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Frankfurter Kammeroper : „Oper muss nicht steife Etikette sein“

  • -Aktualisiert am

Mann der Kammerspiele: Rainer Pudenz. Bild: Wonge Bergmann

Seit fast 30 Jahren leitet Rainer Pudenz die Frankfurter Kammeroper. Er freut sich über die familiäre Atmosphäre hinter den Kulissen. Nur ein fester Spielort fehlt noch.

          Die Kammeroper Frankfurt ist sein Kind – ein Kind, das mittlerweile fast 30 Jahre alt ist. „Opern inszenieren ist wie eine Sucht. Irgendwann habe ich damit angefangen, und inzwischen sind es drei Opern pro Jahr“, sagt Rainer Pudenz, Gründer und Leiter der Kammeroper. Der 54 Jahre alte Mann sitzt im Esszimmer seiner Wohnung im dritten Stock eines alten Hauses im Nordend. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotografien, die sein Bruder Martin, ein professioneller Fotograf, aufgenommen hat. Rainer Pudenz’ stahlblaue Augen fallen sofort auf: Mit einem aufmerksamen und wachen Blick betrachtet er seine Umwelt.

          Zur Oper kam er schon sehr früh: Mit 13 Jahren zog er von zu Hause aus und verdiente sich sein Geld als Garderobier an der Oper Frankfurt. Mit 20 wurde er Regieassistent, arbeitete in den siebziger Jahren für Giancarlo del Monaco und Siegfried Schoenbohm in Stuttgart, Freiburg und Essen. Doch irgendwann fühlte er sich an der großen Oper nicht mehr wohl. „Ich war frustriert von der Art und Weise, wie die Leute miteinander umgingen: Es gab strenge Hierarchien, und oft wurden Personen plötzlich arrogant und hochnäsig, wenn sie in höhere Positionen aufstiegen“, erinnert sich Pudenz. Er suchte nach neuen Herausforderungen. Es war schließlich eine zufällige Begegnung, die den Weg zur Gründung der Kammeroper ebnete: 1982 traf Pudenz auf dem Oeder Weg einen Dirigenten wieder, den er aus seiner Zeit als Regieassistent kannte. Gemeinsam beschlossen sie, eine Oper zu inszenieren. Die Wahl fiel auf „Pimpinone“ von Georg Philipp Telemann. Die Oper wurde noch im gleichen Jahr an der Werner-von-Siemens-Schule im Gutleutviertel aufgeführt – dies war die Geburtsstunde der Kammeroper. Die nächsten Auftritte gab es in den Freimaurerlogen im Finkenhof und an der Kaiserstraße. Rund 80 Opern hat die Kammeroper seitdem aufgeführt.

          Die meisten Stücke gehören zum Genre der Opera buffa

          Pudenz wählt die Spielorte gemeinsam mit seinen Künstlern aus, denn der Ort müsse zum jeweiligen Stück passen: Für eine humoristische und witzige Oper wie „Die lustigen Weiber von Windsor“ beispielsweise sei der Palmengarten mit seiner entspannten Freiluft-Atmosphäre sehr geeignet. Auch in der Naxoshalle tritt die Kammeroper oft auf und hat Gastspiele in Florenz und Bellagio gegeben. Die ersten Aufführungen unter freiem Himmel gab es in der Kastanienallee am Holzhausenschlösschen. Einen festen Spielort hat die Oper bis heute nicht, zu den Proben treffen sich die Musiker im Palmengarten oder im Mousonturm. Damit sich die Mitarbeiter dieses modernen Wandertheaters nicht heimatlos fühlen, soll die Atmosphäre hinter den Kulissen nach Pudenz’ Wunsch menschlich und familiär sein: „Wir sind wie ein Haufen Freunde.“ Der Leiter versucht, allen Beteiligten „eine Spielwiese zu geben“: Er stelle ein grobes Konzept vor, das von den Künstlern gemeinsam weiterentwickelt werde. Er treffe die wichtigen Entscheidungen zwar alleine, lege aber Wert auf Ideen und Anregungen der Künstler.

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