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„Frankfurt liest ein Buch“ : Auf der Suche nach der ermordeten Frau

Dienstwagen: Rosemarie Nitribitt vor ihrem Mercedes Bild: Polizeipräsidium Frankfurt

Das Festival „Frankfurt liest ein Buch“ wird zur Lösung des nie aufgeklärten Mordfalls um Rosemarie Nitribitt wenig beitragen können. Dafür geht es um die vielen Legenden, die sich um die erfolgreiche Prostituierte ranken.

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          Der Pudel starb 1966. Neun Jahre nach seiner Herrin. Am 1. November 1957 wurde Rosemarie Nitribitt von der Polizei tot in ihrer Frankfurter Wohnung gefunden. Was sich in den vorangegangenen Tagen hinter den vier Fenstern des Hauses Stiftstraße 36 zugetragen hatte, wo Nitribitt über der später angebrachten DetektivTudor-Reklame wohnte, hätte neben ihrem Mörder oder ihren Mördern wohl nur das kleine Hundchen berichten können. Für das Tier hatte sie am 29. Oktober, dem letzten Tag, an dem sie lebend gesehen wurde, in einer Metzgerei schräg gegenüber noch etwas Kalbsleber gekauft.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch das Festival „Frankfurt liest ein Buch“, das am 24. Oktober in der Deutschen Nationalbibliothek beginnt, wird zur Lösung des nie aufgeklärten Mordfalls nichts beitragen können. Um die vielen Legenden, Gerüchte und Vermutungen, die sich gerade in Frankfurt schon zu Lebzeiten um die bekannte und erfolgreiche Prostituierte rankten, geht es eine Woche lang sehr wohl, ebenso wie um das an ihr verübte und bis heute unaufgeklärte Verbrechen.

          Anhand des Romans „Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind“, den der Journalist Erich Kuby rasch verfasste, lässt sich studieren, wie Geschichten, die die Phantasie der Zeitgenossen und der Nachwelt entzünden, zwischen Tatsachen und Legendenbildung schwanken. Kubys inspirierte Erfindung erzählt manches, aber nicht alles aus einem deutschen Leben der Nachkriegszeit und erfindet vieles gekonnt, aber frei hinzu. Lesungen, Gespräche und Führungen widmen sich während des Festivals daher dem Roman, seiner Hauptfigur und seinem Autor, dem gesicherten Wissen und den vielen Bildern Rosemarie Nitribitts, die man sich nach ihrem Tod von ihr gemacht hat.

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          Schon im Frühjahr hatte das 2010 erstmals veranstaltete Lesefest stattfinden sollen, nun fällt es pandemiebedingt auf die Tage, in denen sie ermordet wurde, tot in ihrer Wohnung lag und nach der Öffnung des Zweizimmerapartments durch die Polizei endgültig zur Sensation wurde.

          Viele Veranstaltungen sind schon ausverkauft

          Der eine oder andere Abend des Festivals musste coronabedingt abgesagt werden, aber es findet statt. Kubys Witwe Susanne Böhme-Kuby kann nicht aus Venedig anreisen, wird am Eröffnungsabend aber in einer Videobotschaft zu hören sein. Die vielen kleinen Veranstaltungen ermöglichen die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, sind aber vielfach schon ausverkauft. Dennoch lohnt eine Nachfrage bei den einzelnen Veranstaltern, deren Kontaktdaten der Internetseite des Festivals zu entnehmen sind.

          Für einige größere Veranstaltungen sind noch Tickets erhältlich. Das gilt für den Gesprächsabend im Frankfurter Hof mit dem Verleger Klaus Schöffling und Christian Setzepfandt, der mehrere Stadtspaziergänge auf Nitribitts Spuren anbietet (31. Oktober, 18 Uhr), ebenso wie für die Abschlussveranstaltung in der Volksbühne (1. November, 11 Uhr). Hier und da erfährt man vielleicht sogar mehr über den Hund.

          FRANKFURT LIEST EIN BUCH: 24. Oktober bis 1. November, weitere Termine in den Folgetagen. Informationen zu Programm, freien Plätzen und Anmeldung unter frankfurt-liest-ein-buch.de.

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