https://www.faz.net/-gzg-9jh8v

MMK Vorreiter : Frankfurt führt Ankaufsetats für Museen wieder ein

  • Aktualisiert am

Verfügt nun über einen Ankaufetat: MMK-Chefin Susanne Pfeffer Bild: dpa

Als erstes städtisches Museum Frankfurts hat das Museum für Moderne Kunst wieder einen eigenen Etat, um Kunstwerke für die Sammlung zu erwerben. Wie sieht das andernorts aus?

          2 Min.

          In vielen hessischen Städten gibt es Kunstmuseen in kommunaler Trägerschaft. Wenn sie ihre Dauerausstellung erweitern wollen, kostet das Geld. Aber spezielle „Ankaufsetats“ gibt es dafür nur selten. In Frankfurt hat es ein Haus jetzt geschafft, wieder einen solchen Ankaufsetat zu erhalten. Andere sollen nach Möglichkeit folgen, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.

          Als das Frankfurter Museumsufer entstand, schwammen die Frankfurter Ausstellungshäuser vergleichsweise im Geld: Anfang der neunziger Jahre war ein Ankaufsetat für die städtischen Häuser eingeführt worden. 1992 lag er in Summe bei umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro. 2004 wurde der Ankaufsetat abgeschafft. Ein paar Jahre lang wurden danach Mittel aus einem Nachlass für Ankäufe bereitgestellt - bis dieser aufgebraucht war. „Danach gab es keinen Ankaufsetat für die städtischen Museen mehr“, sagt eine Sprecherin des Dezernats.

          525.000 Euro bis 2022

          Wenn Museen fortan etwas kaufen wollten, mussten sie Drittmittel von Sponsoren einwerben. „Sie sind und waren also immer in der Lage, Kunstwerke anzukaufen und tun dies auch“, betonte die Sprecherin. Im November 2018 etwa kaufte das Museum für Moderne Kunst (MMK) den „Boxkampf für die direkte Demokratie“ von Joseph Beuys - mit Geld von Stiftungen und Fördergeldern.

          Seit Jahresbeginn verfügt das MMK nun als erstes stätisches Museum in Frankfurt wieder über einen Ankaufsetat. Im Topf sind 525.000 Euro bis 2022. Kollegen blicken - ohne sich öffentlich äußern zu wollen - ein bisschen neidisch auf die neue Direktorin Susanne Pfeffer. Hartwig sieht den Fall nicht als Ausnahme, sondern aus Startschuss: Der Ankaufsetat für das MMK sei „ein erster Schritt“, die Ankaufsetats wieder einzuführen.

          Gießen hat nur 5000 Euro zur Verfügung

          In Kassel stellt die Stadt Geld für sämtliche Museen und Kunstsammlungen in ihrer Verantwortung bereit: „Den Museen der Stadt Kassel, Stadtmuseum und Naturkundemuseum im Ottoneum, stehen jährliche Budgets für Ankäufe von Ausstellungsobjekten zur Verfügung“, sagte Kulturstadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Im Jahr 2019 beliefen sich diese für das Stadtmuseum auf rund 18.000 Euro, für das Naturkundemuseum auf 15.000 Euro. Hinzu kämen Ankaufsbudgets für die städtische Kunstsammlung - 124.000 Euro in diesem Jahr - sowie für die Grimm-Sammlung der Stadt Kassel 10.000 Euro.

          Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig.

          „Sammlungspflege und -erweiterung sind wesentliche Aufgaben des musealen Betriebs und gewährleisten die Einrichtung, Aktualisierung und damit Attraktivität der Ausstellungen und der Institutionen im Allgemeinen“, erklärte die Sprecherin. Zudem erlaubten die Budgets, flexibel zu reagieren, wenn Ausstellungsobjekte aus Sammlungen oder Privatbesitz der Stadt zum Kauf angeboten würden.

          Dem Oberhessischen Museum der Stadt Gießen steht derzeit ein Anteil von rund 5000 Euro für Erwerbungen zur Verfügung. Das Museum hat mehrere Abteilungen in drei Gebäuden. Zu den Exponaten gehören historische Holzskulpturen, Möbel, Münzen oder Gemälde, außerdem Stiche und Karten zur Stadtgeschichte sowie archäologische oder völkerkundliche Ausstellungsstücke.

          Auch das Wiesbadener „Stadtmuseum am Markt“ verfügt über Geld, um Objekte anzukaufen - über die Höhe des Ankaufsetats machte eine Mitarbeiterin auf Anfrage jedoch keine Angaben. Im SAM wird unter anderem eine stadtgeschichtliche Sammlung präsentiert, darunter historische Kleidung, Flugblätter oder Werbeschriften. Zu den Zukäufen der vergangenen Jahre zählt beispielsweise ein Aquarell aus dem 19. Jahrhundert, das eine Aussicht über den Rhein zeigt. Wie das Museum auf seiner Internetseite mitteilt, stammt das Werk von Karl August Freiherr von Klein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl in Thüringen : Die AfD und die Abgehängten

          Björn Höcke ist unter den thüringischen Wählern nicht gerade beliebt. Viele wollen ihre Stimme trotzdem der AfD geben. Ein Besuch in einer ihrer Hochburgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.