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40 Jahre English Theatre : Der Zauber der Gemeinschaft

Der Chef: Daniel Nicolai, Intendant des English Theatre in Frankfurt, des größten seiner Art in Kontinentaleuropa Bild: dpa

Wie verhält es sich mit der Magie eines Theaterabends? Weshalb verzichtet das English Theatre auf Shakespeare im Programm? Und wie steht es mit dem lieben Geld: Intendant Daniel Nicolai verrät es im Gespräch.

          5 Min.

          Was vor 40 Jahren im Hinterhof begann, ist nun eine Institution in schicken Räumlichkeiten. Wo wird man das English Theatre in 40 Jahren verorten können? Hat der Charme des Theaters dann überhaupt noch eine Bedeutung?

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich glaube schon. Und davon hat mich die Arbeit am English Theatre überzeugt. Ich komme ja eigentlich vom Tanz und habe früher immer gedacht, das Sprechtheater sei eine aussterbende Kunst. Doch was ich jetzt hier seit Jahren erlebe, was die Besucher von einer Aufführung mitnehmen, der direkte Kontakt mit den Schauspielern, das hat ja schon Magie. Und die, so glaube ich, wird auch in 40 Jahren noch funktionieren. Vielleicht in anderen Formen, vielleicht avantgardistisch oder doch wieder konventioneller inszeniert, so wie es in Großbritannien üblich ist, wobei ich meine, dass dieser Aufführungsstil auch in Deutschland, dem Land des Regietheaters, zurückkommen wird.

          Es wird dann wieder naturalistischer inszeniert werden?

          Ich kann mir vorstellen, dass manchmal eine Rückbesinnung auf den Autor und seine eigentlich geschriebene Geschichte schön sein kann und schlicht und mit gutem Handwerk erzählt die Menschen berührt. Es wird aber auch neue Strömungen geben, wie den Einsatz von Virtual Reality oder Videostreams, die Aufführungen über Bühnen hinweg zu einem Erlebnis verbinden. In dieser Hinsicht wird sicher weiterhin ganz viel experimentiert. Bei aller Digitalisierung hoffe ich aber, dass dieses Gemeinschaftsgefühl, mit anderen in einer Aufführung zu sitzen, sich nicht verliert. Jeder Theaterabend ist anders.

          Nun ist dieses Gemeinschaftserlebnis, dieses Erfahren, ja an einen Ort gebunden. Wie wichtig ist eine feste Spielstätte? Das English Theatre ist ja schon mehrere Male umgezogen und hat auch am heutigen Ort einen Mietvertrag mit Befristung. Macht man sich da Gedanken, wo man eventuell in fünf Jahren spielen wird?

          Auch dann sind wir wahrscheinlich noch hier an der Gallusanlage. Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef hat ja mal einen neuen Standort an der Neuen Mainzer Straße ins Gespräch gebracht. Etwas mehr Platz wäre natürlich schön, das würde schon passen. Vor allem bei unseren Musicals reichen unsere 300 Plätze nicht. Aber ein Theater baut man nicht so schnell. Was ich mir nicht vorstellen kann, wäre, mit Produktionen von Ort zu Ort zu ziehen. Für das Branding und das Sponsoring ist es wichtig, dass die Partner wissen: Hier geht’s ins English Theatre. Man kann schon mal umziehen, aber nicht alle zwei Jahre. Für die Bindung ist ein fester Ort wichtig. Nicht zuletzt auch für die internationale Community, die für uns von großer Bedeutung ist.

          Die Belegschaft: Intendant Nicolai (vorne rechts) mit seinem Team

          Hat das English Theatre ein Stammpublikum?

          Wir sprechen von einem Kernpublikum, das rund 7000 Besucher zählt.

          Die sind aber nicht alle Abonnenten?

          Das wäre toll. Nein, das sind Besucher, die immer wiederkommen, sich zwei, drei Stücke je Saison anschauen oder auch mal eine Lesung bei uns besuchen.

          Es gibt im English Theatre ja nicht nur die Theater- und Musicalaufführungen, sondern es werden regelmäßig auch Poetry-Slam-Abende oder Soul-Partys veranstaltet. Wird hier auch neues Publikum gewonnen?

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