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Frank Schätzing in der Alten Oper : Literatur am Limit

Im hellen Schein der medialen Feuerkraft: Frank Schätzing Bild: dpa

Er kam in Frieden. Aber im hellen Schein der medialen Feuerkraft, die Frank Schätzing in Frankfurt auffuhr, mutete das, was andere Schriftsteller unter Lesungen verstehen, wie Schüsse mit nassen Papierkügelchen an.

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          Er kam in Frieden. Aber im hellen Schein der medialen Feuerkraft, die Frank Schätzing am Montag in Frankfurt auffuhr, mutete das, was andere Schriftsteller unter Lesungen verstehen, wie Schüsse mit nassen Papierkügelchen an. Wenigen Verfassern von Büchern dürfte es gelingen, den Großen Saal der ausverkauften Alten Oper zu füllen. Das gilt sogar für Frankfurt, wo in den vergangenen Jahren viele hundert Menschen den Weg zu Veranstaltungen mit Autoren wie Martin Walser oder Nobelpreisträgern wie Orhan Pamuk gefunden haben.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vermutlich hätte nur Herta Müller in den Tagen und Wochen nach der Nobelpreis-Nachricht versuchen können, in Schätzings Liga zu spielen. Ihr hätte das Bad in der Menge allerdings ebenso wenig gelegen wie der Auftritt mit Mikrofon um den Kopf, elektronischem Lesegerät in der Hand und Leinwand hinter dem Rücken. Dass Schätzings Romane seit jeher der Verfilmung zustreben, die eine Art natürlichen Zustand seines Schreibens darstellt, ist kein Geheimnis. Insofern hatte man durchaus damit rechnen können, dass die Präsentation des neuen Bestsellers „Limit“ von diesem oder jenem grandiosen Schnörkel umrahmt sein würde.

          Übersättigung des Romans mit allerlei Wissen

          Die zwei Stunden lange Schätzing-Schau zur bemannten Raumfahrt im Jahr 2025 und der Ausbeutung von Bodenschätzen auf dem Mond verblüffte dann aber doch. Erstaunlicherweise gab Schätzing, der in seinen Bestsellern damit flirtet, dass der Fortschrittsglaube des Menschen ihn geradewegs ins Desaster führt, sich in Frankfurt eher als Motivationstrainer seines Publikums, das er dazu aufforderte, seine Zukunft sofort in die Hand zu nehmen und zu gestalten. So gefalle es ihm schließlich auch selbst.

          Gelesen wurde an diesem Abend wenig, was den Vorteil hatte, dass sich die Übersättigung des Romans mit allerlei Arten von Wissen weniger bemerkbar machte als bei seiner Lektüre, wo „Limit“ unverdaute Informationen auswirft wie ein Kätzchen Haarbälle. Noch zu feilen hat der Autor, der sich auf seinen Runden über die Bühne auch als Stand-up-Komödiant versuchte, allerdings an der Natürlichkeit seiner Witze; hier klang alles noch zu sehr nach Skript. Das an seine Grenzen getriebene Lesungsgenre beherrscht Schätzing noch nicht so virtuos wie das Schreiben.

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