsebene darin sehen“, betont Buck. Er nimmt eine Türklinke in die Hand und sagt: „An sich sind solche Sachen Skulpturen.“ Der Betrachter begegnet auch einigen gemalten Pflastersteinen. Für Buck sind sie ein gutes Beispiel für eine Form, die sich aus dem alltäglichen funktionalen Gebrauch herleitet.

          Als das Gespräch auf seine Vorbilder in der Bildhauerei kommt, nennt Buck Constantin Brâncuşi und Alberto Giacometti, den er besonders hervorhebt. Dessen konsequente Fokussierung auf ein figuratives Grundmotiv muss Buck reizen. Dass er den Maler Chaim Soutine erwähnt, erscheint ebenfalls naheliegend. Es ist womöglich Soutines unsentimentale, geradezu rabiate Art, Menschen als Fleischeswesen zu zeigen, die ihn interessiert. Auch die italienischen Maler des Trecento und Quattrocento beschäftigen Buck. „Sie liegen mir sehr nah“, bekennt er. Die Werke von Künstlern wie etwa Fra Angelico beschreibt Buck als extrem komponiert, komprimiert und durchdacht. Einige schöne Stücke aus dieser Zeit seien im Städelmuseum zu sehen.

          Seine künstlerische Ausbildung absolvierte Buck an der direkt benachbarten Städelschule. Von 1999 bis 2005 studierte er dort bei Thomas Bayrle und Wolfgang Tillmanns. Er habe schon als Jugendlicher beschlossen, Kunst zu studieren, erinnert sich Buck: „Das war mein Weg.“ Seine Schulzeit verbrachte er in Leverkusen. Geboren wurde Buck 1981 im polnischen Krapkowice. Während seines Studiums an der Städelschule sei es üblich gewesen, Frankfurt zu verlassen: „Damals sind fast alle nach Berlin gegangen.“ Buck blieb jedoch. Jemand habe ihm den Wegzug in die Hauptstadt ausgeredet, dann habe er seine Frau kennengelernt. Mittlerweile beobachtet Buck, dass immer mehr junge Künstler vor Ort bleiben: „Eine Treue zu Frankfurt ist jetzt da.“

          Die Stadt bezeichnet er als „klein und fein“. In der Kunstszene kenne man sich. Es sei aber vielleicht kein Ort, um Karriere zu machen. Buck betont jedoch, wie viel derzeit im Offspace-Bereich passiere: „Das gefällt mir.“ Er ist kein häufiger Gast auf Vernissagen und schaut sich Ausstellungen lieber in Ruhe an. Buck sagt, er werde immer wieder von neuen, jungen Positionen positiv überrascht. Er stellt einen weiteren Aspekt heraus. Sein Atelier werde, so Buck, von der Stadt gefördert: „Diesen Raum könnte ich mir an sich nicht leisten.“ Knapp ist auch Bucks Zeitbudget. Der zweifache Vater muss Kunst und Familienleben in Verbindung bringen. Jeden Morgen bringe er erst seine Kinder in den Kindergarten und fahre danach für einige Stunden ins Atelier. Anschließend gehört seine Zeit wieder der Familie, bevor er abends, sofern er noch Kraft hat, wieder malen geht. Eine weitere Eingrenzung seiner künstlerischen Arbeit ist wichtig: „Nachts geht es nicht.“

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