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Frankfurter Galerien : Paris liegt jetzt im Ostend

Die Ferne kommt vorbei: Susa Templin, L.A. Highway, Collageanaloge Fotografie (1996) bei Anita Beckers Bild: Anita Beckers

Wichtige Messen sind wegen Corona Fehlanzeige. Frankfurter Galerien üben sich deshalb im Improvisieren. Und das muss nicht schlecht sein.

          2 Min.

          Für jeden Kunstbetrachter sind diese grauen Tage im November schlicht ein Trauerspiel. Die Museen: geschlossen. Kunstvereine: geschlossen. Die Messen: schon lange abgesagt. Immerhin, noch kann man die aktuellen Ausstellungen in den Galerien sehen. Und wieder einmal erleben, dass die Begegnung mit der Kunst den interessierten Betrachter anregen, herausfordern, ärgern vielleicht gar, doch immer auch bereichern und, ja, glücklich machen kann. Denn auch wenn der eine oder andere Besucher aus Vorsicht lieber doch zu Hause bleibt und manche Räume auf einer Anmeldung bestehen, grundsätzlich sind die privaten, zum Einzelhandel zählenden Ausstellungsräume offen.

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          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was in diesen Tagen, wo das kulturelle Leben weitgehend zum Erliegen gekommen ist, allemal ein Segen ist. Und deutlich mehr als nur ein kleiner Trost. Leicht aber haben es auch die engagiertesten Betreiber in diesem Katastrophenjahr keineswegs. Nicht nur fehlen vielen Galerien angesichts der Pandemie die interessierten, der Kunst der Gegenwart gegenüber aufgeschlossenen Besucher. Ohne die in Köln und Düsseldorf, Paris, Madrid oder Miami rund um den Globus abgesagten Messen fehlt auch der persönliche Austausch mit den Sammlern aus aller Welt. Weshalb Frankfurter Adressen wie die Galerien Bärbel Grässlin, Jacky Strenz oder Parisa Kind „Online Viewing Rooms“ bei der Art Basel, im Frühsommer bei Nada Fair oder bei der für den Dezember angekündigten Online-Version der Nada Miami gebucht haben.

          „Ein Test“, wie Parisa Kind das aus der Not geborene Format nennt. Schließlich sei das Risiko – was vor allem heißt: die Kosten – einigermaßen überschaubar. Derweil haben sich Sakhile & Me oder Anita Beckers für einen anderen Weg entschieden und zeigen ihren Messestand für Köln oder Paris nicht im Netz, sondern live und in Farbe.

          „Paris we miss you“

          Die mit ihrer Konzentration auf zeitgenössische afrikanische Kunst im Rhein-Main-Gebiet ziemlich einmalige Galerie Sakhile & Me macht das in den eigenen Räumen im Westend. Dort sind nun die eigentlich für den Kölner Messestand vorgesehenen Arbeiten etwa von Adelaide Damoah, Mbali Dhlamini, Tim Okamura oder der marokkanischen Künstlerin Ghizlane Sahli zu sehen. Anita Beckers hingegen hat sich kurzerhand in der Galerie des Atelierfrankfurt eingemietet.

          Statt auf Messen nun in Frankfurt: Mbali Dhlamini, Afrique Occidentale, Jeunes Filles Saussai (2017) bei Sakhile&Me
          Statt auf Messen nun in Frankfurt: Mbali Dhlamini, Afrique Occidentale, Jeunes Filles Saussai (2017) bei Sakhile&Me : Bild: Galerie Anita Beckers, Mbali Dhlamini

          Denn „ohne die Messen bricht nun einmal eine Menge weg“, wie Beckers sagt. Nun ist Frankfurt nicht Paris und das Künstlerhaus im Ostend nicht der Grand Palais im 8. Arrondissement, wo die jetzt abgesagte Messe Paris Photo zu Hause ist. Doch dafür hat Beckers in dem gemeinsam mit der Berliner Galerie Kornfeld eingerichteten Showroom auch gut und gerne dreimal so viel Platz. Zu entdecken ist, wie für Paris geplant, vornehmlich Fotokunst, freilich in einer Präsentation, die Ausstellungscharakter hat. Klassiker wie Annegret Soltaus „Permanente Demonstration“ aus dem Jahr 1976 etwa, neue Arbeiten von Christiane Feser oder eine starke, neugierig machende Serie des georgischen Fotografen David Meskhi.

          Und als kleine Zugabe zeigt Beckers mit Thorsten Brinkmanns „Frère de Grimm“ oder „Brünne Süperhild“ eine Auswahl jener Bilder, für die der Schüler von Bernhard Blume und Franz Erhard Walther gerade erst den Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie erhalten hat. „Paris we miss you“ hat Anita Beckers die sehenswerte Ausstellung überschrieben, und in der Tat, in Zeiten von Corona vermisst man das Reisen, den Messetrubel und all die abgesagten Vernissagen mehr denn je. Nie aber, so mag man sich nun am Main und im Frankfurter Ostend denken, nie war Paris dem Kunstbetrachter näher als in diesem Herbst.

          Die Ausstellung ist zu sehen in der Galerie des Atelierfrankfurt Schwedlerstraße 1–5, bis 29. November, die Schau bei Sakhile & Me, Oberlindau 7, vom 18. November bis 24. Dezember. Um Anmeldung unter galerie-beckers.de respektive sakhileandme.com wird gebeten.

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