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Frankfurter Buchmesse 2020 : Durchs digitale Dickicht

Hier verläuft sich niemand: Die Hallen des Messegeländes, die hinter den Fahnen sind, bleiben dieses Jahr für Besucher und Aussteller geschlossen. Bild: dpa

Die Frankfurter Buchmesse läuft dieses Jahr nur virtuell. Dass die Messe 2020 stattfindet, ist dennoch ein wichtiges Zeichen.

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          Glücklich, wer sich zurechtfindet. Aber man konnte sich auch auf der, wie das mittlerweile heißt, physischen Buchmesse verlaufen. Und wir erinnern uns an viele Irrwege und Umwege, auf die wir beim Besuch in den hehren Hallen gerieten, in die sich die schnöden Nutzbauten während der größten Medienschau auf Erden alljährlich verwandelten. Wer aber ziellos von Koje zu Koje wanderte, durch lange Gänge schritt, selbst in entlegene Ecken und Nischen schaute, hatte regelmäßig den größten Spaß. Vieles war zu entdecken, Bedenkenswertes und Kurioses schob sich vor die Augen, und plötzlich bildete sich irgendwo eine Menschentraube, zu der sich der Flaneur gesellte, um Interessantes oder Poetisches zu erfahren, von einer bekannten Autorin, von einem unbekannten Dichter.

          Insofern unterscheidet sich das leibhaftige Messe-Erlebnis gar nicht so sehr vom virtuellen. Beim Schlendern verbraucht der Mensch nur ein paar Kalorien mehr als beim Surfen. Wer nicht suchet, der findet, auch beim komplexen Netzauftritt der Buchmesse, vielleicht etwas, das ihn nachhaltig bewegt, womöglich gar zum Kauf eines papierenen Buchs verführt. Denn das fehlt einem schon, und vielleicht wird das Bedürfnis danach auch bei den in die digitale Welt Hineingeborenen geweckt: das Blättern in real existierenden Druckerzeugnissen.

          Auf derlei Berührungen mit guter Literatur muss das Publikum in diesem Jahr jedoch ebenso verzichten wie auf die Begegnung mit körperlich anwesenden Schriftstellern, Buchhändlern, Verlagsleuten, kurzum: jener Branche, deren großes Betriebsfest die Frankfurter Buchmesse auch immer war. Dass sie 2020 stattfindet, ist dennoch ein wichtiges Zeichen. Der Markt für das geschriebene Wort, für Erzählungen, Inhalte, intellektuelle Auseinandersetzungen, lässt von sich hören und macht von sich reden. Wirtschaftlich ist das nicht, aber möglicherweise zahlt es sich in Zukunft aus, Kontinuität bewahrt und vor Corona nicht klein beigegeben zu haben. Auch wenn sich mancher im digitalen Dickicht verlieren wird. Und das ganze Internet eine riesige Ablenkungsmaschinerie ist.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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