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Frankfurter Kultur : Aus Bankenstadt wird Musikstadt

Symbiose: Aus Ulrike Kienzles neuen Forschungen soll mit dem Leiter der Bürgerstiftung Clemes Greve ein Bürger-Programm erwachsen. Bild: Frank Röth

Ulrike Kienzle erforscht in einem Großprojekt der Bürgerstiftung Frankfurt als Musikmetropole. Die reiche Klang-Geschichte soll für die Heutigen lebendig erfahrbar werden.

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          Als Messe-, Literatur- und Bankenstadt ist Frankfurt berühmt, als Musikstadt aber unterschätzt. Im Grunde äußern Ulrike Kienzle und Clemens Greve also nichts mehr als Tatsachen. Doch sehen sie in dem Mangel an Wertschätzung viel mehr als verletzten Lokalstolz. Die promovierte und habilitierte Musikwissenschaftlerin, die lange als Privatdozentin an der Goethe-Universität lehrte, und der musikbegeisterte Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen glauben vielmehr, dass auf diese Weise ein wesentlicher Teil der kultur- und sozialgeschichtlichen Entwicklung der Stadt verkannt wird, dem weit mehr als regionale Bedeutung zukommt. Sie wollen diesem Missstand daher von Frühjahr an mit einem über mehrere Jahre hinweg angelegten, reichhaltigen Veranstaltungsprogramm unter möglichst breiter Beteiligung der Frankfurter Bürger entgegenwirken.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zielpunkt und zugleich etappenweise Arbeitsgrundlage für das Programm ist eine große, zweibändige Buchpublikation unter dem Titel „Musikstadt Frankfurt“, an der Kienzle im Auftrag der Bürgerstiftung in den kommenden Jahren unter fortwährender Recherche schreiben wird. Die von Kienzle derzeit auf einen Umfang von mindestens 1000 Seiten geschätzte Publikation soll 2026 im Verlag der Bürgerstiftung erscheinen, herausgegeben von Clemens Greve. Die Bände würden so endlich an die Stelle der schon 44 Jahre zurückliegenden letzten umfassenden Gesamtdarstellung des Themas treten: Der 405 Seiten starke Band „Musikleben in Frankfurt am Main. Ein Beitrag zur Musikgeschichte vom 11. bis zum 20. Jahrhundert“ des Frankfurter Musikwissenschaftlers und Dramaturgen Albert Richard Mohr erschien 1976. Er biete interessantes und wertvolles Material, sei aber in anekdotischer Auswahl und ohne Nachweise der Zitate keine wissenschaftliche oder systematische Arbeit. „Insgesamt ist das seinerzeit verdienstvolle Werk veraltet, vergriffen ist es sowieso“, sagt Kienzle. Die in Mörfelden-Walldorf lebende, freischaffend tätige Autorin und Kuratorin kann derzeit sicher als die größte Kennerin der Frankfurter Musikgeschichte gelten, ausgewiesen durch zahlreiche Projekte und Publikationen, mehrfach auch in Kooperation mit der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen.

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