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Frankfurter Goetheplatz : Die Turmgesellschaft

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Ein Mittel, um die Aufmerksamkeit auf den Dichterfürsten zu lenken: Jean-Luc Cornecs Mauer auf dem Goetheplatz. Bild: Nora Klein

263 Frankfurter Persönlichkeiten haben sich für den Verbleib der Mauer um das Dichterdenkmal auf dem Goetheplatz ausgesprochen. Auch der Kulturdezernent ist dafür.

          Die nicht ganz geschlossene, in der Höhe variierende Mauer des Künstlers Jean-Luc Cornec soll noch eine Weile das Goethe-Denkmal Ludwig von Schwanthalers auf dem nach dem Dichterfürsten benannten Platz einfassen: Mehr als 260 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Frankfurt haben sich bei einer Unterschriftenaktion dafür ausgesprochen. Darunter sind die Stifterin Ulrike Crespo, die Hörfunkmoderatorin Ruth Fühner, der Hirnfoscher Wolf Singer, der Verleger Joachim Unseld, der Schriftsteller Bodo Kirchhoff, der Kunsthistoriker Klaus Herding und viele andere Prominente vor allem aus dem Kultursektor. Auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte auf Anfrage, er sei „entschieden dafür“, dass das Kunstwerk vorerst an seinem Standort bleibe. Ursprünglich war es Bestandteil der Ausstellung „Wie stellt man Literatur aus? Sieben Positionen zu Wilhelm Meister“. Nach deren Ende sollte es abgebaut werden. Dieses Beispiel für Kunst im städtischen Außenraum, äußerte der Kulturdezernent, werde jedoch von so vielen Bürgern hoch geschätzt, dass es noch länger zu erleben sein sollte. Schwanthalers Denkmal werde dank Cornecs Eingriff ganz anders wahrgenommen, eine Auseinandersetzung mit dem Goethe-Bild und damit auch mit dem Autor selbst sei in Gang gekommen. „Auf einmal erscheint der ikonische Charakter von Schwanthalers Goethe“, sagte Semmelroth. „Ich freue mich, dass die Arbeit von Jean-Luc Cornec eine solche Wirkung entfaltet hat.“

          Einer verlängerten Aufstellung des Kunstwerks stehen Bedenken des Denkmalamts entgegen, das fürchtet, Schwanthalers Bronzefigur könnte beeinträchtigt werden. Die Kontrolle der Zone zwischen Denkmal und künstlerischer Mauer scheint schwierig zu sein. Der Künstler selbst hat in der Vergangenheit mehrfach für eine Säuberung des kleinen Areals gesorgt.

          Voriges Jahr zu Goethes Geburtstag am 28. August ist die Installation aus Ziegelsteinen errichtet worden, auf jedem stehen die Initialen „WM“ für Wilhelm Meister, jenen jungen Mann, der seiner Leidenschaft für das Theater nachgeht, aber letztlich Teil der bürgerlichen Welt und ihrer nützlichen Bestrebungen wird. Die Turmgesellschaft hat daran einen beträchtlichen Anteil, lenkt sie doch von ferne seinen Lebensweg. Darauf verweist das von Cornec geschaffene Gebilde ebenso wie auf die Hochhaussilhouette Frankfurts, das schon zu Zeiten Goethes als Verkehrs- und Handelsplatz einen internationalen Namen hatte. Der nüchterne Kaufmannsgeist, den schon der berühmteste Sohn der Stadt anprangerte, und die Sehnsucht, das rechnende Denken mit Hilfe der schönen Künste hinter sich zu lassen, gehören bis heute zu den Frankfurter Grundthemen. In Cornecs Arbeit klingt es an.

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