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Fotographie : Schwebend gelassene Atmosphäre: Künstlerporträts von Barbara Klemm

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Bruno Ganz, fotographiert von Barbara Klemm Bild:

"Auf Photos von anderen Photographen schaue ich mir manchmal als meine eigene Karikatur entgegen, verkrampft, falsch gesehen, nicht-ich" schreibt der Komponist Wolfgang Rihm im Juni 2003 an Barbara Klemm.

          "Auf Photos von anderen Photographen schaue ich mir manchmal als meine eigene Karikatur entgegen, verkrampft, falsch gesehen, nicht-ich" schreibt der Komponist Wolfgang Rihm im Juni 2003 an Barbara Klemm. Bei ihr jedoch wisse er sich genau an den Moment zu erinnern - "diese schwebend gelassene Atmopsphäre, die Du beim Arbeiten herstellst und wo man den Eindruck hat, nichts ,leisten' zu müssen, nichts dazutun zu müssen. Ohne mein Zutun bin ich also auf Deinen Portrait der geworden, der ich bin." Das Ausbleiben von Regieanweisungen verunsicherte auch den Berliner Autor Ingo Schulze ziemlich, als Barbara Klemm ihn auf der Karl-Marx-Allee fotografierte. Er sei schließlich gewillt gewesen, sich Mühe zu geben und zu einem guten Foto beizutragen, meint er, habe es andrerseits aber auch angenehm gefunden, nicht zum Darsteller seiner selbst gemacht zu werden. Und: "bei Barbara Klemm ist man sicher von Verrat."

          Die Künstlerporträts von Barbara Klemm, Redaktionsfotografin dieser Zeitung, sind derzeit im Fotografie Forum im Leinwandhaus zu sehen, in einer Ausstellung, die gleich zwei Anlässe hat: Zum einen ist vor kurzem Barbara Klemms Bildband "Künstlerporträts" im Nicolai Verlag erschienen, mit mehr als 200 Aufnahmen samt den hier im Ausschnitt zitierten Texten von Wolfgang Rihm und Ingo Schulze sowie einem Essay von Wilfried Wiegand, dem langjährigen Deuilletonredakteur dieser Zeitung. Und zum anderen feiert das Fotografie Forum ein stolzes Jubiläum: es besteht seit nunmehr 20 Jahren - und die erste Ausstellung im Gründungsjahr 1984 war ebenfalls Barbara Klemm gewidmet, eine sympathische Kontinuität. Eine Auswahl ihrer Straßenszenen, die sie in den vergangenen Jahzehnten in aller Welt fotografiert hat, werden gleichzeitig in der Kommunalen Galerie ein Stockwerk höher gezeigt.

          Beim Betrachten dieser Künstlerporträts fällt bald auf, wie viele dieser Aufnahmen schon zu unserem kollektiven Bildergedächtnis gehören: Thomas Bernhard vor allem, den Barbara Klemm 1981 so einprägsam fotografierte, als er mit bedächtigen Schritten den fast leeren Raum mit dem gewölbten Plafond in seinem Ohlsdorfer Haus durchquert. Oder Andy Warhol vor dem Tischbein-Goethe 1981 im Städel Oder Botho Strauß, den sie vor 24 Jahren in seiner gleichfalls nahezu fast leeren Berliner Altbauwohnung mit den hohen Wänden vor dem Schreibtisch sitzend aufgenommen hat. Oder Hans-Georg Gadamer, hellwach mit 97 Jahren, an seinem wohlgeordneten Schreibtisch in Heidelberg. Keineswegs alle Schriftsteller lieben diese Leere oder eine perfekte Ordnung: Eine überzeugende Ausnahme ist Friederike Mayröcker, deren Arbeitszimmer in Wien sich als ganz und gar überbordendes Chaos zeigt - ein trostreicher Anblick für alle Mitmenschen, die auch manchmal unter diversen Papiergebirgen beinahe unterzugehen drohen.

          Barbara Klemm, das hat Ingo Schulzeganz richtig gesehen, kommt wie bei ihren Repropotagefotografien auch bei ihren Bildnissen ganz mühelos ohne große Arrangements oder Inszenierungen aus. Und so unterschiedlich diese Künstlerporträts auch sein mögen, gemeinsam ist ihnen, daß sie lebendig und gleichsam sprechend sind, und auf diese Weise unser Interesse wecken, gelegentlich auch unsere Anteilnahme.

          Barbara Klemms Kunst hat natürlich viel mit ihr selber zu tun, mit ihrer Wärme und Offenheit, auch mit ihrer Unbestechlichkeit. Ihre Künsterportrtäts beruhen ganz sicher aber auch darauf, daß sie das Vertrauen ihrer Gegenüber gewinnen kann, daß sie immer wieder eine Art von stillem Einverständnis zwischen sich und dem Porträtiertem entstehen lassen kann, Und so vermitteln die meisten von ihnen den Eindruck, im Augenblick der Aufnahme ganz bei sich gewesen zu sein.

          Eine Aufnahme asu dem Jahr 1999, die nicht unbedingt zu den klassischen Künstlerporträts gehört, hat gleichwohl alle Chancen, auch zu einem kollektiven Lieblingsbild zu werden: Zu sehen ist, wie der frischgekürte Literaturnobelpreisträger Günter Grass voller Glück mit seiner schönen Tochter im rasanten Walzerschritt übers Stockholmer Parkett eilt. Konstanze Crüwell

          Bis 16. Januar, Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr, Wochende 11 bis 17 Uhr.

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