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Frankfurter Künstler Shah : Wer im Glashaus sitzt

Selfie mit schrägen Einblicken: Sandip Shah in seinem „Safe House“ Bild: Sandip Shah

Der Frankfurter Künstler Sandip Shah hat aus seiner Wohninstallation ein „Safe House“ gemacht. Die „Bewohnte Kunstinstallation“ soll auch ihm wieder etwas Stabilität geben. So lange, bis die Pandemie vorbei ist.

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          Ein wenig seltsam ist das schon. Fast wie in der Sicherheitsschleuse am Gericht oder der Justizvollzugsanstalt. Und geradeso hat sich Sandip Shah das schließlich auch gedacht. Immerhin ist er seit Monaten kaum noch aus dem Haus gegangen, nicht auf Vernissagen, nicht ins Museum oder in eine Galerie, sondern allenfalls einmal zum Malen in sein Mühlheimer Atelier gefahren. Mit dem Auto, um möglichst alle Kontakte zu vermeiden. Doch irgendwie müsse es ja weitergehen. Weshalb Shah nun, „um überhaupt wieder am Leben teilzunehmen“, vor allem aber, um auch wieder Ausstellungen machen zu können, seine „Bewohnte Kunstinstallation“, die er vor vier Jahren in Sachsenhausen eingerichtet hat, zum „Safe House“ erweitert hat.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was zunächst einmal vor allem heißt, dass sich Künstler und Besucher nicht begegnen. Nicht persönlich jedenfalls. Stattdessen klingelt man und findet sich in einem rundum abgeschlossenen Schauraum wieder. Und sitzt dem 1972 geborenen Künstler dabei gegenüber. Hat doch Shah die Altbauwohnung gänzlich umgebaut und wohnt jetzt, mit dem Betrachter hinter der Scheibe nur über eine Gegensprechanlage verbunden, gleichsam vollverglast auf fünf Quadratmetern im einstigen Büro. Wie lange er das machen will? Na, bis die Pandemie beendet ist. Mit Lebensmitteln lässt er sich beliefern, arbeiten kann er hinten im bescheidenen Atelier, und die Ausstellung wächst unterdessen beinahe von selbst.

          Nicht nur findet sich das eine oder andere Bild des Schülers von Adam Jankowski und Hermann Nitsch selbst, auch befreundete Künstler wie Fehmi Baumbach, Hannes Pohle und Thomas Erdelmeier, Albrecht Wild oder Sven Tadic, der mit der Fotografie eines sich offenbar prächtig amüsierenden Pferdes vertreten ist, haben schon Arbeiten vorbei- gebracht. Vom Setting her erinnert das an Shahs „City Watch Office“, das der Maler und Performer vor einigen Jahren in einer ehemaligen Pförtnerloge eingerichtet hatte. Jetzt aber ist es Shah nicht nur bitterernst, das Glashaus ist auch, anders als noch die Loge im Atelierfrankfurt vor zehn Jahren, rund um die Uhr besetzt. Und Shah freut sich allemal über Besuch.

          Ein Besuch in Sandip Shahs „Safe House“ Frankfurt, Seehofstraße 8a, ist nach Vereinbarung per Mail unter b.k.i@web.de oder telefonisch unter 0 69/66 11 30 77 möglich.

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