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Frankfurter Galerien : Glühen, Leuchten, Strahlen

Vielversprechend: Die erste Messe „Paper Positions“ der Frankfurter Galerien Bild: Wonge Bergmann

Mit dem 25. Saisonstart läutet die Gemeinschaft der Frankfurter Galerien den Kunstherbst ein. Manche Arbeit hat auch nach 30 oder 40 Jahren nichts von ihrer Frische eingebüßt.

          Vielleicht lag es ja schlicht am Wetter. Am zu den freitäglichen Vernissagen womöglich letzten Sommertag. Am großen Jubiläum der Interessengemeinschaft der Frankfurter Galerien naturgemäß auch, die mit dem 25. gemeinsamen Saisonstart auf eine Weise den Kunstherbst einläutete, wie man ihn lange nicht hat erleben dürfen in der Stadt, die seit gut und gerne dreißig Jahren nicht so recht zu wissen scheint, ob sie nun eine Kunststadt heißen will oder doch womöglich lieber nicht und überhaupt, was das denn sei. Und was das wieder kostet.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jetzt aber, zum Jubiläum, dachte man mit der „Frankfurt Art Experience“, mit Rundgängen, Sonderausstellungen und stark besetzten Podien etwa zum Thema Kunstmarkt eine ganze Nummer größer, ohne sich deshalb gleich zu überheben. Und gaben sich vor allem die rund 20 vertretenen Frankfurter Kunsthändler schon zur Eröffnung der feinen kleinen Kunstmesse „Paper Positions“ auf eine Weise aufgeräumt und strahlend voller Optimismus, wie es in Frankfurt in den vergangenen Jahren kaum einmal zu spüren war.

          Dabei waren hier die Umsätze zum Auftakt eher so lala. Doch in den Galerien sah man schon bei den Vernissagen etwa in der Galerie Hübner & Hübner, bei Hanna Bekker vom Rath aber auch, wo sich Hans Ticha mit seinen „Agit-Pop“-Gemälden vorstellt, oder bei KA:Ost mit neuen Bildern der Frankfurter Malerin Corinna Mayer eine Reihe roter Punkte leuchten als Zeichen des Verkaufs.

          Masse an Besuchern

          Die Stimmung also war bei Galeristen, den zahlreich anwesenden Künstlern und ohnehin beim Publikum vor allem prächtig; sah man am großen Eröffnungsabend viele schöne, noch vom Sommer braungebrannte Menschen sich grüßen, herzen und auf beide Wangen küssen, über Preise spekulieren und auf der Suche nach den schönen Künsten oder auch bloß nach dem besten ausgeschenkten Tropfen durch die Gassen um den Dom flanieren. Dabei, ein bisschen Wasser in den Wein muss an dieser Stelle nun mal sein, es war dann auch nicht alles toll. Und bei aller Liebe auch ein wenig viel. Man hätte etwa die Ausstellung in sechs gewaltigen Containern, die Andreas Greulich und Jeremy Gaines auf die Fahrgasse hatten wuchten lassen, um im Rahmen des Saisonstarts aktuelle Kunst aus Nigeria zu präsentieren, vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt avisieren sollen.

          Weniger weil die Malerei aus Lagos hier am Ende doch ein wenig fremdelte. Sie ging bei allem Farbrausch im Saisonstarttrubel fast ein wenig unter. Und überhaupt war es dem in erster Linie an der Kunst gelegenen Betrachter oft schlicht zu voll. In den neuen, gerade erst bezogenen Räumlichkeiten des Deutschen Werkbunds etwa, wo man die aktuellen Fotoarbeiten Götz Diergartens angesichts der Masse an Besuchern eher ahnte, als dass man sie denn wirklich sah. Wie gesagt, es war nicht alles eitel Sonnenschein. Aber vieles eben doch. Und man kann ja immer noch mal wiederkommen, die Ausstellungen laufen alle noch ein paar Wochen. Auch hier im Werkbund lohnt ein zweiter, ein freier Blick auch auf die im Ruhrgebiet entstandene Serie des Becher-Schülers allemal.

          Kunstcontainer in der Fahrgasse

          Wie überhaupt die Fotografie etwa mit Oliver Boberg in der L.A. Galerie, Laurenz Berges bei Tolksdorf oder Laura Padgett bei Peter Sillem schlicht großartig vertreten ist. Und die doch ihren stärksten Auftritt ausgerechnet in der Ausstellung bei Jacky Strenz hat. Ausgerechnet, weil man Markus Ebner doch vornehmlich als Maler kennt, der seit Jahren alle Kraft und all sein malerisches Können darauf konzentriert, das gewaltige Werk seines Lehrers Günter Fruhtrunk Bild um Bild und Serie für Serie so exakt als möglich nachzumalen. Nun aber nimmt er mit „Günther Förg“ eine vor 20 Jahren begonnene Fotoserie wieder auf, die nichts zeigt als die letzte Ruhestätte von Künstlern wie Fruhtrunk, Blinky Palermo oder auch Marcel Duchamp. Künstlern mithin, deren Werk ihm auch persönlich viel bedeutet.

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