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Frankfurter Ikonenmuseum : Heilige Bilder

  • -Aktualisiert am

„Die Heiligen Georg, Klemens und Menas“, Russland (Nowgorod), 15. Jahrhundert Bild: © lumenphoto.de

Das Ikonen-Museum in Frankfurt steht in neuem Glanz bereit, das Publikum zu empfangen. Mit einem Konzept, das auf Begegnung setzt, um gesellschaftlichen Rissen entgegenzuwirken.

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          Zwar gibt es auch im westlichen Christentum Bilder, die eine besondere Verehrung erfahren, Gnadenbilder etwa, die gelegentlich Ziel von Wallfahrten sind und denen wundertätige Wirkung nachgesagt wird. Prinzipiell aber kennt der Westen gewiss Heiligenbilder, aber keine heiligen Bilder, in denen das Göttliche selbst anwesend wäre. Nicht das Bild wird angebetet, auch nicht die Heiligen, selbst Maria nicht, das Bild ist ein Hilfsmittel, die Heiligen helfende Geister, die vermitteln. Im Gebet gehuldigt wird allein dem höchsten Wesen. Biblische Geschichten werden illustriert, per Anschauung den Menschen nähergebracht, und wenn Jesus oder gar, was selten der Fall ist, Gottvater ins Bild gesetzt wird, handelt es sich allemal um Darstellungen, Abbilder, sei es aus Lehrzwecken, zur Erbauung oder als repräsentativer bis triumphaler Schmuck.

          So oder so: Das Bild ist nicht an sich die Wirklichkeit, sondern verweist auf sie, ist von ihr abgeleitet und kann doch den himmlischen Glanz wiedergeben, ohne allerdings ein Teil von ihm zu sein. Das Gebet dringt, angeregt vom Bild, zum Himmel, aber nicht durch es hindurch. Anders die Auffassung des Ostens: Heilsbringer und Heilstatsachen sind im Bild präsent. Es kündet nicht von der Wahrheit, es ist die Wahrheit, und dadurch erklärt sich auch die Ähnlichkeit vieler Darstellungen, am deutlichsten abzulesen an den Christus-Bildern der Ostkirchen, denen die vermutlich aus dem sechsten Jahrhundert stammende byzantinische Pantokrator-Ikone aus dem in der Wüste Sinai liegenden Katharinenkloster als Ur- und Vorbild diente. Dieses einzigartige Werk hat den Ikonoklasmus überstanden, den Bildersturm, der die byzantinische Kirche im 8. und 9. Jahrhundert erschütterte. Aus dem Bilderstreit freilich sind die Bilder gestärkt hervorgegangen, bis heute nehmen sie in der Orthodoxie einen besonderen Rang ein.

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