https://www.faz.net/-gzg-9tiyw

Frankfurter Kabarett : Knalltüten, Kalauer und Kopfsalat

Vielseitig: Jochen Döring in „Der Kleine Prinz“. Bild: Bato Prosic

Der Comedian Jochen Döring, der sonst mit der Frankfurter Klassenpause auftritt, wandelt mit dem Programm „Germany’s next Opferklaus“ im Kabarett auf Solopfaden.

          2 Min.

          So ganz wohl war ihm offenbar nicht in seiner Haut. Dabei konnte doch eigentlich nichts schiefgehen bei der längst ausverkauften Premiere. Immerhin ist Jochen Döring hier in den vergangenen Jahren regelmäßig mit Tim Karasch und der Frankfurter Klasse aufgetreten, kennt man das Duo aus den einschlägigen Formaten im Fernsehen und erfreuen sich, geht man allein nach den Klicks, so manche ihrer Sketche enormer Beliebtheit im Internet. Doch solo, mochte Döring sich kurz vor der gefeierten Premiere denken, solo sieht die Welt eines Comedians auch im Frankfurter Kabarett Die Käs noch einmal gänzlich anders aus. „Mal sehen, ob es gut läuft oder ob die Zuschauer mit Salat werfen“, bangt er.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun, um es vorwegzunehmen: Nichts war’s mit Tomaten, Chicorée und frischem Kopfsalat. Es lief. Und wie. War doch die Stimmung gleich vom Start weg auf dem Höhepunkt. Schließlich war man bei „Germany’s next Opferklaus“, so der Titel des Programms, gleichsam live dabei bei dieser abenteuerlichen Casting-Show und war mithin beinahe alles wie im Fernsehen. So heizte etwa Döring aus dem Off als Regisseur den Saal schon einmal gnadenlos Richtung Ekstase auf, sorgten Videos der Jury für die ersten komischen Momente und war schon vor Erscheinen des enervierend gut gelaunten Moderators das Publikum schier aus dem Häuschen.

          Der Rest ist denn auch beinahe Routine, gehört doch die Hälfte der sechs die Kandidaten des Abends vorstellenden Knallchargen – Lutz etwa („Ich bin Angler..., willst du meinen Wurm sehen?“), der stets gefährlich schwankende Export-Trinker Mario und natürlich Zeynep Tilki aus Sossenheim, die neuerdings – „isch schwöre!“ – eine Karriere als Influencerin anstrebt – schon in den Programmen der Frankfurter Klasse zu den beliebtesten Figuren des Duos. Und dass Döring, der hier in immer neue, immer andere und immer grotesker anmutende Rollen schlüpft, ein glänzender Schauspieler ist, mochte man in Frankfurt ohnehin längst wissen. Allerdings in einem gänzlich anderen Fach.

          „Ich stehe auch auf bescheuerte Sachen!“

          Allein, Döring, der seine Karriere einst in Alexander Brills Laiensclub am Frankfurter Schauspiel begonnen hat, und nach wie vor etwa im Theater Landungsbrücken oder dem Stalburg Theater als Woyzeck, in „Der Kleine Prinz“, in „Hass“ oder im „Fest“ nach Thomas Vinterberg auf der Bühne steht, mag nun einmal von der Comedy partout nicht lassen. „Ich stehe auch auf bescheuerte Sachen“, erklärt Döring sein Faible für Knalltüten, Kalauer und schlichte Charaktere erfrischend unverblümt. Und das merkt man dieser „Show, die Talente jagt, findet und verheizt“, je länger, desto mehr auch durchaus an. Was der Begeisterung des Publikums nicht den geringsten Abbruch tut.

          Ob „Germany’s next Opferklaus“ für den Frankfurter Schauspieler den Durchbruch als Comedian bedeutet, steht aber auf einem anderen Blatt. Wünscht man ihm doch dringend einen erfahrenen Regisseur an seine hemmungslos extrovertierte Seite. Sicher, auf Youtube wird der eine oder andere Clip mit all den eher schlichteren Gemütern seine Fans mit Sicherheit schon finden. Doch wie schon in den Sketchen der Frankfurter Klasse ist so manche dieser Nummern schlicht zu lang: Auf der Bühne kann man, anders als im Fernsehen, nun einmal nicht schneiden. Und ob nun Lutz oder Tabea, der taumelnde Mario oder Zeynep aus Sossenheim – auf Dauer ist das tumbe Elend dieser etwas anderen Talente dann doch nicht zu ertragen.

          Weitere Vorstellungen

          Die nächsten Vorstellungen von „Germany’s next Opferklaus“ im Kabarett Die Käs sind am 10. Dezember sowie am 25. Januar. Mit der Frankfurter Klasse ist Döring am 22. November im Kurtheater Bad Nauheim, am 17. Dezember im Kabarett Die Käs und am 25. Dezember zum vorerst letzten Mal in der Frankfurter Schmiere zu Gast.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.