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Frankfurter Ausstellungshalle : Offen, frei, flexibel

Robert Bock ist ein ebenso eigenwilliger wie umtriebiger Kunstvermittler. Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Ausstellungshalle in der Sachsenhäuser Schulstraße ist seit 20 Jahren ein Ort der Künstler. Auch derer, denen der Durchbruch versagt blieb.

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          Der Kunstvermittler ist an sich schon eine Frankfurter Sehenswürdigkeit. Mit seinem mal wallenden, gelegentlich zum Pferdeschwanz gebundenen, mal kurzen, in eine fragwürdige, weil einigermaßen struppige Ordnung gezwungenen grauen Haupthaar, mit seinem großgewachsenen Körper, dessen Sprache seltsam zwischen Lässigkeit und Anspannung changiert, mit seinem markanten, stets von einem leichten Missmut zeugenden Gesicht samt gebogener Nase.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Er ist ein unruhiger Geist, stets am Parlieren, Kommunizieren, Abschätzen und Einschätzen, und auch in den Momenten beim Apfelwein in den einschlägigen Restaurationsbetrieben in Sachsenhausen nach Eröffnungen oder getaner Arbeit im mit Kunst und Krempel zugestellten Büro kann es wieder kritisch zur Sache gehen oder sich ein leicht zynischer Humor Bahn brechen. Die Gespräche gehen weiter, die Reflexion steht nie still. Zwischen Hippie und Gentleman schillernd, ebenso selbstbezogen wie anderen zugewandt, gerne mit breiten Hosenträgern angetan oder in besonders weite, grobe Cordhosen gewandet, füllt Robert Bock seit 20 Jahren eine Nische im hiesigen Ausstellungswesen.

          Kunst aus der Frankfurter Umgebung

          Zwar haben auch schon einstige Städelschul-Größen wie Hermann Nitsch oder Raimer Jochims und manche andere zu einigem Ruhm gelangte Künstler bei ihm ausgestellt, aber er widmet sich doch vor allem jenen, die in Frankfurt und Umgebung Kunst produzieren, ohne im internationalen Betrieb Fuß gefasst zu haben, Malern, Zeichnern, Bildhauern, Installationskünstlern, die konzeptuell und ästhetisch konsequent und mit hohem Qualitätsanspruch zu Werke gehen, aber nicht laut oder geschickt genug oder einfach nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren, um in die Kreise Eingang zu finden, die über künstlerische Karrieren und Erfolge bestimmen.

          Die Kriterien oder vielmehr die nicht einer vernünftigen Einsicht zugänglichen Entscheidungen der einflussreichen Museumsdirektoren, Biennale- oder Documenta-Chefs, Kuratoren und Top-Galeristen haben ihn immer schon gestört. In letzter Zeit aber haben sich die Dinge noch einmal zugespitzt, die Blase wirkt geschlossener denn je. 1999 hat Robert Bock die Ausstellungshalle gegründet, wie die Institution heute heißt. Zwischenzeitlich war sie auch unter Ausstellungshalle 1A oder Ausstellungshalle Schulstraße oder Ausstellungshalle Sachsenhausen bekannt. In einer Gegenwart, in der Investoren überall nach Flächen für den Wohnungsbau suchen und gewachsene Viertel sich im Zug der Gentrifizierung zunehmend verändern, wirken der Hinterhof und das Gebäude der ehemaligen Wäscherei mit seinen großen Fenstern und hohen Räumen wie aus der Zeit gefallen. Ein sehr spezieller Ort. Einer, den zu erhalten auch die Stadtpolitik mittlerweile für erstrebenswert hält.

          In der Ausstellungshalle in der Schulstraße sind die Werke der Künstlerin Gisela Weber zu sehen.

          Das Kulturamt hält seine schützende Hand über die Ausstellungshalle, die Stadt hat das Areal für fünf Jahre gemietet mit der Option auf eine Verlängerung, der Besitzer wehrte sich jahrelang gegen alle Versuche, sein Anwesen zu erwerben und dort etwas Schickes, Teures, Seelenloses hinzustellen. Stattdessen hält dort Kunst-Impresario Bock Hof, lädt zu Vernissagen sowie etlichen anderen Veranstaltungen ein und achtet streng darauf, dass nach 22 Uhr die Nachbarn ihre Ruhe haben.

          „Die Idee war, Künstlern einen Freiraum zu geben“

          In den vergangenen sommerlichen Wochen gab es jede Menge Anlässe, unter freiem Himmel zu Wein und Salzstangen zu greifen, eine Vernissage jagte die andere, in der Reihe „Sommergäste“ haben Künstler jeweils nur für ein verlängertes Wochenende Werke ausgestellt. Das zeigt, wie groß die Nachfrage ist. Kunst muss sich öffentlich zeigen. Darauf sind Künstler angewiesen. „Die Idee war, Künstlern einen Freiraum zu geben“, sagt Bock, „Einzelausstellungen zu machen oder auch noch jemanden dazu einzuladen.“ Das Wesentliche aber sei, dass es in ihrer Eigenregie geschehe. „Es wäre auch okay, wenn jemand nur zwei Fotos zeigt.“

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